Auf dem ersten Hessischen Vernetzungstreffen der Schulen gegen Rassismus – Schulen mit Courage am 10. Oktober in Frankfurt am Main hat der Landesverband seine neue Roll-Up-Ausstellung “Der Weg der Sinti und Roma” vorgestellt. Die Ausstellung thematisiert die Diskriminierung, Ausgrenzung und Verfolgung von Sinti und Roma seit ihrer Ankunft vor 600 Jahren in Mitteleuropa bis heute.
Unsere beiden Workshops bestanden aus einer Führung und einer offenen Gesprächsrunde zwischen interessierten Schüler- und LehrerInnen und den beiden Vertretern des Verbandes. Diskutiert wurde unter anderem darüber, wie Vorurteile und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit entstehen und funktionieren. Ein weiteres Gesprächsthema war die Situation für Menschen mit Sinti- oder Roma-Hintergrund an Bildungsinstitutionen.
Am 24. September hat der Landesverband eine Fahrt zur Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald organisiert. An der Fahrt nahmen Sinti aus Bad Hersfeld, Bebra, Darmstadt und Umgebung teil.
Mahnmal für die ermordeten Sinti und Roma in Buchenwald
In der Woche vom 19. bis 23. September wurde im Rahmen der interkulturellen Wochen die mobile Ausstellung „Hornhaut auf der Seele“ im Ober-Ramstädter Rathaus gezeigt. Rinaldo Strauß sagte als Vertreter des Landesverbandes anlässlich der Ausstellungseröffnung am Montag, dass die aktuelle Debatte über „Armutsflüchtlinge“ nicht nur Parallelen zur geschichtlichen Verfolgung der Sinti und Roma aufzeige, sonden auch, wie tief der Antiziganismus noch immer in der Gesellschaft verwurzelt sei. Antiziganismus ist der Begriff für die Feindschaft gegenüber Sinti und Roma, auf die man “Zigeuner”-Bilder überträgt. Der Antiziganismus war die Grundlage für den Völkermord an ca. 500 000 Sinti und Roma, der von den Nazis begangen wurde.
Vom 6. bis 24. Juni fanden an der Hessischen Hochschule für Polizei und Verwaltung in Wiesbaden Projektwochen gegen Antiziganismus statt.
Der Verband zeigte in dieser Zeit seine Ausstellung “Hornhaut auf der Seele”. Neben der Eröffnungsveranstaltung am 7. Juni, bei dem der Autor der Ausstellung Dr. Udo Engbring-Romang durch die Ausstellung führte, organisierte der Landesverband in Kooperation mit der Hochschule unter anderem einen Workshop zu Studierenden-Guides durch die Ausstellung, einen Workshop zur Sensibilisierung für Rassismus und eine Diskussionsveranstaltung zur Bürgerrechtsarbeit der Minderheit.
Die Bürgerrechtler Romeo Franz (Hildegard-Lagrenne-Stiftung) und Rinaldo Strauß (Landesverband) mit Georg Brandt von der Polizeihochschule
Im Rahmen des Darmstädter Gedenkjahres 2016 hat der Historiker Dr. Udo Engbring-Romang einen Vortrag anlässlich des 60. Jahrestags des rassistischen Urteils des Bundesgerichtshof 1956 gehalten. Das Urteil verwehrte teilweise Überlebenden des Völkermords eine Entschädigung für ihre Leiden in den Konzentrations- und Vernichtungslagern der Nationalsozialisten.
Stadträtin Iris Bachmann als Vertreterin der Wissenschaftsstadt Darmstadt und Rinaldo Strauß vom Landesverband hielten Grußworte.
„60 Jahre — Versagte Entschädigung der Sinti und Roma durch den Bundesgerichtshof“
Vom 20. bis zum 29. Mai war unser Verband mit der neuen mobilen Ausstellung “Der Weg der Sinti und Roma” auf dem Hessentag in Herborn vertreten. Insgesamt haben sich rund 1500 Besucherinnen und Besucher unsere Ausstellung angeschaut.
Unsere Ausstellung war Teil der Landesausstellung auf dem Hessentag, die Ministerpräsident Volker Bouffier am Samstag 21. Mai eröffnete.
Ministerpräsident Bouffier, Rinaldo Strauß vom Landesverband, Regierungspräsident Dr. Ullrich (RP Gießen)Besuch von Willi van Ooyen (Fraktionsvorsitzender Die Linke)Der SPD-Arbeitskreis Soziales in der Ausstellung
Die Studierendenvertretung (AStA) der Universität Gießen organisiert im Sommersemester eine Veranstaltungsreihe zu Antiziganismus und zeigt die mobile Ausstellung des Landesverbands “Hornhaut auf der Seele” vom 2. bis 28. Mai 2016 im Guthschrift Antiquariat, Bahnhofstraße 26, 35390 Gießen. Besichtigungszeiten sind Mo. bis Fr. zwischen 11 und 19 Uhr und Sa. zwischen 10:30 und 18:30 Uhr.
Die Eröffnungsveranstaltung der Reihe fand in Kooperation mit unserem Landesverband am Abend des 3. Mai 2016 in der Alten Universitätsbibliothek in Gießen statt.
Rinaldo Strauß vom Hessischen LandesverbandFatima Stieb las aus den Lebenserinnerungen der Gießener Sinteza und Überlebenden des Völkermords Anna Mettbach. Anna Mettbach wurde 1926 in Ulfa (Wetterau) geboren und 1942 als Sechzehnjährige von Schweinfurt aus nach Auschwitz verschleppt. 1944 wurde sie in das Konzentrationslager Ravensbrück verbracht und musste bei Siemens in Wolkenburg (Sachsen) Zwangsarbeit leisten. Kurz vor Kriegsende wurde sie auf einen Todesmarsch in das Konzentrationslager Dachau geschickt. Sie engagierte sich zeitlebens dafür, dem erneuten Aufkommen eines Faschismus entgegenzuwirken. Anna Mettbach starb am 23. November 2015 in Gießen.
Nach der Lesung fand eine von Malte Clausen moderierte Podiumsdiskussion zu
„Verfolgungsgeschichte und Diskriminierung heute“ mit Joachim Brenner (Förderverein Roma e.V. Frankfurt), Dr. Udo Engbring-Romang (Gesellschaft für Antiziganismusforschung) und Rinaldo Strauß (Landesverband) statt.
Dem Marburger Professor für Germanistik Wilhelm Solms wurde am 11. April das Bundesverdienstkreuz verliehen. Die Ehrung durch den Marburger Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies erfolgte aufgrund der jahrzehntelangen Arbeit Wilhelm Solms gegen den Antiziganismus.
Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies, Professor Dr. Wilhelm Solms und Staatsminister Dr. Thomas Schäfer. Foto: Philipp Höhn
Wilhelm Solms ist Gründungsmitglied und Vorsitzender der Gesellschaft für Antiziganismusforschung, ein Zusammenschluss von Forschenden, die sich kritisch mit den “Zigeunerbildern” der Gesellschaft befassen, die Sinti und Roma seit Jahrhunderten übergestülpt werden. Für den Landesverband, den eine langjährige Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Antiziganismusforschung verbindet, nahm Romano Strauß teil.
Marian Zachow, Anne Oppermann, Dr. Franz Kahle, Romano Strauß, Dr. Thomas Spies und Heinrich Löwer. Bild: Heiko Krause, Stadt Marburg
Am 23. März wurde der Deportation von Sinti aus Marburg und Umgebung ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau vor 73 Jahren gedacht. Am Gedenken nahmen gemeinsam mit etwa 50 Bürgerinnen und Bürgern auch Romano Strauß als Vertreter des Landesverbands und der Marburger Oberbürgermeister Dr. Thomas Spieß sowie Bürgermeister Dr. Franz Kahle und Stadtverordnetenvorsteher Heinrich Löwer teil.
Der Oberbürgermeister verurteilte in seiner Ansprache die nationalsozialistischen Verbrechen und wies auf die jahrhundertelange Verfolgungsgeschichte der Minderheit seit dem Mittelalter hin. Er thematisierte auch die bis heute andauernde Ausgrenzung und Diskriminierung von Sinti und Roma und erklärte es zur Verantwortung von Politik und Zivilgesellschaft, für eine offene und von Respekt getragene Gesellschaft einzutreten. Romano Strauß drückte in seiner Ansprache seine Freude über alle Menschen aus, die sich gegen Diskriminierung und für eine friedliche Gesellschaft einsetzen.
Romano Strauß vom Landesverband, Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies und Stadtverordnetenvorsteher Heinrich Löwer. Bild: Heiko Krause, Stadt Marburg
Am 16. März 2016 wurde in einer Stunde der Erinnerung und Mahnung der Deportation der Gießener Sinti in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau vor 73 Jahren gedacht.
Mahnmal am Gießener Rathaus (Foto: Cherubino)
In einer bewegenden Ansprache hob die Gießener Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz auch die Verdienste der Gießener Sintezza Anna Mettbach hervor, die als Überlebende des Völkermords unermütlich gegen Faschismus und Rassismus kämpfte und im vergangenen November verstarb.
Wie die Oberbürgermeisterin warnte auch Rinaldo Strauß als Vertreter des Landesverbands vor dem derzeitigen Erstarken rechter Bewegungen in der Bundesrepublik und erklärte, dass Ausgrenzung und Diskriminierung nicht nur in der Vergangenheit existierten, sondern auch heute noch zum Alltag von Angehörigen der Minderheit gehören.
Prof. Benjamin Ortmeyer von der Forschungsstelle NS-Pädagogik der Universität Frankfurt hob in seinem Vortrag die besonderen Grausamkeiten hervor, denen Sinti und Roma im sogenannten Zigeunerlager Auschwitz-Birkenau ausgesetzt waren und zu denen auch die menschenverachtenden Versuche an Kindern durch den NS-Arzt Josef Mengele zählen. Insgesamt fielen den Nazis schätzungsweise 500.000 Sinti und Roma in Europa zum Opfer. Von den 40.000 deutschen und österreichischen Sinti und Roma wurden 20.000 Menschen aus rassistischen Gründen — vom Kleinkind bis zum Greis — ermordet.
Dass die Überlebenden auch in der Nachkriegszeit großes Unrecht erfuhren, wurde von der Oberbürgermeisterin als auch von Herrn Strauß und Herrn Ortmeyer betont. Angesichts anhaltender Ressentiments gegen Sinti und Roma bat beim anschließenden Gebet der katholischen und evangelischen Kirchen Pfarrer Andreas Specht alle Sinti und Roma um Vergebung angesichts von “Schweigen und Gleichgültigkeit” in der Mehrheitsbevölkerung.
Am 23. März wurden Stolpersteine für Verfolgte des Naziregimes verlegt, darunter auch für Peregrinus und Klara Mettbach, die in Auschwitz starben, und ihre Tochter Maria Mettbach, die wie ihre Schwägerin Anna Mettbach den Völkermord überlebte.