Thematische Führung zu Sinti und Roma im Historischen Museum Frankfurt

Am 26. März fand in Koope­ra­ti­on mit dem His­to­ri­schen Muse­um Frank­furt und der Initia­ti­ve Fai­tes vot­re jeu! eine Dia­log­füh­rung durch die Aus­stel­lung „Frank­furt und der NS“ statt.

Im Rah­men der Füh­rung beleuch­te­te Dr. Katha­ri­na Rhein als Mit­ar­bei­te­rin des Lan­des­ver­ban­des ver­schie­de­ne Aspek­te der Ver­fol­gungs­ge­schich­te von Sin­ti und Roma. Nach einem kur­zen Ein­blick über die Geschich­te von Sin­ti und Roma in Frank­furt, für die sich der ers­te urkund­li­che Beleg 1418 fin­det, wur­de neben der Situa­ti­on wäh­rend der NS-Zeit auch über die letz­ten Jah­re der Wei­ma­rer Repu­blik gespro­chen, denn die Stadt Frank­furt hat­te hier eine gewis­se Vor­rei­ter­rol­le hin­sicht­lich dis­kri­mi­nie­ren­der Maß­nah­men und rich­te­te schon 1929 ein soge­nann­tes Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger an der Fried­ber­ger Land­stra­ße ein.

Die sich ab 1933 ver­schär­fen­den Maß­nah­men gegen Sin­ti und Roma wur­den anhand von Bei­spie­len und der Rol­le von Insti­tu­tio­nen, wie der Poli­zei, der Für­sor­ge, der Uni­ver­si­tät oder des Gesund­heits­am­tes beleuch­tet. Wie der Anti­zi­ga­nis­mus und die damit ver­bun­de­nen Maß­nah­men Frank­fur­ter Bürger*innen zu „Zigeu­nern“ mach­ten, wur­de anschau­lich am Bei­spiel der Fami­lie Adler bespro­chen. Immer wie­der ging es auch um die Nach­kriegs­ge­schich­te und die Kon­ti­nui­tä­ten nach 1945 bis hin zur Fra­ge von Erin­ne­rung an die Ver­bre­chen heute.

Durch die auf­ge­schlos­se­ne und inter­es­sier­te Grup­pe von Teil­neh­men­den kam es zu einem Dia­log, der nicht nur die unter­schied­li­chen Betei­lig­ten, die an die­sem Tag durch die Aus­stel­lung führ­ten, ein­schloss. Aus unse­rer Sicht, Dank aller Betei­lig­ten, eine sehr gelun­ge­ne Veranstaltung!

Die Aus­stel­lung ist noch bis April 2023 im His­to­ri­schen Muse­um Frank­furt zu sehen.

Fortbildung: Antiziganismus – Ein Thema für Schule und Unterricht

Am 24.3.2022 gaben Ina Ham­mel und Katha­ri­na Rhein eine Fort­bil­dung im Rah­men des Fort­bil­dungs­an­ge­bots von lea, der Bil­dungs­ge­sell­schaft der GEW Hes­sen. Die digi­ta­le Fort­bil­dung war gut besucht und das kei­nes­wegs nur von Lehr­kräf­ten, son­dern von Per­so­nen, die an unter­schied­li­chen Berei­chen des Bil­dungs­sys­tems oder an Über­gangs­stel­len zwi­schen Schu­le und Beruf arbei­ten. Wer die Ver­an­stal­tung bis­her nicht besu­chen konn­te, aber Inter­es­se dar­an hat, kann sich auf eine wei­te­re Fort­bil­dung in die­sem Rah­men im Okto­ber 2022 freu­en. Nähe­re Infor­ma­tio­nen dazu gibt es hier.

Zum Gedenken an den 79. Jahrestag der Märzdeportation aus Marburg

Die Nationalsozialisten sahen keinen Grund die Deportationen zu verstecken.“

PRESSEMITTEILUNG DES HESSISCHEN LANDESVERBANDES DEUTSCHER SINTI UND ROMA

Darm­stadt, den 21.03.2022

Am 23. März 1943 wur­den 78 Mar­bur­ger und Mar­bur­ge­rin­nen und Men­schen aus der Umge­bung vom Gleis 5 des Mar­bur­ger Haupt­bahn­ho­fes aus nach Ausch­witz-Bir­ken­au depor­tiert. Der ein­zi­ge Grund: sie waren Sin­ti. Auf Grund­la­ge des im Dezem­ber 1942 ver­öf­fent­lich­ten Ausch­witz-Erlas­ses durch Hein­rich Himm­ler wur­den im März 1943 alle Sin­ti und Roma, die gefasst wer­den konn­ten, nach Ausch­witz-Bir­ken­au depor­tiert. In Mar­burg war das jüngs­te Kind zwei Mona­te alt.

Am 23. März 2022 gedenkt der Hes­si­sche Lan­des­ver­band Deut­scher Sin­ti und Roma zusam­men mit der Stadt Mar­burg mit einer Kranz­nie­der­le­gung allen ver­folg­ten und depor­tier­ten Sin­ti und Roma.

Unter den depor­tier­ten Sin­ti war auch mein Onkel Adam Strauß. Am hell­lich­ten Tag muss­te er und die Ande­ren vom Land­rats­amt durch die Stadt zum Bahn­hof mar­schie­ren. Das zeigt, dass die Natio­nal­so­zia­lis­ten kei­nen Grund sahen ihr Han­deln zu ver­ste­cken. Zuvor hat­te mein Onkel als Sol­dat gedient, wur­de jedoch 1941 aus der Wehr­macht aus­ge­schlos­sen, weil er Sin­to war und arbei­te­te als Kraft­fah­rer. Trotz­dem wur­de er – so wie alle Sin­ti und Roma, egal ob Kind oder Erwach­se­ner – als ‚arbeits­scheu‘ ver­folgt und depor­tiert. Was er in Ausch­witz erlei­den muss­te ist in sei­nen Grau­sam­kei­ten kaum vor­stell­bar und den­noch wur­de sein Antrag auf Ren­te 1958 zunächst mit der Begrün­dung abge­lehnt, dass man ihn in sei­ner ‚Weh­lei­dig­keit‘ nicht unter­stüt­zen soll­te.“, erin­nert sich Adam Strauß, Vor­sit­zen­der des Hes­si­schen Lan­des­ver­ban­des Deut­scher Sin­ti und Roma „Den Völ­ker­mord im Natio­nal­so­zia­lis­mus über­leb­ten cir­ca 500.000 euro­päi­sche Sin­ti und Roma nicht. Die­je­ni­gen, die über­leb­ten tru­gen tie­fe Wun­den kör­per­lich und see­lisch. Dass die­ses Leid bis vor fast genau 40 Jah­ren, dem 17. März 1982, nicht aner­kannt wur­de, war für vie­le eine unglaub­li­che Belas­tung. Unser Erin­nern heu­te ist auch ein Sym­bol für die Über­le­ben­den und ihre Hin­ter­blie­be­nen, dass wir hin­se­hen und ihr Leid nicht ver­ges­sen. Das Erin­nern ist aber auch wich­tig für uns als Gesell­schaft, um nicht zu ver­ges­sen wel­che Vor­ur­tei­le und Aus­gren­zun­gen zum Völ­ker­mord füh­ren konn­ten. Damit Ras­sis­mus als sol­cher Erkannt und Benannt wer­den kann, wenn Haut­far­be und nicht die Flucht vor Krieg und Gewalt dar­über ent­schie­det, ob und wie die Men­schen über die Gren­zen Euro­pas kom­men kön­nen, oder nicht.“

An der Gedenk­ver­an­stal­tung hält Roma­no Strauß als Ver­tre­ter des Hes­si­schen Lan­des­ver­ban­des Deut­scher Sin­ti und Roma, neben dem Mar­bur­ger Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Spieß ein Gruß­wort. Gemein­sam wer­den sie einen Kranz an der Gedenk­ta­fel am Mar­bur­ger Land­rats­amt able­gen. Auf­grund der aktu­el­len Infek­ti­ons­la­ge wird die Gedenk­ver­an­stal­tung auf­ge­zeich­net und die Vide­os wer­den auf der Home­page der Stadt Mar­burg (www.marburg.de) ver­öf­fent­licht.

Gedenkveranstaltungen an die Märzdeportationen 1943

Anläss­lich des 79. Jah­res­ta­ges der Depor­ta­ti­on von Sin­ti aus Wies­ba­den am 8. März 1943 und aus Gie­ßen am 16. März 1943 fan­den in bei­den Städ­ten Gedenk­ver­an­stal­tun­gen statt. 

Wiesbaden

In Wies­ba­den fand die Gedenk­ver­an­stal­tung am Mahn­mal für die im Natio­nal­so­zia­lis­mus ermor­de­ten Sin­ti und Roma statt. Ober­bür­ger­meis­ter Gert-Uwe Men­de hielt eine Rede, eben­so wie Fati­ma Stieb, die für den Lan­des­ver­band sprach. Musi­ka­lisch beglei­tet wur­de die Ver­an­stal­tung durch den jun­gen Sin­to und Gei­ger June Hei­lig und des­sen Vater Ser­gej Hart­mann. Als Ver­tre­ter der Kir­chen spra­chen Pfar­rer Andre­as Gün­ther und Tho­mas Weinert.


Gießen

In Gie­ßen spra­chen Ober­bür­ger­meis­ter Frank-Tilo Becher und Maria Strauß für den Lan­des­ver­band. Anschlie­ßend ver­las Stadt­ver­ord­ne­ten­vor­ste­her Joa­chim Gruß­dorf die Namen der Depor­tier­ten und Pfar­rer Dr. Gabri­el Brand, Pfar­rer für Evan­ge­li­sche Stadt­kir­chen­ar­beit und Gesell­schaft­li­che Ver­ant­wor­tung im Evan­ge­li­schen Deka­nat Gie­ßen, sprach ein Gebet. Abschlie­ßend wur­de das Mahn­mal zur Erin­ne­rung an die im Natio­nal­so­zia­lis­mus Ver­folg­ten von den genann­ten sowie von Roma­no Strauß und Fran­ces­co Arman mit Blu­men geschmückt, um an die Opfer zu erinnern.

Hier ein Mit­schnitt der Veranstaltung:

Mit dem Laden des Vide­os bestä­ti­gen Sie die Daten­schutz-Bestim­mun­gen von You­tube, sowie dass wir ihre Ent­schei­dung in Form eines Coo­kies spei­chern dür­fen. Sie kön­nen ihre Zustim­mung jeder­zeit auf der Daten­schutz­er­klä­rung-Sei­te widerrufen.

 


Darm­stadt

Am 20. März gedach­ten am Darm­städ­ter Güter­bahn­hof die Stadt Darm­stadt, der Lan­des­ver­band Deut­scher Sin­ti und Roma, die Jüdi­sche Gemein­de und die Initia­ti­ve Denk­zei­chen Güter­bahn­hof dem 79. Jah­res­tag der März­de­por­ta­tio­nen der Sin­ti und Roma aus Darm­stadt, sowie dem 80. Jah­res­tag der ers­ten Depor­ta­ti­on von Jüdin­nen und Juden aus Darmstadt. 

Die Gedenk­ver­an­stal­tung fand öffent­lich statt und so nah­men auch ca. 80 darm­städ­ter Bürger*innen an der Ver­an­stal­tung teil. Maria Strauß sprach für den Hes­si­schen Lan­des­ver­band und erin­ner­te an Ihre Mut­ter Anna Keck, wel­che mit 68 ande­ren Sin­ti nach Ausch­witz depor­tiert wur­de. Neben Maria Strauß spra­chen Bar­ba­ra Akdeniz (Bünd­nis 90/DIE GRÜNEN) für die Stadt Darm­stadt, Rena­te Dree­sen für das Denk­zei­chen Güter­bahn­hof und Alex­an­der Sto­ler für die Darm­städ­ter jüdi­sche Gemeinde.

Musi­ka­lisch beglei­tet wur­de die Ver­an­stal­tung durch den jun­gen Gei­ger June Hei­lig, beglei­tet durch sei­nen Vater Ser­gej Hart­mann (Akkor­de­on) sowie Richard Blum (Kon­tra­bass).

Es berich­te­ten das Darm­städ­ter Echo und die Frank­fur­ter Rund­schau. Die Ver­an­stal­tung wur­de live gestreamt und kann wei­ter nach­ge­se­hen werden:

Mit dem Laden des Vide­os bestä­ti­gen Sie die Daten­schutz-Bestim­mun­gen von You­tube, sowie dass wir ihre Ent­schei­dung in Form eines Coo­kies spei­chern dür­fen. Sie kön­nen ihre Zustim­mung jeder­zeit auf der Daten­schutz­er­klä­rung-Sei­te widerrufen.

 

40 Jahre Anerkennung des Völkermordes an den Sinti und Roma

Heu­te vor 40 Jah­ren, am 17. März 1982, lud der dama­li­ge Bun­des­kanz­ler Hel­mut Schmidt Vertreter*innen der deut­schen Sin­ti und Roma zu sich in das Kanz­ler­amt in Bonn ein. Im Anschluss wur­de das fol­gen­de State­ment veröffentlicht:

Den Sin­ti und Roma ist durch die NS-Dik­ta­tur schwe­res Unrecht zuge­fügt wor­den. Sie wur­den aus ras­si­schen Grün­den ver­folgt. Die­se Ver­bre­chen haben den Tat­be­stand des Völ­ker­mords erfüllt.“

Hel­mut Schmidt, 17. März 1982

Mit die­sen Wor­ten erkann­te der dama­li­ge Bun­des­prä­si­dent Hel­mut Schmidt erst­ma­lig den Völ­ker­mord an den Sin­ti und Roma offi­zi­ell für die deut­sche Bun­des­re­gie­rung an. 37 Jah­re hat es nach Ende des Zwei­ten Welt­krie­ges gedau­ert, bis das Leid unse­rer Min­der­heit von der Bun­des­re­gie­rung aner­kannt wur­de. Vor­an­ge­gan­gen waren har­te Kämp­fe der Bür­ger­rechts­be­we­gung gegen eine feh­len­de Ent­schä­di­gung und eine wei­ter­ge­hen­de Dis­kri­mi­nie­rung sowie für die Aner­ken­nung des natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Völ­ker­mor­des an den Sin­ti und Roma. Noch 1956 urteil­te der Bun­des­ge­richts­hof, dass Sin­ti und Roma nicht aus ras­sis­ti­schen Grün­den ver­folgt wur­den. Lan­ge wur­de dies noch so juris­tisch ange­wen­det und es dau­er­te bis 2016, dass sich die Prä­si­den­tin des Bun­des­ge­richts­hof für die­ses Urteil ent­schul­dig­te. Auch gesell­schaft­lich wur­den Sin­ti und Roma nicht als Opfer­grup­pe wahr­ge­nom­men und die Kon­ti­nui­tä­ten der Dis­kri­mi­nie­rung zu wenig in Fra­ge gestellt.

Aus die­sem Grund waren die Wor­te Hel­mut Schmidts so wich­tig: für die Über­le­ben­den, die Hin­ter­blie­be­nen und die Gesell­schaft. Sie stell­ten einen Bruch zu vor­an­ge­gan­ge­nen Recht­fer­ti­gun­gen und Leug­nun­gen des Völ­ker­mor­des an den Sin­ti und Roma dar.

Im Natio­nal­so­zia­lis­mus wur­den cir­ca. 500.000 euro­päi­sche Sin­ti und Roma ermordet.

NEUERSCHEINUNG: Systematische Leistungsverweigerung gegen EU-Bürger*innen

Antiziganismuskritische Handreichung zu Abwehrstrategien und Diskriminierungsmustern in Jobcentern

Anläss­lich der vier­ten Ver­öf­fent­li­chung einer inter­nen Dienst­an­wei­sung zum Umgang mit EU-Bürger*innen in Job­cen­tern hat der Lan­des­ver­band in Koope­ra­ti­on mit der Autorin Eli­sa Schmidt eine Bro­schü­re mit dem Titel “Sys­te­ma­ti­sche Leis­tungs­ver­wei­ge­rung gegen EU-Bür­ge­rin­nen — Anti­zi­ga­nis­mus­kri­ti­sche Hand­rei­chung zu Abwehr­stra­te­gien und Dis­kri­mi­nie­rungs­mus­tern in Job­cen­tern” herausgegeben.

Sie rich­tet sich an Sozialarbeiter*innen, Inter­es­sier­te und Per­so­nen, wel­che mit dem Job­cen­ter zutun haben (müs­sen) und hat einer­seits zum Ziel die Pra­xen im Job­cen­ter anti­zi­ga­nis­mus­kri­tisch zu ana­ly­sie­ren, sowie Abwehr­stra­te­gien erkenn­bar zu machen. Ande­rer­seits zeigt sie Hand­lungs­op­tio­nen auf und gibt dar­über hin­aus Hand­lungs­emp­feh­lun­gen für Job­cen­ter zum Abbau von Antiziganismus.

Die Bro­schü­re ver­bin­det eine Ana­ly­se mit Bei­spie­len aus der Sozi­al­be­ra­tung in Hes­sen und Berlin. 

Einen beson­de­ren Dank gilt hier­bei dem För­der­ver­ein Roma e.V. (Frank­furt) und Ama­ro Foro e.V. (Ber­lin), wel­che ein Vor­wort zur Bro­schü­re beitrugen.

Die Bro­schü­re kön­nen Sie ent­we­der als PDF her­un­ter­la­den, oder beim Hes­si­schen Lan­des­ver­band Deut­scher Sin­ti und Roma bestellen.

Gedenken an den Anschlag vom 19. Februar 2020 (Hanau) in Darmstadt

Zwei Jah­re nach dem Anschlag vom 19. Febru­ar 2020 gedenkt der Hes­si­sche Lan­des­ver­band Deut­scher Sin­ti und Roma den Opfern des ras­sis­ti­schen Anschlags: Gök­han Gül­te­kin, Sedat Gür­büz, Said Nesar Has­h­e­mi, Mer­ce­des Kier­pacz, Ham­za Kur­to­vić, Vili Vio­rel Păun, Fatih Sara­çoğlu, Fer­hat Unvar, Kaloy­an Velkov.

Damit die Getö­te­ten, sowie das Leid und die For­de­run­gen der Hin­ter­blie­be­nen und Über­le­ben­den nicht ver­ges­sen wer­den, hat sich Lan­des­ver­band an der Mahn­wa­che vom 19. Febru­ar der Stadt Darm­stadt betei­ligt. Hier­bei erin­ner­te Adam Strauß, Vor­sit­zen­der des Hes­si­schen Lan­des­ver­ban­des Deut­scher Sin­ti und Roma in sei­ner Gedenk­re­de dar­an, dass gesell­schaft­li­cher Ras­sis­mus zu ras­sis­ti­schem Ter­ror füh­ren kann und dass es wich­tig ist, bereits die­sem ent­schlos­sen ent­ge­gen­zu­tre­ten. Dafür ist aber auch Auf­klä­rung not­wen­dig, damit all­täg­li­chen Dis­kri­mi­nie­run­gen und Aus­gren­zung als die­se erkannt wird. 

Neben dem Lan­des­ver­band spra­chen der Ober­bür­ger­meis­ter Jochen Partsch, der Aus­län­der­bei­rat Darm­stadt und die Inter­es­sen­ge­mein­schaft der Migran­ten­selbst­or­ga­ni­sa­tio­nen Darmstadt.

Workshops bei der Qualifizierungsreihe des Bündnisses “Demokratiebildung nachhaltig gestalten” gut besucht

Am 13.02.2022 hat der Hes­si­sche Lan­des­ver­band Deut­scher Sin­ti und Roma bei der Qua­li­fi­zie­rungs­rei­he des Bünd­nis­ses “Demo­kra­tie­bil­dungs nach­hal­tig gestal­ten” einen Work­shop ange­bo­ten. Auf­grund der hohen Nach­fra­ge wur­de die­ser in zwei Work­shops unter­teilt, wel­che bei­de am 13.02 nach­ein­an­der durch­ge­führt wurden.

In den Work­shops wur­den aktu­el­le For­men des Anti­zi­ga­nis­mus dis­ku­tiert und Stim­men von Ange­hö­ri­gen der Min­der­heit der Sin­ti und Roma über die Aus­wir­kun­gen auf ihr Leben gehört.

Der Lan­des­ver­band hat sich sehr über das gro­ße Inter­es­se an den Work­shops gefreut und bedankt sich bei der Ev. Aka­de­mie Frank­furt und dem Bünd­nis “Demo­kra­tie­bil­dung nach­hal­tig gestal­ten” für die Organisation.

Das gan­ze Pro­gramm der (zum Groß­teil bereits gelau­fe­nen) Qua­li­fi­zie­rungs­rei­he fin­den Sie hier.

27. Januar – Gedenken an die Verfolgten des Nationalsozialismus – Gedenken an eine halbe Million Ermordete Sinti und Roma

PRESSEMITTEILUNG DES HESSISCHEN LANDESVERBANDES DEUTSCHER SINTI UND ROMA

Heu­te vor 77 Jah­ren, am 27. Janu­ar 1945, wur­de das Ver­nich­tungs­la­ger Ausch­witz von den sowje­ti­schen Trup­pen befreit. Die­ser Tag gilt bis heu­te als Gedenk­tag an die Mil­lio­nen Opfer und Ver­folg­ten des Natio­nal­so­zia­lis­mus. Ausch­witz steht bis heu­te als Syn­onym für den natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Völ­ker­mord an den Juden, Sin­ti und Roma, sowie der sys­te­ma­ti­schen Ver­fol­gung und Ver­nich­tung vie­ler wei­te­rer wie poli­ti­scher Oppo­si­tio­nel­ler, Homo­se­xu­el­ler, Zeu­gen Jeho­vas oder Men­schen mit Behinderung.

Nach Anga­ben der Gedenk­stät­te Ausch­witz star­ben die meis­ten der ca. 23.000 nach Ausch­witz depor­tier­ten Sin­ti und Roma an den mör­de­ri­schen Bedin­gun­gen oder durch die Gas­kam­mern. Allein in der Nacht vom 4. auf den 5. August wur­den etwa 4.000 Sin­ti und Roma ermor­det, als das kom­plet­te Lager Ausch­witz Bir­ken­au II e von der SS ‚auf­ge­löst‘ und alle dort ver­blie­be­nen Sin­ti und Roma ver­gast wurden.

Anna Mett­bach, Sin­tez­za und Bür­ger­recht­le­rin aus Hes­sen, wur­de 1942 mit 18 Jah­ren nach Ausch­witz depor­tiert, da sie in Sor­ge um ihren Onkel ohne Erlaub­nis ihren Wohn­ort ver­las­sen hat­te. Sie beschreibt ihre Depor­ta­ti­on spä­ter in einem Zeitzeugeninterview:

Wir waren eini­ge Tage unter­wegs. Ohne Was­ser und ohne Nah­rung. Jeder hing sei­ne Gedan­ken nach. Angst. Hoff­nungs­lo­sig­keit. Was wird wer­den? Ich wuss­te nicht, wo wir hin­kom­men. Wir sind in Ausch­witz ange­kom­men an der Ram­pe. Und dann hört man das Gebrüll. Da stan­den die Her­ren der SS, die Her­ren über Leben und Tod mit Schä­fer­hund und Gewehr. Dann ging es nur mit einer Dau­men­be­we­gung: so viel war der Mensch wert.“

Anna Mett­bach muss­te in Ausch­witz und wei­te­ren Lagern Zwangs­ar­beit leis­ten und unglaub­li­che Qua­len erle­ben. Sie über­leb­te meh­re­re Lager und einen Todes­marsch bevor sie 1945 befreit wur­de. Nach ihrer Befrei­ung setz­te sie sich für die Aner­ken­nung des Völ­ker­mor­des und die Ver­bes­se­rung der Situa­ti­on der Sin­ti und Roma in Deutsch­land ein. Die Vor­ur­tei­le, die zur Ver­fol­gung der Sin­ti und Roma geführt hat­ten, exis­tier­ten auch nach 1945 wei­ter und füh­ren bis heu­te zur Diskriminierung.

Für mich als Vor­sit­zen­der des Hes­si­schen Lan­des­ver­ban­des Deut­scher Sin­ti und Roma ist die Erin­ne­rung an die Ver­folg­ten des Natio­nal­so­zia­lis­mus beson­ders wich­tig. Ihr Geschich­ten zei­gen, wie Men­schen, die zuvor Nachbar*innen, Mitschüler*innen und Kolleg*innen waren, nach und nach immer stär­ker aus­ge­grenzt, ver­folgt und schließ­lich ver­nich­tet wer­den konn­ten. Sie zei­gen aber auch ihr Leben und wie sie sich gegen­sei­tig Unter­stütz­ten.“, so Adam Strauß. „Wenn heu­te Men­schen glau­ben, sie sei­en wegen einer feh­len­den Imp­fung ver­folgt wie unse­re Men­schen im Natio­nal­so­zia­lis­mus, kön­nen sie sich nicht ernst­haft mit der Geschich­te aus­ein­an­der­ge­setzt haben. Es ist eine Belei­di­gung für alles was die Ver­folg­ten erlei­den mussten.“

VERLÄNGERT: “Der Weg der Sinti und Roma” in Schwalbach a.Ts.

Mit Online Vortrag von Rinaldo Strauß am 18.1.2022

Vom 17.–28. Janu­ar ist die Aus­stel­lung “Der Weg der Sin­ti und Roma — Wie ‘Zigeu­ner­bil­der’ einen Völ­ker­mord mög­lich machen kön­nen” im Rat­haus in Schwal­bach a. Ts. zu sehen. Sie zeigt die Geschich­te der Min­der­heit seit ihrer Ankunft in Euro­pa und dem deutsch­spra­chi­gen Raum. Die Aus­stel­lung the­ma­ti­siert die Wir­kung von Bil­dern und Zuschrei­bun­gen gegen Sin­ti und Roma vom 16. bis zum 20. Jahr­hun­dert, die Ver­fol­gun­gen und Dis­kri­mi­nie­run­gen bis zum Völ­ker­mord wäh­rend des Natio­nal­so­zia­lis­mus, die Kon­ti­nui­tä­ten der Bil­der und nicht zuletzt den Kampf gegen Anti­zi­ga­nis­mus durch die Selbst­or­ga­ni­sa­tio­nen von Sin­ti und Roma.

Schüler*innen der Albert-Ein­stein-Schu­le und der Fried­rich-Ebert-Schu­le wur­den zu Gui­des aus­ge­bil­det, um anschlie­ßend selbst Füh­run­gen durch die Aus­stel­lung geben zu können. 

Am 18.09.2022 hat Rinal­do Strauß einen Online-Vor­trag zum The­ma “Wie Zigeu­ner­bil­der einen Völ­ker­mord mög­lich mach­ten” gehalten. 

Inter­es­sier­te kön­nen sich die Aus­stel­lung noch bis zum 28.1.2022 im Schwal­ba­cher Rat­haus anschau­en. Bit­te infor­mie­ren Sie sich vor­ab bei der Stadt Schwal­bach a.Ts. über die aktu­el­len Pandemieregeln.

Hier Berich­te der Frank­fur­ter Rund­schau vom 17.1.2022, der Frank­fur­ter Neu­en Pres­se vom 19.1.2022 und der Schwal­ba­cher Zei­tung vom 21.1.2022.

Wir freu­en uns sehr, dass die Aus­stel­lung bis zum 4.2.2022 ver­län­gert wer­den konnte.