Hessisches Kultusministerium verpasst Chance — Hessischer Landesverband Deutscher Sinti und Roma kritisiert die Streichung einer Abordnungsstelle zu Antiziganismus – Antiziganismus offenbar tief im hessischen Schulwesen verankert
In der Landtagssitzung am 28.4.2026 verkündete Kultusminister Schwarz, dass eine Abordnungsstelle zu Antiziganismus und Geschichte der Sinti und Roma an der TU Darmstadt gestrichen wird. „Wir bedauern die Streichung der Stelle sehr“, sagte Fatima Stieb, Vorstandsmitglied des Hessischen Landesverband Deutscher Sinti und Roma, „wir haben uns lange für diese Stelle eingesetzt und haben eng mit der TU und der Lehrkraft, die diese Aufgabe übernommen hat, zusammengearbeitet. So konnte ein sehr gutes Lehrangebot für künftige Lehrkräfte entwickelt werden. Nun wird alles wieder gestrichen!“
Die Stelle bestand gerade einmal drei Semester und hätte das Potential, als Pilotprojekt mit Strahlkraft für andere Hochschulen und auch für andere Bundesländer zu wirken. Schließlich sieht eine gemeinsame Empfehlung des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma und der Kultusministerkonferenz von März 2025 zum Umgang mit Antiziganismus in der Schule u.a. vor, geeignete Formate in den verschiedenen Phasen der Lehrkräftebildung zu implementieren. „Hessen könnte hier eine Leuchtturmfunktion erfüllen und Vorbildcharakter im gemeinsamen Kampf gegen Antiziganismus haben, stattdessen scheint alles Engagement umsonst gewesen zu sein“, kritisiert der stellvertretende Geschäftsführer, Rinaldo Strauß.
Dass der Hessische Landesverband Deutscher Sinti und Roma über die Streichung nicht informiert wurden, sondern aus der Landtagsdebatte davon erfahren mussten, verbessert die Stimmung nicht. „Wir sind nun gespannt auf die angeblich breitenwirksameren Maßnahmen, die der Kultusminister im Landtag angekündigt hat, und auch darauf wie diese umgesetzt, finanziert und strukturell verankert werden. Wir stehen für einen Austausch jedenfalls bereit“, erklärte Rinaldo Strauß.
Dass der Minister in der Sitzung von nur einem Fall von Antiziganismus in den Jahren 2024 und 2025 spricht, verweist auf ein ganz anderes Problem und zeugt, anders als von ihm behauptet, von einem mangelnden Austausch mit der Selbstorganisation und der hessischen Melde- und Informationsstelle Antiziganismus (MIA). Dass Antiziganismus gerade auch im Bildungssystem und da insbesondere an Schulen in Hessen ein Problem ist, dokumentiert MIA Hessen seit 2023. Allein für das vom Minister erwähnte Jahr 2024 hat die Meldestelle 23 Fälle im Schulkontext dokumentiert. (Die Auswertung der Daten für das Jahr 2025 läuft noch.) „Wenn dem Minister der Kampf gegen Diskriminierung wirklich ein so großes Anliegen ist und er die Zahlen von MIA kennt, stellt sich uns die Frage, warum er sich nicht darum bemüht, die Widersprüche aufzuklären, denn sein Ministerium hat weder mit uns noch mit der Meldestelle den Austausch dazu gesucht. Zählen die Erfahrungen der Betroffenen für ihn nicht? Und warum wird Antiziganismus seitens der Schulen nicht gemeldet? Leider machen wir in unserer Arbeit immer wieder die Erfahrung, dass Antiziganismus nicht erkannt oder sogar geleugnet wird. Die Behauptung des Ministers, dass es so gut wie keinen Antiziganismus an Schulen gäbe, verweist nur auf den grundlegenden Handlungsbedarf auf allen Ebenen des Schulsystems. Auch vor diesem Hintergrund ist die Streichung der Stelle an der TU ein Schritt in die falsche Richtung“, kritisiert Rinaldo Strauß.