Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus
Der 27. Januar markiert einen der zentralen Erinnerungstage in der deutschen Geschichte. Am 27. Januar 1945 erreichten sowjetische Truppen das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz im von Nazi-Deutschland besetzten Polen und befreiten die überlebenden Gefangenen. 81 Jahre später steht Auschwitz weiterhin für den industriell organisierten Massenmord an Millionen Menschen, insbesondere an Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma und viele weitere Gruppen, die vom nationalsozialistischen Regime verfolgt und ermordet wurden. Der Verband Deutscher Sinti und Roma — Landesverband Hessen, nimmt diesen Tag zum Anlass, aller Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken und auch all jener Menschen zu erinnern, die sich dem Naziregime widersetzten.
Innerhalb des Lagerkomplexes Auschwitz-Birkenau existierte zwischen 1943 und 1944 ein eigener Lagerabschnitt, Auschwitz Birkenau B II e, für Sinti und Roma. Von den rund 23.000 dorthin deportierten Menschen überlebten nur wenige. Hunger, Krankheiten, Gewalt, medizinische Experimente und die Gaskammern kosteten den meisten von ihnen das Leben. Insgesamt wurden etwa 500.000 Sinti und Roma Opfer des systematisch geplanten Völkermords der Nationalsozialisten.
Doch der nationalsozialistische Völkermord an den Sinti und Roma war kein isoliertes historisches Ereignis, sondern Ausdruck eines tief verwurzelten Antiziganismus, der bereits Jahrhunderte vorher bestand und dessen Kontinuitäten bis in die Gegenwart reichen. „Diskriminierende Denkmuster, strukturelle Ausgrenzung und gesellschaftliche Abwertung prägen bis heute den Alltag vieler Sinti und Roma. Vor dem Hintergrund, dass rechte Parteien in ganz Europa immer stärker werden, gewinnt das Gedenken am 27. Januar daher eine besondere politische Bedeutung: Erinnerung verpflichtet zum entschlossenen Eintreten gegen Antiziganismus, Antisemitismus, Rassismus und jede Form von Geschichtsrelativierung, damals wie heute“, erklärt Fatima Stieb, Vorstand des Verbands Deutscher Sinti und Roma — Landesverband Hessen
Für den ersten Vorsitzenden des Landesverbands, Adam Strauß, ist Auschwitz nicht nur ein historischer Bezugspunkt, sondern Teil der eigenen Biografie: „In meiner Familie sind die Spuren dieses Verbrechens bis heute spürbar. Zahlreiche Angehörige wurden von den Nazis entrechtet, deportiert und ermordet – darunter auch meine Großmutter sowie weitere enge Verwandte. Doch noch immer werden die Verbrechen des Nationalsozialismus verharmlost, geleugnet oder politisch missbraucht. Erinnerung ist kein Ritual, sondern eine Verpflichtung gegenüber den Ermordeten sowie künftiger Generationen, die in Frieden und Freiheit leben wollen.“