Zum Gedenken an den 79. Jahrestag der Märzdeportation aus Marburg

Die Nationalsozialisten sahen keinen Grund die Deportationen zu verstecken.“

PRESSEMITTEILUNG DES HESSISCHEN LANDESVERBANDES DEUTSCHER SINTI UND ROMA

Darm­stadt, den 21.03.2022

Am 23. März 1943 wur­den 78 Mar­bur­ger und Mar­bur­ge­rin­nen und Men­schen aus der Umge­bung vom Gleis 5 des Mar­bur­ger Haupt­bahn­ho­fes aus nach Ausch­witz-Bir­ken­au depor­tiert. Der ein­zi­ge Grund: sie waren Sin­ti. Auf Grund­la­ge des im Dezem­ber 1942 ver­öf­fent­lich­ten Ausch­witz-Erlas­ses durch Hein­rich Himm­ler wur­den im März 1943 alle Sin­ti und Roma, die gefasst wer­den konn­ten, nach Ausch­witz-Bir­ken­au depor­tiert. In Mar­burg war das jüngs­te Kind zwei Mona­te alt.

Am 23. März 2022 gedenkt der Hes­si­sche Lan­des­ver­band Deut­scher Sin­ti und Roma zusam­men mit der Stadt Mar­burg mit einer Kranz­nie­der­le­gung allen ver­folg­ten und depor­tier­ten Sin­ti und Roma.

Unter den depor­tier­ten Sin­ti war auch mein Onkel Adam Strauß. Am hell­lich­ten Tag muss­te er und die Ande­ren vom Land­rats­amt durch die Stadt zum Bahn­hof mar­schie­ren. Das zeigt, dass die Natio­nal­so­zia­lis­ten kei­nen Grund sahen ihr Han­deln zu ver­ste­cken. Zuvor hat­te mein Onkel als Sol­dat gedient, wur­de jedoch 1941 aus der Wehr­macht aus­ge­schlos­sen, weil er Sin­to war und arbei­te­te als Kraft­fah­rer. Trotz­dem wur­de er – so wie alle Sin­ti und Roma, egal ob Kind oder Erwach­se­ner – als ‚arbeits­scheu‘ ver­folgt und depor­tiert. Was er in Ausch­witz erlei­den muss­te ist in sei­nen Grau­sam­kei­ten kaum vor­stell­bar und den­noch wur­de sein Antrag auf Ren­te 1958 zunächst mit der Begrün­dung abge­lehnt, dass man ihn in sei­ner ‚Weh­lei­dig­keit‘ nicht unter­stüt­zen soll­te.“, erin­nert sich Adam Strauß, Vor­sit­zen­der des Hes­si­schen Lan­des­ver­ban­des Deut­scher Sin­ti und Roma „Den Völ­ker­mord im Natio­nal­so­zia­lis­mus über­leb­ten cir­ca 500.000 euro­päi­sche Sin­ti und Roma nicht. Die­je­ni­gen, die über­leb­ten tru­gen tie­fe Wun­den kör­per­lich und see­lisch. Dass die­ses Leid bis vor fast genau 40 Jah­ren, dem 17. März 1982, nicht aner­kannt wur­de, war für vie­le eine unglaub­li­che Belas­tung. Unser Erin­nern heu­te ist auch ein Sym­bol für die Über­le­ben­den und ihre Hin­ter­blie­be­nen, dass wir hin­se­hen und ihr Leid nicht ver­ges­sen. Das Erin­nern ist aber auch wich­tig für uns als Gesell­schaft, um nicht zu ver­ges­sen wel­che Vor­ur­tei­le und Aus­gren­zun­gen zum Völ­ker­mord füh­ren konn­ten. Damit Ras­sis­mus als sol­cher Erkannt und Benannt wer­den kann, wenn Haut­far­be und nicht die Flucht vor Krieg und Gewalt dar­über ent­schie­det, ob und wie die Men­schen über die Gren­zen Euro­pas kom­men kön­nen, oder nicht.“

An der Gedenk­ver­an­stal­tung hält Roma­no Strauß als Ver­tre­ter des Hes­si­schen Lan­des­ver­ban­des Deut­scher Sin­ti und Roma, neben dem Mar­bur­ger Ober­bür­ger­meis­ter Tho­mas Spieß ein Gruß­wort. Gemein­sam wer­den sie einen Kranz an der Gedenk­ta­fel am Mar­bur­ger Land­rats­amt able­gen. Auf­grund der aktu­el­len Infek­ti­ons­la­ge wird die Gedenk­ver­an­stal­tung auf­ge­zeich­net und die Vide­os wer­den auf der Home­page der Stadt Mar­burg (www.marburg.de) ver­öf­fent­licht.

Gedenkveranstaltungen an die Märzdeportationen 1943

Anläss­lich des 79. Jah­res­ta­ges der Depor­ta­ti­on von Sin­ti aus Wies­ba­den am 8. März 1943 und aus Gie­ßen am 16. März 1943 fan­den in bei­den Städ­ten Gedenk­ver­an­stal­tun­gen statt. 

Wiesbaden

In Wies­ba­den fand die Gedenk­ver­an­stal­tung am Mahn­mal für die im Natio­nal­so­zia­lis­mus ermor­de­ten Sin­ti und Roma statt. Ober­bür­ger­meis­ter Gert-Uwe Men­de hielt eine Rede, eben­so wie Fati­ma Stieb, die für den Lan­des­ver­band sprach. Musi­ka­lisch beglei­tet wur­de die Ver­an­stal­tung durch den jun­gen Sin­to und Gei­ger June Hei­lig und des­sen Vater Ser­gej Hart­mann. Als Ver­tre­ter der Kir­chen spra­chen Pfar­rer Andre­as Gün­ther und Tho­mas Weinert.


Gießen

In Gie­ßen spra­chen Ober­bür­ger­meis­ter Frank-Tilo Becher und Maria Strauß für den Lan­des­ver­band. Anschlie­ßend ver­las Stadt­ver­ord­ne­ten­vor­ste­her Joa­chim Gruß­dorf die Namen der Depor­tier­ten und Pfar­rer Dr. Gabri­el Brand, Pfar­rer für Evan­ge­li­sche Stadt­kir­chen­ar­beit und Gesell­schaft­li­che Ver­ant­wor­tung im Evan­ge­li­schen Deka­nat Gie­ßen, sprach ein Gebet. Abschlie­ßend wur­de das Mahn­mal zur Erin­ne­rung an die im Natio­nal­so­zia­lis­mus Ver­folg­ten von den genann­ten sowie von Roma­no Strauß und Fran­ces­co Arman mit Blu­men geschmückt, um an die Opfer zu erinnern.

Hier ein Mit­schnitt der Veranstaltung:

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Darm­stadt

Am 20. März gedach­ten am Darm­städ­ter Güter­bahn­hof die Stadt Darm­stadt, der Lan­des­ver­band Deut­scher Sin­ti und Roma, die Jüdi­sche Gemein­de und die Initia­ti­ve Denk­zei­chen Güter­bahn­hof dem 79. Jah­res­tag der März­de­por­ta­tio­nen der Sin­ti und Roma aus Darm­stadt, sowie dem 80. Jah­res­tag der ers­ten Depor­ta­ti­on von Jüdin­nen und Juden aus Darmstadt. 

Die Gedenk­ver­an­stal­tung fand öffent­lich statt und so nah­men auch ca. 80 darm­städ­ter Bürger*innen an der Ver­an­stal­tung teil. Maria Strauß sprach für den Hes­si­schen Lan­des­ver­band und erin­ner­te an Ihre Mut­ter Anna Keck, wel­che mit 68 ande­ren Sin­ti nach Ausch­witz depor­tiert wur­de. Neben Maria Strauß spra­chen Bar­ba­ra Akdeniz (Bünd­nis 90/DIE GRÜNEN) für die Stadt Darm­stadt, Rena­te Dree­sen für das Denk­zei­chen Güter­bahn­hof und Alex­an­der Sto­ler für die Darm­städ­ter jüdi­sche Gemeinde.

Musi­ka­lisch beglei­tet wur­de die Ver­an­stal­tung durch den jun­gen Gei­ger June Hei­lig, beglei­tet durch sei­nen Vater Ser­gej Hart­mann (Akkor­de­on) sowie Richard Blum (Kon­tra­bass).

Es berich­te­ten das Darm­städ­ter Echo und die Frank­fur­ter Rund­schau. Die Ver­an­stal­tung wur­de live gestreamt und kann wei­ter nach­ge­se­hen werden:

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40 Jahre Anerkennung des Völkermordes an den Sinti und Roma

Heu­te vor 40 Jah­ren, am 17. März 1982, lud der dama­li­ge Bun­des­kanz­ler Hel­mut Schmidt Vertreter*innen der deut­schen Sin­ti und Roma zu sich in das Kanz­ler­amt in Bonn ein. Im Anschluss wur­de das fol­gen­de State­ment veröffentlicht:

Den Sin­ti und Roma ist durch die NS-Dik­ta­tur schwe­res Unrecht zuge­fügt wor­den. Sie wur­den aus ras­si­schen Grün­den ver­folgt. Die­se Ver­bre­chen haben den Tat­be­stand des Völ­ker­mords erfüllt.“

Hel­mut Schmidt, 17. März 1982

Mit die­sen Wor­ten erkann­te der dama­li­ge Bun­des­prä­si­dent Hel­mut Schmidt erst­ma­lig den Völ­ker­mord an den Sin­ti und Roma offi­zi­ell für die deut­sche Bun­des­re­gie­rung an. 37 Jah­re hat es nach Ende des Zwei­ten Welt­krie­ges gedau­ert, bis das Leid unse­rer Min­der­heit von der Bun­des­re­gie­rung aner­kannt wur­de. Vor­an­ge­gan­gen waren har­te Kämp­fe der Bür­ger­rechts­be­we­gung gegen eine feh­len­de Ent­schä­di­gung und eine wei­ter­ge­hen­de Dis­kri­mi­nie­rung sowie für die Aner­ken­nung des natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Völ­ker­mor­des an den Sin­ti und Roma. Noch 1956 urteil­te der Bun­des­ge­richts­hof, dass Sin­ti und Roma nicht aus ras­sis­ti­schen Grün­den ver­folgt wur­den. Lan­ge wur­de dies noch so juris­tisch ange­wen­det und es dau­er­te bis 2016, dass sich die Prä­si­den­tin des Bun­des­ge­richts­hof für die­ses Urteil ent­schul­dig­te. Auch gesell­schaft­lich wur­den Sin­ti und Roma nicht als Opfer­grup­pe wahr­ge­nom­men und die Kon­ti­nui­tä­ten der Dis­kri­mi­nie­rung zu wenig in Fra­ge gestellt.

Aus die­sem Grund waren die Wor­te Hel­mut Schmidts so wich­tig: für die Über­le­ben­den, die Hin­ter­blie­be­nen und die Gesell­schaft. Sie stell­ten einen Bruch zu vor­an­ge­gan­ge­nen Recht­fer­ti­gun­gen und Leug­nun­gen des Völ­ker­mor­des an den Sin­ti und Roma dar.

Im Natio­nal­so­zia­lis­mus wur­den cir­ca. 500.000 euro­päi­sche Sin­ti und Roma ermordet.

NEUERSCHEINUNG: Systematische Leistungsverweigerung gegen EU-Bürger*innen

Antiziganismuskritische Handreichung zu Abwehrstrategien und Diskriminierungsmustern in Jobcentern

Anläss­lich der vier­ten Ver­öf­fent­li­chung einer inter­nen Dienst­an­wei­sung zum Umgang mit EU-Bürger*innen in Job­cen­tern hat der Lan­des­ver­band in Koope­ra­ti­on mit der Autorin Eli­sa Schmidt eine Bro­schü­re mit dem Titel “Sys­te­ma­ti­sche Leis­tungs­ver­wei­ge­rung gegen EU-Bür­ge­rin­nen — Anti­zi­ga­nis­mus­kri­ti­sche Hand­rei­chung zu Abwehr­stra­te­gien und Dis­kri­mi­nie­rungs­mus­tern in Job­cen­tern” herausgegeben.

Sie rich­tet sich an Sozialarbeiter*innen, Inter­es­sier­te und Per­so­nen, wel­che mit dem Job­cen­ter zutun haben (müs­sen) und hat einer­seits zum Ziel die Pra­xen im Job­cen­ter anti­zi­ga­nis­mus­kri­tisch zu ana­ly­sie­ren, sowie Abwehr­stra­te­gien erkenn­bar zu machen. Ande­rer­seits zeigt sie Hand­lungs­op­tio­nen auf und gibt dar­über hin­aus Hand­lungs­emp­feh­lun­gen für Job­cen­ter zum Abbau von Antiziganismus.

Die Bro­schü­re ver­bin­det eine Ana­ly­se mit Bei­spie­len aus der Sozi­al­be­ra­tung in Hes­sen und Berlin. 

Einen beson­de­ren Dank gilt hier­bei dem För­der­ver­ein Roma e.V. (Frank­furt) und Ama­ro Foro e.V. (Ber­lin), wel­che ein Vor­wort zur Bro­schü­re beitrugen.

Die Bro­schü­re kön­nen Sie ent­we­der als PDF her­un­ter­la­den, oder beim Hes­si­schen Lan­des­ver­band Deut­scher Sin­ti und Roma bestellen.

Gedenken an den Anschlag vom 19. Februar 2020 (Hanau) in Darmstadt

Zwei Jah­re nach dem Anschlag vom 19. Febru­ar 2020 gedenkt der Hes­si­sche Lan­des­ver­band Deut­scher Sin­ti und Roma den Opfern des ras­sis­ti­schen Anschlags: Gök­han Gül­te­kin, Sedat Gür­büz, Said Nesar Has­h­e­mi, Mer­ce­des Kier­pacz, Ham­za Kur­to­vić, Vili Vio­rel Păun, Fatih Sara­çoğlu, Fer­hat Unvar, Kaloy­an Velkov.

Damit die Getö­te­ten, sowie das Leid und die For­de­run­gen der Hin­ter­blie­be­nen und Über­le­ben­den nicht ver­ges­sen wer­den, hat sich Lan­des­ver­band an der Mahn­wa­che vom 19. Febru­ar der Stadt Darm­stadt betei­ligt. Hier­bei erin­ner­te Adam Strauß, Vor­sit­zen­der des Hes­si­schen Lan­des­ver­ban­des Deut­scher Sin­ti und Roma in sei­ner Gedenk­re­de dar­an, dass gesell­schaft­li­cher Ras­sis­mus zu ras­sis­ti­schem Ter­ror füh­ren kann und dass es wich­tig ist, bereits die­sem ent­schlos­sen ent­ge­gen­zu­tre­ten. Dafür ist aber auch Auf­klä­rung not­wen­dig, damit all­täg­li­chen Dis­kri­mi­nie­run­gen und Aus­gren­zung als die­se erkannt wird. 

Neben dem Lan­des­ver­band spra­chen der Ober­bür­ger­meis­ter Jochen Partsch, der Aus­län­der­bei­rat Darm­stadt und die Inter­es­sen­ge­mein­schaft der Migran­ten­selbst­or­ga­ni­sa­tio­nen Darmstadt.

Workshops bei der Qualifizierungsreihe des Bündnisses “Demokratiebildung nachhaltig gestalten” gut besucht

Am 13.02.2022 hat der Hes­si­sche Lan­des­ver­band Deut­scher Sin­ti und Roma bei der Qua­li­fi­zie­rungs­rei­he des Bünd­nis­ses “Demo­kra­tie­bil­dungs nach­hal­tig gestal­ten” einen Work­shop ange­bo­ten. Auf­grund der hohen Nach­fra­ge wur­de die­ser in zwei Work­shops unter­teilt, wel­che bei­de am 13.02 nach­ein­an­der durch­ge­führt wurden.

In den Work­shops wur­den aktu­el­le For­men des Anti­zi­ga­nis­mus dis­ku­tiert und Stim­men von Ange­hö­ri­gen der Min­der­heit der Sin­ti und Roma über die Aus­wir­kun­gen auf ihr Leben gehört.

Der Lan­des­ver­band hat sich sehr über das gro­ße Inter­es­se an den Work­shops gefreut und bedankt sich bei der Ev. Aka­de­mie Frank­furt und dem Bünd­nis “Demo­kra­tie­bil­dung nach­hal­tig gestal­ten” für die Organisation.

Das gan­ze Pro­gramm der (zum Groß­teil bereits gelau­fe­nen) Qua­li­fi­zie­rungs­rei­he fin­den Sie hier.

27. Januar – Gedenken an die Verfolgten des Nationalsozialismus – Gedenken an eine halbe Million Ermordete Sinti und Roma

PRESSEMITTEILUNG DES HESSISCHEN LANDESVERBANDES DEUTSCHER SINTI UND ROMA

Heu­te vor 77 Jah­ren, am 27. Janu­ar 1945, wur­de das Ver­nich­tungs­la­ger Ausch­witz von den sowje­ti­schen Trup­pen befreit. Die­ser Tag gilt bis heu­te als Gedenk­tag an die Mil­lio­nen Opfer und Ver­folg­ten des Natio­nal­so­zia­lis­mus. Ausch­witz steht bis heu­te als Syn­onym für den natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Völ­ker­mord an den Juden, Sin­ti und Roma, sowie der sys­te­ma­ti­schen Ver­fol­gung und Ver­nich­tung vie­ler wei­te­rer wie poli­ti­scher Oppo­si­tio­nel­ler, Homo­se­xu­el­ler, Zeu­gen Jeho­vas oder Men­schen mit Behinderung.

Nach Anga­ben der Gedenk­stät­te Ausch­witz star­ben die meis­ten der ca. 23.000 nach Ausch­witz depor­tier­ten Sin­ti und Roma an den mör­de­ri­schen Bedin­gun­gen oder durch die Gas­kam­mern. Allein in der Nacht vom 4. auf den 5. August wur­den etwa 4.000 Sin­ti und Roma ermor­det, als das kom­plet­te Lager Ausch­witz Bir­ken­au II e von der SS ‚auf­ge­löst‘ und alle dort ver­blie­be­nen Sin­ti und Roma ver­gast wurden.

Anna Mett­bach, Sin­tez­za und Bür­ger­recht­le­rin aus Hes­sen, wur­de 1942 mit 18 Jah­ren nach Ausch­witz depor­tiert, da sie in Sor­ge um ihren Onkel ohne Erlaub­nis ihren Wohn­ort ver­las­sen hat­te. Sie beschreibt ihre Depor­ta­ti­on spä­ter in einem Zeitzeugeninterview:

Wir waren eini­ge Tage unter­wegs. Ohne Was­ser und ohne Nah­rung. Jeder hing sei­ne Gedan­ken nach. Angst. Hoff­nungs­lo­sig­keit. Was wird wer­den? Ich wuss­te nicht, wo wir hin­kom­men. Wir sind in Ausch­witz ange­kom­men an der Ram­pe. Und dann hört man das Gebrüll. Da stan­den die Her­ren der SS, die Her­ren über Leben und Tod mit Schä­fer­hund und Gewehr. Dann ging es nur mit einer Dau­men­be­we­gung: so viel war der Mensch wert.“

Anna Mett­bach muss­te in Ausch­witz und wei­te­ren Lagern Zwangs­ar­beit leis­ten und unglaub­li­che Qua­len erle­ben. Sie über­leb­te meh­re­re Lager und einen Todes­marsch bevor sie 1945 befreit wur­de. Nach ihrer Befrei­ung setz­te sie sich für die Aner­ken­nung des Völ­ker­mor­des und die Ver­bes­se­rung der Situa­ti­on der Sin­ti und Roma in Deutsch­land ein. Die Vor­ur­tei­le, die zur Ver­fol­gung der Sin­ti und Roma geführt hat­ten, exis­tier­ten auch nach 1945 wei­ter und füh­ren bis heu­te zur Diskriminierung.

Für mich als Vor­sit­zen­der des Hes­si­schen Lan­des­ver­ban­des Deut­scher Sin­ti und Roma ist die Erin­ne­rung an die Ver­folg­ten des Natio­nal­so­zia­lis­mus beson­ders wich­tig. Ihr Geschich­ten zei­gen, wie Men­schen, die zuvor Nachbar*innen, Mitschüler*innen und Kolleg*innen waren, nach und nach immer stär­ker aus­ge­grenzt, ver­folgt und schließ­lich ver­nich­tet wer­den konn­ten. Sie zei­gen aber auch ihr Leben und wie sie sich gegen­sei­tig Unter­stütz­ten.“, so Adam Strauß. „Wenn heu­te Men­schen glau­ben, sie sei­en wegen einer feh­len­den Imp­fung ver­folgt wie unse­re Men­schen im Natio­nal­so­zia­lis­mus, kön­nen sie sich nicht ernst­haft mit der Geschich­te aus­ein­an­der­ge­setzt haben. Es ist eine Belei­di­gung für alles was die Ver­folg­ten erlei­den mussten.“

VERLÄNGERT: “Der Weg der Sinti und Roma” in Schwalbach a.Ts.

Mit Online Vortrag von Rinaldo Strauß am 18.1.2022

Vom 17.–28. Janu­ar ist die Aus­stel­lung “Der Weg der Sin­ti und Roma — Wie ‘Zigeu­ner­bil­der’ einen Völ­ker­mord mög­lich machen kön­nen” im Rat­haus in Schwal­bach a. Ts. zu sehen. Sie zeigt die Geschich­te der Min­der­heit seit ihrer Ankunft in Euro­pa und dem deutsch­spra­chi­gen Raum. Die Aus­stel­lung the­ma­ti­siert die Wir­kung von Bil­dern und Zuschrei­bun­gen gegen Sin­ti und Roma vom 16. bis zum 20. Jahr­hun­dert, die Ver­fol­gun­gen und Dis­kri­mi­nie­run­gen bis zum Völ­ker­mord wäh­rend des Natio­nal­so­zia­lis­mus, die Kon­ti­nui­tä­ten der Bil­der und nicht zuletzt den Kampf gegen Anti­zi­ga­nis­mus durch die Selbst­or­ga­ni­sa­tio­nen von Sin­ti und Roma.

Schüler*innen der Albert-Ein­stein-Schu­le und der Fried­rich-Ebert-Schu­le wur­den zu Gui­des aus­ge­bil­det, um anschlie­ßend selbst Füh­run­gen durch die Aus­stel­lung geben zu können. 

Am 18.09.2022 hat Rinal­do Strauß einen Online-Vor­trag zum The­ma “Wie Zigeu­ner­bil­der einen Völ­ker­mord mög­lich mach­ten” gehalten. 

Inter­es­sier­te kön­nen sich die Aus­stel­lung noch bis zum 28.1.2022 im Schwal­ba­cher Rat­haus anschau­en. Bit­te infor­mie­ren Sie sich vor­ab bei der Stadt Schwal­bach a.Ts. über die aktu­el­len Pandemieregeln.

Hier Berich­te der Frank­fur­ter Rund­schau vom 17.1.2022, der Frank­fur­ter Neu­en Pres­se vom 19.1.2022 und der Schwal­ba­cher Zei­tung vom 21.1.2022.

Wir freu­en uns sehr, dass die Aus­stel­lung bis zum 4.2.2022 ver­län­gert wer­den konnte.

Neues Hörspiel jetzt online

Hör­spiel: Anna – ein Men­schen­le­ben, 2021

Das vom Lan­des­ver­band in Auf­trag gege­be­ne Hör­spiel “Anna — ein Men­schen­le­ben. Die Geschich­te der Sin­ti und Roma am Bei­spiel von Anna Mett­bachs Leben” ist jetzt erschie­nen. In die­sem Hör­spiel unter­hält sich ein Vater (Jour­na­list und His­to­ri­ker) mit sei­ner Toch­ter und es ent­wi­ckelt sich ein Gespräch über das Leben von Anna Mett­bach, einer Sin­tez­za, die Aus­sch­witz überlebte.

Die bei­den unter­hal­ten sich über Anna Mett­bachs Kind­heit, ihre Zeit im KZ, ihr Leben „danach“. In ihrem Dia­log gehen sie über die rei­ne Lebens­ge­schich­te Annas hin­aus, spre­chen über die His­to­rie der Sin­ti und Roma vom Mit­tel­al­ter bis zur Nach­kriegs­si­tua­ti­on und den Kämp­fen um Ent­schä­di­gung. Gleich­zei­tig wer­den aber auch die phi­lo­so­phi­schen Fra­gen, die Anna Mett­bach in ihren zahl­rei­chen Zeit­zeu­gen­be­rich­ten und Inter­views immer wie­der auf­ge­wor­fen hat, auf­ge­grif­fen.  Es ist ein leben­di­ger Dia­log, der mit Ori­gi­nal-Audio­auf­nah­men von Anna Mett­bach authen­tisch, berüh­rend, manch­mal auch scho­ckie­rend und span­nend die Geschich­te der Sin­ti und Roma in Deutsch­land beleuchtet. 

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Nachrichten auf Romanes 2021

Der Lan­des­ver­band hat eine neue Nach­rich­ten­sen­dung auf Roma­nes her­aus­ge­ge­ben. Dar­in berich­ten wir über unse­re Arbeit im letz­ten Jahr.

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