Unser Landesvorsitzende Adam Strauß hat am vergangenen Donnerstag, den 28. Januar, gemeinsam mit dem Hessischen Kultusminister Lorz der Öffentlichkeit eine Lehrerhandreichung zur Verfolgungsgeschichte von Sinti und Roma vorgestellt.
v.l.n.r.: Dr. Udo Engbring-Romang (Hauptautor der Handreichung), Mirko Meyerding (Mitautor), Dr. Marlis Sewering-Wollanek (Mitautorin), Adam Strauß (Vorsitzender des Landesverbandes), Fatima Stieb (Angehörige der Minderheit), Prof. Alexander Lorz (Kultusminister), Guido Seib (Schulleiter)
Die neue Lehrerhandreichung wurde an der Brüder-Grimm-Schule in Steinau a. d. Straße (Main-Kinzig-Kreis) präsentiert und wird vom Kultusministerium aus an alle Hessischen Schulen versendet.
Adam Strauß (Vorsitzender des Landesverbands)
Neben Adam Strauß, der in seiner Rede auf die Notwendigkeit verwies, das Thema Antiziganismus an allen Hessischen Schulen verpflichtend zu unterrichten, berichtete auch Fatima Stieb eindrücklich von alltäglich erfahrenen Diskriminierungen und Rassismus.
Am 26. Januar haben Rinaldo Strauß und Malte Clausen vom Hessischen Landesverband an der Goethe-Schule in Dieburg einen Projekttag gegen Antiziganismus im Rahmen der dortigen Schulprojektwoche durchgeführt. Malte Clausen leitete einen Workshop zur Sensibilisierung für Rassismus und zur Funktionsweise des Antiziganismus an. Im Anschluss stand Rinaldo Strauß den Schülerinnen und Schülern Rede und Antwort und führte durch die neue mobile Ausstellung des Landesverbands “Der Weg der Sinti und Roma”, die während der Projektwoche von den Angehörigen der Schule besichtigt werden könnte.
Mitte Januar haben Schülerinnen und Schüler aus dem Politik und Wirtschafts-Leistungskurs des 12. Jahrgangs der Georg-Christoph-Lichtenbergschule in Ober-Ramstadt ein Interview mit Rinaldo Strauß vom Landesverband in unserer Darmstädter Geschäftsstelle geführt. Das Interview ist Grundlage für einen Film, den die Schülerinnern und Schüler anlässlich des Tags des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar erstellt haben.
Am Di. 8. Dezember 2015 fand die dritte Darmstädter Tagung gegen Antiziganismus statt. Die Tagung im Justus-Liebig-Haus wurde von Rinaldo Strauß vom Landesverband und von Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch eröffnet.
Auf der Tagung stellte zunächst der Autor Dr. Udo Engbring-Romang die neue mobile Ausstellung des Verbands “Der Weg der Sinti und Roma” vor, die hier auch erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Die Ausstellung richtet sich neben einer allgemeinen Öffentlichkeit besonders an Bildungsinstitutionen.
Am Nachmittag stellten WissenschaftlerInnen ihre Forschungen zu “Zigeunerbildern” und zur Bürgerrechtsarbeit der deutschen Sinti und Roma in Workshops zur Diskussion. Auf dem Abschlusspodium debattierten dann Landespolitiker und Bürgerrechtler über die Ergebnisse des Tages und die Frage, welche politischen Maßnahmen zur Bekämpfung des Antiziganismus ergriffen werden können und sollen.
MdL Corrado di Benedetto (SPD), Tina Dürr (beratungsNetzwerk Hessen) und Rinaldo Strauß vom Landesverband
Abschlusspodium: Tina Dürr (beratungsNetzwerk Hessen) und Rinaldo Strauß vom Landesverband
Die Neue Ausstellung des Landesverbandes “Der Weg der Sinti und Roma” mit Medienstationen
Auch das Darmstädter Echo berichtete über die Tagung
Programm der Tagung
10 Uhr Eröffnung und Grußworte
10:30 Uhr Vorstellung des Programms und Einzelvorstellung der Workshops
11 Uhr Einführungsreferat und kurze Führung durch die neue Ausstellung (Dr. Udo Engbring-Romang)
12 Uhr Mittagspause
13 Uhr Workshopphase
Workshop 1: Diskriminierungsgeschichte: Fotografische Konstruktion des „Zigeuners“ (Dr. Frank Reuter)
Workshop 2: Aktualität der Diskriminierung: Zigeunerbilder in den Medien (Markus End)
Workshop 3: Die Bürgerrechtsbewegung der deutschen Sinti und Roma (Daniela Gress)
Workshop 4: Minderheitenpolitik und der Blick der Mehrheitsgesellschaft auf Sinti und Roma nach 1945 (Irene Wachtel)
15 Uhr Kaffeepause
15:30 Uhr Gemeinsames Plenum mit Kurzvorstellung der Workshop-Diskussionen und Ergebnisse
16:30 Uhr Abschlusspodium mit:
Willi van Ooyen (Fraktionsvorsitzender der LINKEN im Landtag)
Corrado Di Benedetto (Integrationspolitischer Sprecher der SPD im Landtag)
Dr. Ralf-Norbert Bartelt (Sozialpolitischer. Sprecher der CDU im Landtag)
Romeo Franz (Geschäftsführer der Hildegard-Lagrenne-Stiftung)
Rinaldo Strauß (Hessischer Landesverband)
Moderation: Tina Dürr (beratungsNetzwerk gegen Rechts Hessen)
Der Landesverband hat am 4. und 5. Dezember in Kooperation mit dem AStA der Hochschule Darmstadt einen zweitägigen Workshop an der Hochschule Darmstadt zum Thema Pädagogische Methoden gegen Antiziganismus mit Elisa Schmidt und Markus End veranstaltet.
An der Fortbildung haben unter anderem Menschen aus Fulda, Mainz und Hannover teilgenommen. Elisa Schmidt und Markus End haben pädagogische Methoden aus einem von ihnen mitverfassten Handbuch vorgestellt, die für Antiziganismus sensibilisieren, Vorurteile in Frage stellen und tradierte Denkmuster aufbrechen sollen. Mit diesem Rüstzeug wurden die Teilnehmenden in die Lage versetzt, zukünftig selbst Übungen durchführen zu können, um antiziganistische Denkmuster zu reflektieren und zu überwinden.
Die Fortbildung wurde gefördert von der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ (EVZ).
Wir trauern um Anna Mettbach, die am vergangenen Montag im Alter von 89 Jahren von uns gegangen ist.
Anna Mettbach mit Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier und dem Vorsitzenden des Landesverbandes Adam Strauß bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes 2012
Anna Mettbach wurde 1926 in Ulfa (Wetterau) geboren und 1942 als Sechzehnjährige von Schweinfurt aus nach Auschwitz verschleppt. 1944 wurde sie in das Konzentrationslager Ravensbrück verbracht und musste bei Siemens in Wolkenburg (Sachsen) Zwangsarbeit leisten. Kurz vor Kriegsende wurde sie auf einen Todesmarsch in das Konzentrationslager Dachau geschickt.
Zu den unmenschlichen Grausamkeiten, die ihr und ihrer Familie angetan wurden, schwieg sie lange Zeit. Der Völkermord an den Sinti und Roma wurde in der Nachkriegszeit verleugnet, vertuscht und gerechtfertigt. So lehnte etwa Anna Mettbachs Krankenkasse die von ihr beantragte Kostenübernahme für die Entfernung der in Auschwitz eintätowierten Häftlingsnummer mit der Begründung ab, es würde sich um eine Schönheitsoperation handeln.
Als sich Anfang der Neunziger Jahre ausländerfeindliche Stimmung breitmachte und Asylbewerber ermordet wurden, sah es Anna Mettbach als ihre Pflicht an, vor jungen Menschen über ihre Erlebnisse zu sprechen, um dem erneuten Aufkommen eines Faschismus entgegenzuwirken.
Über viele Jahre hat unser Verband mit Anna Mettbach in vielfacher Hinsicht zusammengearbeitet, bei der Aufklärungsarbeit in Schulen und auch auf Gedenkveranstaltungen. Die Zeitzeugenfilme, die der Verband mit ihr erstellt hat, wurden an alle Schulen in Südhessen verschickt. Als eine der wenigen Überlebenden hat sie ihre Lebens- und Leidensgeschichte in Zusammenarbeit mit dem Mitarbeiter des Landesverbands Josef Behringer in einem Buch veröffentlicht.
Für ihre Bürgerrechtsarbeit ist Anna Mettbach mit dem Bundesverdienstkreuz und 2012 auch mit der Hedwig-Burkheim-Medaille der Universitätsstadt Gießen ausgezeichnet worden. Anlässlich der Verleihung sagte sie: „So lange ich Atem habe, werde ich meine Stimme erheben für die, die keine Stimme mehr haben, die man im Gas erstickt hat, darunter auch meine Geschwister, meine Familie und meine Freunde.“
Unser Verband wird Anna Mettbachs Andenken in großer Dankbarkeit bewahren.
Anlässlich des 25. Jahrestags der Wiedervereinigung nahm unser Landesvorsitzender Adam Strauß an den Feierlichkeiten zum 3. Oktober in Frankfurt am Main teil.
Adam Strauß und Claudia Roth (Vizepräsidentin des Bundestags)
Der Landesvorsitzende informiert darüber, dass es bei der von unseren Menschen gegründeten Hildegard Lagrenne Stiftung die Möglichkeit gibt, eine Förderung für Bildung zu beantragen. Alle Sinti und alle Roma können bei der Stiftung Zuschüsse zu Ausbildung, Fortbildung und Weiterbildung und zur Studienvorbereitung erhalten. Wenn ihr euch an die Stiftung wendet, kann sie nach passenden Stipendienprogrammen suchen und euch bei diesem Antrag unterstützen. Die Stiftung kann auch selbst Stipendien vergeben.
Am 21. September fand der Parlamentarische Abend 2015 im Hessischen Landtag statt. Für den Verband nahm der Vorsitzende Adam Strauß teil. Mit den Vertreterinnen und Vertretern der Landtagsfraktionen und der Landesregierung hat sich der Vorsitzende zu verschiedenen aktuellen Themen und Anliegen ausgetauscht.
Adam Strauß mit Hessens Innenminister Peter Beuth