Unterzeichnung des Staatsvertrags

An Mon­tag den 23.05.2022 unter­zeich­ne­ten Adam Strauß, Vor­sit­zen­der des Ver­ban­des Deut­scher Sin­ti und Roma – Lan­des­ver­band Hes­sen und der Minis­ter­prä­si­dent Hes­sens Vol­ker Bouf­fier einen neu­en Staats­ver­trag. In die­sem Staats­ver­trag wer­den die Mit­tel für den Lan­des­ver­band Deut­scher Sin­ti und Roma ab dem Jahr 2025 erhöht und somit die Arbeit des Lan­des­ver­ban­des für die nächs­ten zehn Jah­re sicher­ge­stellt, denn die Lauf­zeit des neu­en Staats­ver­tra­ges beträgt zehn Jahre.

Nach die­ser Unter­zeich­nung stimmt noch der Land­tag über den Staats­ver­trag ab.

Zie­le des neu­en Staatsvertrages:

Mit der kon­ti­nu­ier­li­chen Arbeit soll die gesell­schaft­li­che Teil­ha­be der natio­na­len Min­der­heit der Sin­ti und Roma ver­bes­sert wer­den. Zudem klärt der Lan­des­ver­band über Anti­zi­ga­nis­mus auf und wirkt die­sem entgegen.

Für die kom­men­den Jah­re plant der Lan­des­ver­band die Ein­rich­tung des neu­en Anna Mett­bach­zen­trums. In dem Zen­trum wird auch eine Dau­er­aus­stel­lung zu der Geschich­te der Sin­ti und Roma und dem The­ma Anti­zi­ga­nis­mus eröff­net werden.

Die App „Sin­ti und Roma in Hes­sen“ gibt es bereits für die Stadt Darm­stadt. Sie soll für wei­te­re hes­si­sche Städ­te und Orte ver­öf­fent­licht werden.

Biographischer Stadtrundgang zum Leben Alwine Kecks mit Leonie Zander anhand der SiRo App

Am 09. Juni 2022 traf sich eine Grup­pe Inter­es­sier­ter am Mahn­mal für die Ver­fol­gung der Sin­ti und Roma durch die Natio­nal­so­zia­lis­ten, um sich in einem bio­gra­phi­schen Stadt­rund­gang auf die Spu­ren der Darm­städ­ter Bür­ge­rin Alwi­ne Keck zu bege­ben.
Ein­ge­la­den hat­ten der Ver­band Deut­scher Sin­ti und Roma LV Hes­sen in Koope­ra­ti­on mit „Viel­falt bil­det“ der TU Darm­stadt sowie der VHS Darmstadt.

Mit viel Detail­wis­sen und unter Ein­be­zug der Teil­neh­men­den führ­te die wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­te­rin des hes­si­schen Lan­des­ver­bands, Leo­nie Zan­der, die Grup­pe am Don­ners­tag­nach­mit­tag an die ver­schie­de­nen Sta­tio­nen des Rund­gangs. Die bio­gra­phi­sche Füh­rung ori­en­tier­te sich an dem gleich­na­mi­gen Rund­gang zu Alwi­ne Keck, der in der neu ent­wi­ckel­ten SiRo-App des hes­si­schen Lan­des­ver­bands unter siro-hessen.app kos­ten­frei zugäng­lich ist.   Der Rund­gang dau­er­te 2,5 Stun­den und erstreck­te sich über knapp fünf Kilo­me­ter. Er führ­te die Teil­neh­men­den zu sechs Sta­tio­nen, die im Leben und der Ver­fol­gungs­ge­schich­te von Alwi­ne Keck in Darm­stadt rele­vant waren. Unter Ande­rem wur­den das ehe­ma­li­ge Poli­zei­prä­si­di­um, das ehe­ma­li­ge Arbeits­amt sowie der Darm­städ­ter Güter­bahn­hof besich­tigt, von dem aus Alwi­ne Keck, geb. Adam 1943 zusam­men mit ihrer Fami­lie nach Ausch­witz Bir­ken­au depor­tiert wur­de. Die Teil­neh­men­den, die aus Frank­furt, Gie­ßen und Darm­stadt zu dem Stadt­rund­gang gekom­men waren, zeig­ten sich sehr inter­es­siert. Vie­le Fra­gen konn­ten gemein­sam aber auch zwi­schen­durch von einer zur nächs­ten Sta­ti­on beant­wor­tet wer­den.

Der Lan­des­ver­band hat mit der SiRo App und den dazu­ge­hö­ri­gen geführ­ten Stadt­rund­gän­gen ein Bil­dungs­an­ge­bot geschaf­fen, wel­ches inter­ak­tiv ist und die Teil­neh­men­den direkt an die Orte des Gesche­hens führt. Wei­te­re geführ­te Stadt­rund­gän­ge für Grup­pen kön­nen bei Inter­es­se beim Lan­des­ver­band ange­fragt werden.

Vortrag „Sichtbarkeit und Emanzipation“ ermöglicht Auseinandersetzung mit blinden Flecken

In Koope­ra­ti­on mit “Viel­falt bil­det”, einem Pro­jekt der TU Darm­stadt und der VHS lud der Ver­band Deut­scher Sin­ti und Roma Lan­des­ver­band Hes­sen am 08. Juni 2022 zu dem Vor­trag „Sicht­bar­keit und Eman­zi­pa­ti­on“ in den Räu­men der VHS Darm­stadt ein.

Rinal­do Strauß, stell­ver­tre­ten­der Geschäfts­füh­rer des hes­si­schen Lan­des­ver­bands, the­ma­ti­sier­te zu Beginn den blin­den Fleck der Mehr­heits­ge­sell­schaft, wenn es um die Sicht­bar­keit von Sin­ti und Roma im öffent­li­chen Raum geht. Kul­tu­rel­le Bei­trä­ge von Min­der­heits­an­ge­hö­ri­gen wer­den oft­mals nicht als sol­che (an-)erkannt. Denn wer weiß bei­spiels­wei­se, dass Mär­chen der Gebrü­der Grimm maß­geb­lich auf Erzäh­lun­gen und Moti­ven von Sin­ti und Roma auf­bau­en?  Oder, dass Djan­go Rein­hardt mit dem Sin­ti Jazz ein eige­nes, die euro­päi­sche Musik­sze­ne prä­gen­des Gen­re erfun­den hat? Mit die­sen und wei­te­ren Refle­xi­ons­fra­gen gelang ein offe­ner Ein­stieg, wel­cher bei dem Wis­sen und den per­sön­li­chen Ver­knüp­fun­gen der Zuhö­ren­den ansetzte.

Sin­ti und Roma sind seit Jahr­hun­der­ten Teil der all­ge­mei­nen, deut­schen Gesell­schaft und damit auch seit Jahr­hun­der­ten Teil die­ser Geschich­te und Kul­tur. All­zu oft jedoch wer­den Sin­ti und Roma, Jüdin­nen und Juden sowie ande­re Min­der­hei­ten aus­schließ­lich im Kon­text der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Ver­fol­gung und Ermor­dung genannt. Dies redu­ziert die All­täg­lich­keit einer gemein­sa­men Geschich­te und macht sie damit unsicht­bar. Mit der Schwer­punkt­set­zung des Vor­trags, sowie der neu ent­wi­ckel­ten SiRo App (her­un­ter­zu­la­den unter siro-hessen.app), möch­te der hes­si­sche Lan­des­ver­band zur stär­ke­ren Sicht­bar­keit der Min­der­heit im öffent­li­chen Raum bei­tra­gen. Neben der Ver­fol­gungs­ge­schich­te sol­len Akte des Wider­stands und der Eman­zi­pa­ti­on stär­ker Beach­tung fin­den.
Die Zuhö­ren­den, die der Ein­la­dung des Lan­des­ver­bands gefolgt waren, zeig­ten sich inters­siert und hat­ten im Anschluss die Mög­lich­keit Rück­fra­gen zu stel­len und in den Aus­tausch zum The­ma zu treten.

Filmvorführung Alltagsdiskriminierung in der Berthold-Brecht-Schule am 1. Juni 2022 mit Fatima Stieb

Wel­che Erfah­run­gen machen Betrof­fe­ne von Anti­zi­ga­nis­mus heu­te? Wo fin­det anti­zi­ga­nis­ti­sche Dis­kri­mi­nie­rung statt? Wie gehen Betrof­fe­ne mit ihren Erfah­run­gen um?
Die­sen Fra­gen geht der Film „All­tags­dis­kri­mi­nie­rung“ des hes­si­schen Lan­des­ver­bands Deut­scher Sin­ti und Roma nach, der am 1. Juni 2022 in der Bert­hold-Brecht-Schu­le Darm­stadt vor über 80 Schüler*innen und Lehr­kräf­ten im Neu­en Foy­er gezeigt wur­de.
Fati­ma Stieb, die selbst als Prot­ago­nis­tin in dem Film zu Wort kommt, war vor Ort und berich­te­te im Anschluss an die Film­vor­füh­rung über ihre per­sön­li­chen Erfah­run­gen. In der abschlie­ßen­den Fra­ge- und Dis­kus­si­ons­run­de trieb die Schüler*innen vor allem eine Fra­ge um: War­um wird die Ver­fol­gung von Sin­ti und Roma zur Zeit des Natio­nal­so­zia­lis­mus, sowie die andau­ern­de Dis­kri­mi­nie­rung nach 1945 bis heu­te kaum bis gar nicht in der Schu­le thematisiert?

Die­se Fra­ge beschäf­tigt auch eine Schüler*innengruppe um den Leh­rer Herrn Schütz, die sich in den letz­ten Wochen frei­wil­lig inten­siv mit der Geschich­te deut­scher Sin­ti und Roma und ein­zel­nen Darm­städ­ter Bio­gra­phien beschäf­tig­te. So nut­ze die Grup­pe die vom Lan­des­ver­band neu ent­wi­ckel­te SiRo-App, um in einem Stadt­rund­gang mehr über das Leben der Darm­städ­ter Sin­tez­za Alwi­ne Keck zu erfah­ren. Die App kann unter https://siro-hessen.app kos­ten­frei genutzt und her­un­ter­ge­la­den werden.

Zudem orga­ni­sier­te Herr Schütz, dass die mobi­le Aus­stel­lung des hes­si­schen Lan­des­ver­bands „Der Weg der Sin­ti und Roma“ für vier Wochen in den Räu­men des Neu­en Foy­er der Bert­hold-Brecht-Schu­le zu sehen war.

Erfolgreicher Workshop „Antiziganismus – Ein Thema für Schule und Unterricht“ an der TU Darmstadt

In Zusam­men­ar­beit mit dem Pro­jekt „Viel­falt bil­det! Ras­sis­mus­kri­ti­sche Bil­dungs­ar­beit gemein­sam gestal­ten“ hat der hes­si­sche Lan­des­ver­band am 31.05.2022 eine akkre­di­tier­te Fort­bil­dung zum The­ma „Anti­zi­ga­nis­mus – Ein The­ma für Schu­le und Unter­richt“ an der TU Darm­stadt durch­ge­führt.
Die Wis­sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei­te­rin­nen des hes­si­schen Lan­des­ver­bands konn­ten erst­mals seit Beginn der Pan­de­mie einen Work­shop in Prä­senz anbie­ten. Umso mehr freu­te die Organisator*innen die gro­ße Reso­nanz und dass der Work­shop gut ange­nom­men wurde.

In dem vier­stün­di­gen Work­shop set­zen sich die Teil­neh­men­den mit Dis­kri­mi­nie­rung und Anti­zi­ga­nis­mus im Spe­zi­el­len aus­ein­an­der und reflek­tier­ten dabei ihre Rol­le als (ange­hen­de) Lehr­kräf­te oder Pädagog*innen. Im Beson­de­ren wur­de die struk­tu­rel­le Benach­tei­li­gung von Ange­hö­ri­gen der Min­der­heit im Bil­dungs­we­sen the­ma­ti­siert.
Wie kann Anti­zi­ga­nis­mus erkannt und ent­tarnt wer­den und wel­che Mög­lich­kei­ten bestehen, Betrof­fe­ne von Dis­kri­mi­nie­rung zu schüt­zen und zu unter­stüt­zen? Über die­se Fra­gen und Hand­lungs­mög­lich­kei­ten wur­de an Hand von Fall­bei­spie­len inten­siv in der Grup­pe dis­ku­tiert. Neben neu­en Erkennt­nis­sen zu his­to­ri­schen Kon­ti­nui­tä­ten von Anti­zi­ga­nis­mus nah­men die Teil­neh­men­den vie­le Anre­gun­gen zum Umgang mit Dis­kri­mi­nie­rung in ihren eige­nen schu­li­schen All­tag mit.

Die Rele­vanz des The­mas der Benach­tei­li­gung und Dis­kri­mi­nie­rung von Sin­ti und Roma im Bil­dungs­we­sen, wur­de von den Teil­neh­men­den abschlie­ßend als von beson­de­rer Bedeu­tung ein­ge­schätzt. Wir freu­en uns über das rege Inter­es­se und die gelun­ge­ne Fortbildung.

Filmvorführung Alltagsdiskriminierung mit anschließender Diskussion im Sandberghof Darmstadt

Am 24. Mai 2022 war der Lan­des­ver­band zu einer Film­vor­füh­rung mit anschlie­ßen­der Dis­kus­si­on in den Sand­berg­hof in Darm­stadt ein­ge­la­den.
Der Film „All­tags­dis­kri­mi­nie­rung – Ein Film vom Ver­band Deut­scher Sin­ti und Roma LV Hes­sen“ aus dem Jahr 2019, the­ma­ti­siert den all­täg­li­chen Anti­zi­ga­nis­mus mit dem Betrof­fe­ne in Schu­le, auf dem Woh­nungs­markt sowie in der Arbeits­welt tag­täg­lich kon­fron­tiert sind und lässt sie selbst zu Wort kom­men.
Die Bewoh­nen­den des Sand­berg­hofs zeig­ten sich im Anschluss an die Film­vor­füh­rung sehr inter­es­siert und hat­ten vie­le Fra­gen an Rinal­do Strauß, den stell­ver­tre­ten­den Geschäfts­füh­rer des Lan­des­ver­bands. Es ent­stand eine anre­gen­de Diskussion.

SiRo App bei Stadtrundgang zum Thema Widerstand in Darmstadt vorgestellt

Am 18. Mai führ­te der Lan­des­ver­band zusam­men mit der Geschichts­werk­statt der Bert­holt-Brecht-Schu­le einen Stadt­rund­gang zum The­ma Wider­stand durch. Der Stadt­rund­gang befass­te sich mit ver­schie­de­nen For­men und Orten des Wider­stan­des von Sin­ti und Roma in Darm­stadt vom Natio­nal­so­zia­lis­mus bis heute.

Hier­bei wur­de auch noch­mal die neue App des Lan­des­ver­ban­des vor­ge­stellt. Die App errei­chen Sie unter: https://siro-hessen.app/

Die Frank­fur­ter Rund­schau berich­te­te.

SiRo-App geht online

PRESSEMITTEILUNG

App-Release: Mit der SiRo-App auf den Spu­ren von Sin­ti und Roma in Hes­sen & Geden­ken an den Jah­res­tag des Auf­stan­des von Sin­ti und Roma in Ausch­witz-Bir­ken­au am 16. Mai 1944

Anläss­lich des 78. Gedenk­tag an den Auf­stand von Sin­ti und Roma in Ausch­witz-Bir­ken­au am 16. Mai 1944 ver­öf­fent­licht der Ver­band Deut­scher Sin­ti und Roma – Lan­des­ver­band Hes­sen sein neu­es­tes Pro­jekt: die SiRo-App. Mit ihr kann man spie­le­risch mehr über die Geschich­te und Gegen­wart von Sin­ti und Roma in Hes­sen erfah­ren. »Mit der SiRo-App wol­len wir Geschich­ten von Sin­ti und Roma in Hes­sen sicht­ba­rer machen. Dabei geht es dar­um Dis­kri­mi­nie­rung und Ver­fol­gung zu doku­men­tie­ren und gera­de auch die­je­ni­gen, die Opfer des natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Völ­ker­mords wur­den, nicht in Ver­ges­sen­heit gera­ten zu las­sen – das ist qua­si wie eine Art digi­ta­ler Stol­per­stein. Aber es geht auch um den Wider­stand, der geleis­tet wur­de, sei es in der Geschich­te, im Zuge der Bür­ger­rechts­be­we­gung seit den 1970er Jah­ren oder heu­te«, so Adam Strauß, der Vor­sit­zen­de des Verbandes.

Die App star­tet mit Infor­ma­tio­nen zu Darm­stadt und zu Denk­mä­lern in Hes­sen. Nach und nach wer­den die Infor­ma­tio­nen zu ande­ren Städ­ten und Gemein­den ergänzt.

Mit der App, die man bei Bedarf auch ein­fach über den Brow­ser auf dem PC nut­zen kann, kön­nen Orte besucht, Bio­gra­fien recher­chiert oder the­ma­ti­sche Stadt­rund­gän­ge gemacht wer­den. Wer den Stand­ort sei­nes Smart­pho­nes frei­gibt, kann sich auch an die jewei­li­gen Orte und navi­gie­ren las­sen. Und wer ganz neu im The­ma oder wei­ter­ge­hend inter­es­siert ist, erhält über die App wei­ter­füh­ren­de Infor­ma­tio­nen auch über Hes­sen hinaus.

Tech­nisch und gestal­te­risch wur­de die App vom Frank­fur­ter Insti­tut für Gebrauchs­gra­fik ent­wi­ckelt, wo man sich für eine soge­nann­te Web-App ent­schie­den hat: »Wir woll­ten bei einem so wich­ti­gen The­ma mög­lichst vie­le unter­schied­li­che Zugän­ge ermög­li­chen. Die App lässt sich wie eine Kar­ten-App auf dem Mobil­te­le­fon unter­wegs ver­wen­den, man kann sie aber auch im Brow­ser wie eine Web­site nut­zen – bei­spiels­wei­se im Schul­un­ter­richt«, berich­tet Mar­tin Spen­cer, eine*r der Entwickler*innen des Insti­tuts für Gebrauchs­gra­fik, »außer­dem war es wich­tig, eine Struk­tur zu schaf­fen, die kon­ti­nu­ier­lich erwei­tert wer­den kann.« 

»Unser Ziel ist es schließ­lich, die hes­si­sche Geschich­te von Sin­ti und Roma mög­lichst umfas­send zu doku­men­tie­ren und das gera­de jetzt, wo rech­te Gesin­nun­gen wie­der auf dem Vor­marsch sind“, ergänzt Adam Strauß. »Wer uns dabei mit Infor­ma­tio­nen unter­stüt­zen möch­te, kann sich ger­ne bei uns mel­den, denn gera­de zu vie­len klei­ne­ren Städ­ten und Gemein­den gibt es bis­her oft nur weni­ge Informationen.«

Hier geht es direkt zur SiRo-App.

Fly­er zur SiRo-App.

Vortrag und Lesung der Geschichtswerkstatt der Bertholt-Brecht-Schule zum 16. Mai

Seit über 600 Jah­ren leben Sin­ti in Euro­pa und fast eben­so lan­ge gibt es Bil­der, die sie zei­gen – oder zei­gen könn­ten. Denn his­to­ri­sche Bild­wer­ke ins­be­son­de­re die Kunst sind kei­ne Spie­gel der Wirk­lich­keit, son­dern bre­chen und ver­zer­ren die Rea­li­tät oder pro­ji­zie­ren eige­ne Vor­stel­lun­gen von Angst und Fas­zi­na­ti­on gegen­über dem Frem­den. In drei Etap­pen schau­en wir auf die­se Ent­wick­lun­gen: auf Rei­sen­de und Hand­le­se­rin­nen in der Frü­hen Neu­zeit, eine dop­pel­te Bohè­me in der Moder­ne und die Pop­kul­tur und
Eman­zi­pa­ti­on von Sin­ti und Roma in der Gegenwart.

Für den 16. Mai orga­ni­siert die Geschichts­werk­statt der Bert­holt-Brecht-Schu­le zwei Veranstaltungen:

Lesung: „Die Schat­ten von Ausch­witz und die Wun­den mei­ner Eltern“

Um 17.00 fin­det am Mahn­mal für die aus Darm­stadt depor­tier­ten Sin­ti eine Lesung anläss­lich des 78. Jah­res­ta­ges des Auf­stan­des der Sin­ti und Roma in Ausch­witz-Bir­ken­au unter dem Titel „Die Schat­ten von Ausch­witz und die Wun­den mei­ner Eltern“ statt.

Schüler:innen der Ber­tolt-Brecht-Schu­le und Stu­den­tin­nen der TU-Darm­stadt lesen aus Zeit­zeu­gen­be­rich­ten Über­le­ben­der wie der Darm­städ­te­rin Alwi­ne Keck, berich­ten über Flucht und Wider­stand von Oscar und Vin­zenz Rose sowie den Auf­stand der Sin­ti und Roma in Auschwitz-Birkenau.

Vor­trag: Bil­der und Zerr­bil­der von Sin­ti und Roma in der Kunst (Peter Bell)

Um 19.00 fin­det ein Vor­trag unter dem The­ma: “Bil­der und Zerr­bil­der von Sin­ti und Roma in der Kunst” von Peter Bell im Neu­en Foy­er der Ber­tolt-Brecht-Schu­le Darm­stadt, Kra­nich­stei­ner Stra­ße 84 statt.

Seit über 600 Jah­ren leben Sin­ti in Euro­pa und fast eben­so lan­ge gibt es Bil­der, die sie zei­gen – oder zei­gen könn­ten. Denn his­to­ri­sche Bild­wer­ke ins­be­son­de­re die Kunst sind kei­ne Spie­gel der Wirk­lich­keit, son­dern bre­chen und ver­zer­ren die Rea­li­tät oder pro­ji­zie­ren eige­ne Vor­stel­lun­gen von Angst und Fas­zi­na­ti­on gegen­über dem Frem­den. In drei Etap­pen schau­en wir auf die­se Ent­wick­lun­gen: auf Rei­sen­de und Hand­le­se­rin­nen in der Frü­hen Neu­zeit, eine dop­pel­te Bohè­me in der Moder­ne und die Pop­kul­tur und
Eman­zi­pa­ti­on von Sin­ti und Roma in der Gegenwart.

Musi­ka­lisch beglei­tet wird die­ser durch das Streich­quar­tett der Vik­to­ria­schu­le Darm­stadt unter der Lei­tung von Chris­ti­na Troeger.

Die Ver­an­stal­tun­gen wer­den mit einem Gruß­wort von Rinal­do Strauß, Ver­band Deut­scher Sin­ti & Roma, Lan­des­ver­band Hes­sen, eröffnet.

Antiziganistischer Vorfall gegen geflüchtete ukrainische Roma

PRESSEMITTEILUNG DES HESSISCHEN LANDESVERBANDES DEUTSCHER SINTI UND ROMA

Am 08.04.2022, dem inter­na­tio­na­len Roma Tag, kam es zu einem anti­zi­ga­nis­ti­schen Vor­fall am Bahn­hof Kas­sel-Wil­helms­hö­he. In Hanau stieg eine Grup­pe von 34 geflüch­te­ten ukrai­ni­schen Roma in den ICE 370 von Basel Haupt­bahn­hof nach Ber­lin Ost­bahn­hof zu. Nach­dem die Grup­pe zuge­stie­gen war, gab es wäh­rend der Zug­fahrt eine Durch­sa­ge: „Auf­grund von gege­ben Anlass möch­ten wir Sie dar­um bit­ten Ihre Wert­sa­chen bei sich am Kör­per zu tra­gen.“ Wir gehen davon aus, dass die­ser „gege­be­ne Anlass“ die geflüch­te­ten Roma waren. Da dies eine Kri­mi­na­li­sie­rung ist wer­ten wir die­se Durch­sa­ge als anti­zi­ga­nis­ti­sche Dis­kri­mi­nie­rung. Aus bis­her nicht bekann­ten Grün­den spra­chen die Bahn­mit­ar­bei­ter der geflüch­te­ten Grup­pe ihren Flücht­lings­sta­tus ab und rie­fen die Bun­des­po­li­zei. Sie war­fen der Grup­pe „fah­ren ohne Fahr­schein“ und „aggres­si­ves Bet­teln“ vor, obwohl ukrai­ni­sche Geflüch­te­te kos­ten­los die Deut­sche Bahn benut­zen kön­nen. Am Bahn­hof „Kas­sel Wil­helms­hö­he“ zwan­gen Mit­ar­bei­ter des Sicher­heits­diens­tes der Deut­schen Bahn und der Bun­des­po­li­zis­ten die Grup­pe zum aus­stei­gen. Dabei soll ein Poli­zei­be­am­ter mehr­fach gesagt haben, sie wür­den jetzt „durch­ge­hen und aus­sor­tie­ren“. Bei der dar­auf fol­gen­den Durch­su­chung am Bahn­gleis waren die Bun­des­po­li­zis­ten bewaff­net und ein Poli­zist führ­te einen Schä­fer­hund mit.

Der Vor­sit­zen­de des hes­si­schen Lan­des­ver­ban­des Deut­scher Sin­ti und Roma Adam Strauß hat­te direkt nach dem Vor­fall die Bun­des­po­li­zei kon­tak­tiert und lücken­lo­se Auf­klä­rung gefor­dert. Er kom­men­tiert weiter:

Auch wenn dies nicht der ers­te anti­zi­ga­nis­ti­sche Vor­fall in Zusam­men­hang mit der Flucht­be­we­gung aus der Ukrai­ne ist, scho­ckiert mich ein sol­cher Vor­fall sehr. Unter den ukrai­ni­schen Geflüch­te­ten befin­den sich vie­le Roma. Dabei wird geflüch­te­ten Roma immer wie­der ihr Flücht­lings­sta­tus abge­spro­chen. Die Grup­pe wird kri­mi­na­li­siert und es wird geflüch­te­ten Roma unter­stellt, sich Leis­tun­gen erschlei­chen zu wol­len. Das sind anti­zi­ga­nis­ti­sche Vor­ur­tei­le, die auf­ge­klärt gehö­ren. Die­se Grup­pe der geflüch­te­ten Roma muss­ten in ihrem Land schon sehr viel Leid erfah­ren. Auf ihrer Flucht in ein siche­res Land wer­den sie nun zusätz­lich anti­zi­ga­nis­tisch dis­kri­mi­niert. Unter den ukrai­ni­schen Kriegs­ge­flüch­te­ten darf es nicht Geflüch­te­te ers­ter und zwei­ter Klas­se geben. Das ras­sis­ti­sche Vor­ge­hen der Bahn-Mit­ar­bei­ter und der Bun­des­po­li­zei muss auf­ge­klärt wer­den. Gra­de in einer sol­chen Situa­ti­on brau­chen alle Geflüch­te­ten Hil­fe und alle betei­lig­ten Per­so­nen und Insti­tu­tio­nen soll­ten sich mit anti­zi­ga­nis­ti­scher Dis­kri­mi­nie­rung auseinandersetzen.“

Der Lan­des­ver­band Deut­scher Sin­ti und Roma Hes­sen for­dert eine schnellst­mög­li­che Auf­klä­rung der Vor­fäl­le. Außer­dem for­dern wir von der Deut­schen Bahn, der DB-Sicher­heit und der Bun­des­po­li­zei, dass Mit­ar­bei­ten­de an Sen­si­bi­li­sie­rungs­maß­nah­men teil­neh­men. Aus die­sen Vor­fäl­len müs­sen struk­tu­rel­le Kon­se­quen­zen gezo­gen werden.