Pressemitteilungen

Rassismus und Antiziganismus müssen weiterhin bekämpft werden!

Zum Geburtstag von Anna Mettbach

Darmstadt, 26.01.2018

Die Gie­ße­ner Sin­tez­za und Holo­caust-Über­le­ben­de Anna Mett­bach wäre am heu­ti­gen Frei­tag 92 Jah­re alt gewor­den. Sie hat die Kon­zen­tra­ti­ons- und Ver­nich­tungs­la­ger Ausch­witz und Ravens­brück über­lebt und muss­te für Sie­mens Zwangs­ar­beit leis­ten. Nach dem Krieg erleb­te sie wie die meis­ten Sin­ti und Roma fort­ge­setz­te Dis­kri­mi­nie­rung. So lehn­te etwa ihre Kran­ken­kas­se die Kos­ten­über­nah­me für die Ent­fer­nung der in Ausch­witz ein­tä­to­wier­ten Häft­lings­num­mer mit der Begrün­dung ab, es wür­de sich um eine Schön­heits­ope­ra­ti­on han­deln.

Vie­le Jah­re lang schwieg Anna Mett­bach öffent­lich zu ihrem Ver­fol­gungs­schick­sal. Erst als im Zuge der Wie­der­ver­ei­ni­gung Anfang der Neun­zi­ger Pogro­me und Mord­an­schlä­ge auf Asyl­be­wer­ber ver­übt wur­den, begann sie damit, von ihrer Lei­dens­ge­schich­te in Schul­klas­sen zu erzäh­len. In Zusam­men­ar­beit mit dem Lan­des­ver­band hat sie in vie­len Hes­si­schen Schu­len als Zeit­zeu­gin berich­tet. Für ihre uner­müd­li­che Arbeit gegen Ras­sis­mus und Men­schen­feind­lich­keit ist sie mit der Hed­wig-Burk­heim-Medail­le der Uni­ver­si­täts­stadt Gie­ßen und mit dem Bun­des­ver­dienst­kreuz aus­ge­zeich­net wor­den. Anna Mett­bach ver­starb am 24. Novem­ber 2015 in Gie­ßen.

Anna Mett­bach hat sich in her­aus­ra­gen­der Wei­se als Bür­ger­recht­le­rin ver­dient gemacht. Ihrem Ein­satz ist zu ver­dan­ken, dass das Schick­sal unse­rer Men­schen – Ver­fol­gung und Ermor­dung im Natio­nal­so­zia­lis­mus und Igno­ranz und Ableh­nung in der Nach­kriegs­ge­sell­schaft – stär­ker ins öffent­li­che Bewusst­sein gerückt ist“, erklärt der Lan­des­vor­sit­zen­de Adam Strauß. „Noch immer wer­den Sin­ti und Roma oft­mals als Bür­ger zwei­ter Klas­se behan­delt – die jahr­hun­der­te­al­ten Vor­ur­tei­le wir­ken nach wie vor. Hier bedarf es wei­ter­hin einer ver­stärk­ten staat­li­chen Ver­ant­wor­tung einer­seits und einer cou­ra­gier­ten Zivil­ge­sell­schaft ande­rer­seits, um Ras­sis­mus, Anti­zi­ga­nis­mus und Anti­se­mi­tis­mus flä­chen­de­ckend zu bekämp­fen“, so Adam Strauß abschlie­ßend.

Auf­grund der gro­ßen Ver­diens­te Anna Mett­bachs wird der Lan­des­ver­band das geplan­te Zen­trum gegen Anti­zi­ga­nis­mus mit Dau­er­aus­stel­lung in Darm­stadt nach ihr benen­nen.

Der Künst­ler Mar­kus Man­tel hat ein Bild gemalt, nach­dem er das Buch „Wer wird die nächs­te sein? Die Lei­dens­ge­schich­te einer Sin­tez­za, die Ausch­witz über­leb­te“ von Anna Mett­bach und Josef Beh­rin­ger gele­sen hat­te. Zu die­sem Gemäl­de hat der Lan­des­ver­band nun einen kur­zen Film pro­du­zie­ren las­sen, den Sie hier betrach­ten kön­nen.

Für Rück­fra­gen errei­chen Sie unser Büro unter 06151 377740.

Hessen stärkt den Minderheitenschutz

Zum Staatsvertrag zwischen dem Land Hessen und dem Landesverband Deutscher Sinti und Roma

Wiesbaden und Darmstadt, 22.11.2017

Bild: Hes­si­sche Staats­kanz­lei

Am heu­ti­gen Mitt­woch hat der Hes­si­sche Land­tag erst­mals einen Staats­ver­trag mit dem Lan­des­ver­band beschlos­sen. Hes­sen folgt damit als drit­tes Bun­des­land auf Schles­wig-Hol­stein, wo die natio­na­le Min­der­heit Deut­scher Sin­ti und Roma seit 2012 Ver­fas­sungs­rang besitzt, und auf Baden-Würt­tem­berg, des­sen Land­tag 2013 einen Staats­ver­trag mit dem Lan­des­ver­band Deut­scher Sin­ti und Roma Baden-Würt­tem­berg abge­schlos­sen hat.

Der Staats­ver­trag beinhal­tet auch die Ein­rich­tung eines gemein­sa­men Gre­mi­ums zwi­schen Lan­des­re­gie­rung und Ver­band, des­sen Auf­ga­ben die regel­mä­ßi­ge Eva­lu­ie­rung der Umset­zung der Zie­le des Staats­ver­trags und der Aus­tausch über aktu­el­le Fra­ge­stel­lun­gen der Min­der­heit und der Mehr­heit sind.

Wir bedan­ken uns beim Land Hes­sen, dass es heu­te zur Unter­zeich­nung des Staats­ver­tra­ges kommt, für den wir lan­ge Zeit gekämpft haben. Er bedeu­tet für uns eine Sicher­heit, dass wir unse­re wich­ti­ge Arbeit unein­ge­schränkt fort­füh­ren kön­nen, gera­de in der heu­ti­gen Zeit, in der der Rechts­po­pu­lis­mus in unse­rem Land wie­der an Zulauf gewon­nen hat”, erklär­te Adam Strauß, Vor­sit­zen­der des Lan­des­ver­ban­des, bereits am 6. Sep­tem­ber anläss­lich der Ver­trags­un­ter­zeich­nung in Wies­ba­den.

Wer Gerechtigkeit fordert, wird verklagt

Zur Abschiebung aus dem Landratsamt in Friedberg

Darmstadt, 24.03.2017

Vor etwa drei Wochen wur­de ein jun­ger Mann mit alba­ni­scher Staats­an­ge­hö­rig­keit, der der Roma-Min­der­heit ange­hört, trotz schwe­rer Erkran­kung und unter skan­da­lö­sen Umstän­den in das Koso­vo abge­scho­ben. Der unter einer schwe­ren post­trau­ma­ti­schen Belas­tungs­stö­rung lei­den­de Mann, der sich seit Janu­ar im Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum zur Behand­lung befand, war unter Vor­spie­ge­lung fal­scher Ver­spre­chun­gen in das Land­rats­amt Fried­berg gelockt und von dort aus inhaf­tiert und direkt abge­scho­ben wor­den. Laut der Sozi­al­ar­bei­te­rin, die ihn zu dem Ter­min beglei­te­te, war ihrem Kli­en­ten im Vor­feld gesagt wor­den, er müs­se zur Kos­ten­über­nah­me für die Kli­nik und ein Taschen­geld per­sön­lich erschei­nen.

Kennt­nis von die­sem unglaub­li­chen Vor­gang, bei dem eine Behör­de einen sui­zid­ge­fähr­de­ten Mann belügt, um ihn anschlie­ßend sei­ner Frei­heit zu berau­ben, hat die Öffent­lich­keit erst durch das cou­ra­gier­te Auf­tre­ten des Lei­ters der Psych­ia­tri­schen Klink des Gie­ße­ner Uni-Kli­ni­kums Prof. Bernd Gall­ho­fer erlangt. Die­sen wie­der­um hat nun der Wet­ter­au­kreis in grö­ße­rem Stil ver­klagt. Der Kreis wirft dem Psych­ia­ter unter ande­rem vor, sei­ne Schwei­ge­pflicht gebro­chen und Behand­lungs­kos­ten in Rech­nung gestellt zu haben. „Die Anzei­ge lässt sich auch so ver­ste­hen, dass hier ein Kri­ti­ker mund­tot gemacht wer­den soll. So ver­stan­den wirft die­ses Ver­hal­ten alles ande­re als ein gutes Licht auf die Ver­wal­tung des Wet­ter­au­krei­ses“ betont Adam Strauß, Vor­sit­zen­der des Lan­des­ver­ban­des deut­scher Sin­ti und Roma. „Es darf nicht sein, dass Behör­den in unse­rem Land Men­schen belü­gen. Eine Abschie­bung unter sol­chen Umstän­den kann wohl kaum als rech­tens bezeich­net wer­den. Ich for­de­re daher das zustän­di­ge Regie­rungs­prä­si­di­um Darm­stadt auf, eine gründ­li­che Unter­su­chung die­ses Fal­les in die Wege zu lei­ten. Auch per­so­nel­le Kon­se­quen­zen müs­sen in die­sem schein­bar schwe­ren Fall von Behör­den­ver­sa­gen erwo­gen wer­den“ erklärt Adam Strauß abschlie­ßend.

39 Personen und eine Dusche

Das politische Elend in Frankfurt am Main

Darmstadt, 01.03.2017

Dut­zen­de Per­so­nen sind seit einer Woche von der Frank­fur­ter Stadt­ver­wal­tung in drei klei­nen Räu­men unter­ge­bracht wor­den und dar­ben dort zur Zeit ohne Ver­sor­gung vor sich hin. Wäh­rend der vor­an­ge­gan­ge­nen Räu­mung der not­dürf­tig errich­te­ten klei­nen Hüt­ten auf einer Indus­trie­bra­che im Gut­leut­vier­tel wur­de ihr spär­li­cher Besitz, dar­un­ter auch Lebens­mit­tel, zer­stört oder ein­ge­la­gert und den Men­schen aktu­ell vor­ent­hal­ten. Für 39 Frau­en und Män­ner gibt es nur eine ein­zi­ge Dusche. Obwohl sich in unmit­tel­ba­rer Nähe der Unter­brin­gung die Küche einer Flücht­lings­un­ter­kunft befin­det, darf die­se der­zeit nicht von den not­lei­den­den Men­schen genutzt wer­den. Auch der Besuch durch Unter­stüt­zer wur­de ver­bo­ten.

Die Stadt Frank­furt und die ver­ant­wort­li­che Sozi­al­de­zer­nen­tin füh­ren hier bewusst eine Situa­ti­on des Elends her­bei, die ent­wür­di­gend, gesund­heits­schäd­lich und letzt­lich lebens­ge­fähr­lich für die Betrof­fe­nen ist“, erklärt Adam Strauß, Vor­sit­zen­der des Ver­band deut­scher Sin­ti und Roma, Lan­des­ver­band Hes­sen. „Über die Grün­de eines sol­ches men­schen­ver­ach­ten­den Ver­hal­tens kann ich der­zeit nur spe­ku­lie­ren. Mög­li­cher­wei­se herrscht der Glau­be vor, wenn man den Men­schen den Auf­ent­halt hier­zu­lan­de nur uner­träg­lich genug mache, wer­den sie in ihre Her­kunfts­län­der zurück­keh­ren. In die­sen sehen sich Ange­hö­ri­ge der Roma-Min­der­heit aber rasissti­scher Dis­kri­mi­nie­rung und Ver­fol­gung bis hin zum Mord aus­ge­setzt; schlim­mer als dort kann es hier also gar­nicht sein. Anstatt die bru­ta­le Spi­ra­le der Gewalt und des Elends wei­ter zu beför­dern, for­de­re ich die Frank­fur­ter Stadt­ver­wal­tung auf, men­schen­recht­li­che Stan­dards auch im Umgang mit Men­schen mit Roma-Hin­ter­grund ein­zu­hal­ten und end­lich das Leid der Betrof­fe­nen anzu­er­ken­nen und abzu­mil­dern.“

Brandanschlag auf obdachlose Menschen
in Frankfurt

Darmstadt, 21.12.2016

Am 2. Dezem­ber wur­de unter einer Brü­cke der Rosa-Luxem­burg-Stra­ße in Frank­furt am Main eine Schlaf­stät­te von Obdach­lo­sen aus Rumä­ni­en, die ver­mut­lich auch Roma sind, ange­zün­det. Die­ser Brand­an­schlag ist wahr­schein­lich bereits der zwei­te inner­halb kur­zer Zeit in Frank­furt am Main, der sich gegen Roma rich­tet. Im Sep­tem­ber kam es in Frank­furt-Fechen­heim an einem Haus, das von Roma bewohnt wur­de, zu einer Brand­stif­tung.

Die von Poli­ti­kern und Jour­na­lis­ten geschür­te Het­ze gegen soge­nann­te Armuts­flücht­lin­ge führt nicht nur zu Ver­elen­dung und ver­stärk­ter Dis­kri­mi­nie­rung von Men­schen, die ohne­hin an den Rand der Gesell­schaft gedrängt wor­den sind“, sagt Adam Strauß, Vor­sit­zen­der des Lan­des­ver­bands. „Sie schafft auch ein Kli­ma, dass ras­sis­ti­sche Taten bis hin zu Mord­an­schlä­gen begüns­tigt.“

Alle euro­päi­schen Roma und Sin­ti sind von den Natio­nal­so­zia­lis­ten aus ras­sis­ti­schen Grün­den – vom Klein­kind bis zum Greis – ver­folgt wor­den. Eine hal­be Mil­li­on unse­rer Men­schen sind sys­te­ma­tisch in den 40er Jah­ren ermor­det wor­den. Wie Nach­kom­men der Ver­folg­ten heu­te zum Teil behan­delt wer­den, ist an geschicht­li­cher Ver­ant­wor­tungs­lo­sig­keit und Unge­rech­tig­keit kaum zu über­bie­ten“, erklärt Adam Strauß abschlie­ßend.

Frankfurter Sozialpolitik?

Darmstadt, 21.10.2016

Die Behand­lung der obdach­lo­sen Roma durch Stadt und Bür­ger ist geschichts­ver­ges­sen und unmensch­lich

Seit Wochen sah sich eine Grup­pe obdach­los gewor­de­ner rumä­ni­scher Roma dazu gezwun­gen, im Frei­en vor der Frank­fur­ter Weiß­frau­en­kir­che unter men­schen­un­wür­di­gen Bedin­gun­gen zu über­nach­ten. Die ohne­hin gro­ße Not der Men­schen wur­de dadurch noch ver­stärkt, dass Anwoh­ner und Pas­san­ten die Men­schen ver­bal und auch kör­per­lich angrif­fen; unter ande­rem sol­len Per­so­nen Eier auf die obdach­lo­sen Men­schen gewor­fen haben.

Die Betrof­fe­nen gehö­ren den Roma an und sind damit Nach­kom­men der Über­le­ben­den des natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Völ­ker­mords an den Sin­ti und Roma. In ganz Euro­pa wur­den zur Nazi­zeit Sin­ti und Roma ent­rech­tet, depor­tiert und ver­folgt. Geschätz­te 500.000 Men­schen wur­den – vom Klein­kind bis zum Greis – von deut­schen Sol­da­ten und SS sowie ver­bün­de­te­ter mili­tä­ri­scher Ver­bän­de ermor­det. Wie der Völ­ker­mord an den Juden geht dem Völ­ker­mord an den euro­päi­schen Sin­ti und Roma eine jahr­hun­der­te­lan­ge Vor­ge­schich­te der Aus­gren­zung, Dis­kri­mi­nie­rung und Ver­fol­gung vor­an. Auf Sin­ti und Roma sind über Jahr­hun­der­te “Zigeu­ner­bil­der” pro­je­ziert wor­den. Auch heu­te stel­len die­se Vor­ur­tei­le und Ste­reo­ty­pe Sin­ti und Roma gegen­über, wis­sen­schaft­lich als “Anti­zi­ga­nis­mus” bezeich­net, die am wei­tes­ten ver­brei­te­te grup­pen­be­zo­ge­ne Men­schen­feind­lich­keit in Deutsch­land und Euro­pa dar. Mas­si­ve Dis­kri­mi­nie­run­gen, in Ost­eu­ro­pa bis hin zu Ver­fol­gung und Mord, sind die Fol­ge.

Dass die Stadt Frank­furt die B-Ebe­ne der Haupt­wa­che als Sozi­al­woh­nung für die in ihrem Hei­mat­land an den Rand der Gesell­schaft gedräng­ten und auch hier in Frank­furt atta­ckier­ten Men­schen betrach­tet, ist ein poli­ti­sches Armuts­zeug­nis” erklärt Adam Strauß, Vor­sit­zen­der des Lan­des­ver­bands und ergänzt: “Dass es nun ein Pri­vat­mann ist, der sich der Men­schen annimmt, zeugt von des­sen Mit­ge­fühl und Men­schen­lie­be. Es zeigt aber auch, wie sehr die Stadt ihre Pflicht gegen­über Hilfs­be­dürf­ti­gen ver­nach­läs­sigt.”

Zuwan­dern­de Roma wer­den von der Poli­tik in der jahr­hun­der­te­al­ten ras­sis­ti­schen Tra­di­ti­on wei­ter­hin als Sicher­heits­pro­blem wahr­ge­nom­men. Es schmerzt mich, dass die sozia­le Käl­te und die Geschichts­ver­ges­sen­heit so groß ist, dass bedürf­ti­ge Men­schen von der Frank­fur­ter Bür­ger­schaft nicht unter­stützt, son­dern ange­grif­fen wer­den”, so Adam Strauß abschlie­ßend.

3. Darmstädter Tagung gegen Antiziganismus

Darmstadt, 30. November 2015

Gemein­sa­me Pres­se­mit­tei­lung der Wis­sen­schafts­stadt Darm­stadt und des Ver­bands Deut­scher Sin­ti und Roma Hes­sen

Ober­bür­ger­meis­ter Jochen Partsch eröff­net 3. Darm­städ­ter Tagung gegen Anti­zi­ga­nis­mus am 8. Dezem­ber zum The­ma „Bil­der und Vor­ur­tei­le als Grund­la­ge für Aus­gren­zun­gen und Ver­fol­gun­gen von Sin­ti und Roma“

Denk­mal zur Erin­ne­rung an die Depor­ta­ti­on der Darm­städ­ter Sin­ti nach Ausch­witz vor dem Jus­tus-Lie­big-Haus. © Wis­sen­schafts­stadt Darmstadt/ Eva Bre­dow-Cor­dier
Vor weni­gen Tagen haben Unbe­kann­te das 2012 in Ber­lin errich­te­te Denk­mal für die von den Natio­nal­so­zia­lis­ten ver­folg­ten und ermor­de­ten Sin­ti und Roma geschän­det, indem sie ein Haken­kreuz und das Wort „Ver­ga­sen“ am Ein­gangs­be­reich anbrach­ten. Auch das Darm­städ­ter Denk­mal Denk­zei­chen Güter­bahn­hof, das an die Depor­ta­ti­on der Darm­städ­ter Juden und Sin­ti erin­nert, wur­de in den ver­gan­ge­nen Jah­ren bereits zwei­mal mut­wil­lig beschä­digt.

Die­se Vor­fäl­le – wie auch die anhal­ten­de Het­ze auf Pegi­da-Demons­tra­tio­nen gegen soge­nann­te Armuts­flücht­lin­ge – zei­gen den wei­ter­hin gras­sie­ren­den Ras­sis­mus gegen Sin­ti und Roma in unse­rer Gesell­schaft. In Darm­stadt dür­fen wir Dis­kri­mi­nie­rung und Aus­gren­zung nicht zulas­sen“, erklärt Ober­bür­ger­meis­ter Jochen Partsch.

Der Anti­zi­ga­nis­mus ist die am wei­tes­ten ver­brei­te­te grup­pen­be­zo­ge­ne Men­schen­feind­lich­keit in unse­rer Gesell­schaft. Um die jahr­hun­der­te­al­ten „Zigeu­ner­bil­der“ als Vor­ur­tei­le zu ent­lar­ven und ein mensch­li­ches Mit­ein­an­der zwi­schen den oft­mals seit vie­len Jahr­hun­der­ten hier behei­ma­te­ten Sin­ti und Roma und der Mehr­heits­ge­sell­schaft zu ermög­li­chen, ist und bleibt Auf­klä­rungs­ar­beit drin­gend nötig“ ergänzt Rinal­do Strauß vom Hes­si­schen Lan­des­ver­band der deut­schen Sin­ti und Roma.
Vor die­sem Hin­ter­grund ver­an­stal­tet der Ver­band Deut­scher Sin­ti und Roma (Lan­des­ver­band Hes­sen) am 8. Dezem­ber ab 10 Uhr die drit­te Darm­städ­ter Tagung gegen Anti­zi­ga­nis­mus im Jus­tus-Lie­big-Haus, Gro­ße Bach­gas­se 2, die vom Darm­städ­ter Ober­bür­ger­meis­ter Jochen Partsch eröff­net wer­den wird. Koope­ra­ti­ons­part­ner ist die Stu­die­ren­den­ver­tre­tung (AStA) der TU Darm­stadt. Alle Inter­es­sier­ten sind herz­lich ein­ge­la­den.
Neben der Vor­stel­lung der neu­en mobi­len Aus­stel­lung des Ver­bands, die sich in ers­ter Linie an Bil­dungs­in­sti­tu­tio­nen rich­tet, ste­hen Work­shops mit Anti­zi­ga­nis­mus-For­sche­rin­nen – und For­schern sowie eine Podi­ums­dis­kus­si­on mit Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­tern der Land­tags­frak­tio­nen und Bür­ger­recht­lern auf dem Pro­gramm.

Pro­gramm als pdf-Datei

Antiziganismus bekämpfen – im Sport und überall

Darmstadt, 2. Juli 2015

Am 25. Mai skan­dier­ten Spie­ler des Sport­ver­eins Darm­stadt 98 wäh­rend der zen­tra­len Auf­stiegs­fei­er auf der Büh­ne am Karo­li­nen­platz mehr­fach „Schus­ter, Du Zigeu­ner“. Eine Video­auf­nah­me des­sen wur­de vom Radio­sen­der FFH ins Inter­net unter dem Titel „Darm­stadt 98 Jubel auf der Fei­er­büh­ne“ hoch­ge­la­den und tau­send­fach ange­se­hen und dis­ku­tiert. Nach eini­gen Tagen wur­de das Video vom Sen­der kom­men­tar­los gelöscht.

Der seit über drei­ßig Jah­ren in Darm­stadt ansäs­si­ge Lan­des­ver­band Deut­scher Sin­ti und Roma ist zunächst durch enga­gier­te Mit­bür­ger, spä­ter auch durch Pres­se­an­fra­gen von dem Vor­fall infor­miert wor­den. Der Ver­band hat dar­auf­hin den Sport­ver­ein kon­tak­tiert und konn­te am 24. Juni ein per­sön­li­ches Gespräch mit dem Vize­prä­si­den­ten des Ver­eins Mar­kus Pfitz­ner füh­ren.

Vom Ver­hal­ten die­ser Spie­ler waren wir ent­setzt. Daher haben wir sofort das Gespräch mit den Ver­ant­wort­li­chen im Ver­ein gesucht“, erklärt Rinal­do Strauß, stell­ver­tre­ten­der Geschäfts­füh­rer des Ver­bands. „Das Gespräch mit Herrn Pfitz­ner war von gegen­sei­ti­gem Respekt und Ver­ständ­nis geprägt. Er hat sich uns gegen­über im Namen des Ver­eins ent­schul­digt und wir haben auch gemein­sam zukünf­ti­ge Koope­ra­ti­ons­mög­lich­kei­ten erör­tert. Den­noch wür­den wir uns wei­ter­hin auch eine öffent­li­che Distan­zie­rung des Ver­eins wün­schen. Schließ­lich hat der Fuss­ball ins­be­son­de­re der Jugend gegen­über eine Vor­bild­funk­ti­on“, so Rinal­do Strauß wei­ter. „Selbst­ver­ständ­lich ist aber der Anti­zi­ga­nis­mus – der Ras­sis­mus unse­ren Men­schen gegen­über – kein exklu­si­ves Pro­blem des Darm­städ­ter Sport­ver­eins, son­dern ein gesamt­ge­sell­schaft­li­ches Pro­blem, das sich dann in sol­chen Vor­fäl­len zeigt. Der Grund dafür sind Unwis­sen­heit und Vor­ur­teils­struk­tu­ren. Daher ist Auf­klä­rungs­ar­beit so drin­gend nötig. Wir freu­en uns dar­über, dass der Vize­prä­si­dent des Ver­eins dar­an gro­ßes Inter­es­se gezeigt hat und wer­den uns wei­ter­hin über Mög­lich­kei­ten der Zusam­men­ar­beit aus­tau­schen“, so Rinal­do Strauß abschlie­ßend.

Gräber von NS-verfolgten Sinti und Roma-Familien erhalten und gesetzlich schützen

Presseinformation vom 17. Juni 2015

Adam Strauß (Foto: Frankfurter Rundschau)
Adam Strauß (Foto: Frank­fur­ter Rund­schau)

Termin beim Bundesrat am 19. Juni 2015 um 14:30 Uhr

Sin­ti- und Roma-Fami­li­en ste­hen über­all in Deutsch­land zuneh­mend vor dem Pro­blem, dass die Grab­stät­ten ihrer Ange­hö­ri­gen, zu denen die ver­stor­be­nen Über­le­ben­den des Holo­caust gehö­ren, auf­grund abge­lau­fe­ner Fris­ten (Ruhe­zei­ten) nach den übli­chen Fried­hofs­ord­nun­gen end­gül­tig besei­tigt wer­den. Der Zen­tral­rat Deut­scher Sin­ti und Roma mit sei­nen ange­schlos­se­nen Lan­des­ver­bän­den for­dert schon seit län­ge­rem vom Bund und von den Län­dern eine gesetz­li­che Rege­lung in Form einer „ewi­gen Ruhe“.

Adam Strauß, der Vor­sit­zen­de des Lan­des­ver­bands Hes­sen, wird am kom­men­den Frei­tag bei dem Gespräch im Bun­des­rat, unter Lei­tung des Hes­si­schen Minis­ter­prä­si­den­ten Vol­ker Bouf­fier, dabei sein.

Der Lan­des­vor­sit­zen­de Adam Strauß steht nach Ende des Gesprächs am 19. Juni 2015 um 14:30 vor dem Bun­des­rat, Leip­zi­ger Stra­ße 3–4, in Ber­lin für Fra­gen der Jour­na­lis­ten zur Ver­fü­gung.

Der Ver­band Deut­scher Sin­ti und Roma, Lan­des­ver­band Hes­sen hat mit der Hes­si­schen Lan­des­re­gie­rung schon im März 2014 eine Rah­men­ver­ein­ba­rung geschlos­sen, die in Arti­kel 10 festschreibt:„Die Hes­si­sche Lan­des­re­gie­rung appel­liert vor dem Hin­der­grund der Ver­fol­gungs­maß­nah­men und des Völ­ker­mords an den Sin­ti und Roma an die Fried­hofs­trä­ger, Rück­sicht auf die beson­de­ren Belan­ge der betrof­fe­nen Fami­li­en zu neh­men, ins­be­son­de­re im Hin­blick auf die Zulas­sung der Bestat­tung in Grüf­ten. Hin­sicht­lich der in Zukunft ablau­fen­den Ruhe­fris­ten, sucht die Lan­des­re­gie­rung in Zusam­men­ar­beit mit dem Lan­des­ver­band nach einer Lösung, die dem Cha­rak­ter der Grä­ber als Stät­ten der his­to­ri­schen Erin­ne­rung ent­spricht.“

Etwa 320 Grä­ber in Hes­sen sind uns bekannt. Die Erhal­tung die­ser Grab­stät­ten ist für die Men­schen der natio­na­len Min­der­heit deut­scher Sin­ti und Roma Teil ihrer kul­tu­rel­len Iden­ti­tät; sie kön­nen hier auch der Ver­stor­be­nen des Völ­ker­mords, für die es kei­ne Grä­ber gibt, geden­ken. Bis­her haben nur die Städ­te Hanau und Mar­burg für die­se Grab­stät­ten von NS-Über­le­ben­den Sin­ti und Roma auf ihren Fried­hö­fen ein „ewi­ges Ruhe­recht“ in ihren Fried­hofs­sat­zun­gen ver­an­kert.

Vor dem Hin­ter­grund der Zusa­gen von Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin Manue­la Schwe­sig und Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re, eine Ergän­zung des „Geset­zes zu dem Rah­men­über­ein­kom­men des Euro­pa­rats zum Schutz natio­na­ler Min­der­hei­ten“ (BT-Druck­sa­che 13/6912) posi­tiv zu prü­fen, soll der Bun­des­rat in sei­ner Sit­zung am 19. Juni 2015 eine ent­spre­chen­de Ent­schlie­ßung ver­ab­schie­den.

Die Umset­zung der bun­des­weit gel­ten­den Rege­lung erfolgt dann durch die jewei­li­gen Bun­des­län­der.

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