Jetzt Bewerben: #OurHistory! Sinti und Roma recherchieren (Familien-)Geschichte

Jetzt Bewerben: #OurHistory! Sinti und Roma recherchieren (Familien-)Geschichte

Was haben deine Großel­tern oder Urgroßel­tern erlebt? Welche Spuren hat die Ver­gan­gen­heit in dein­er Fam­i­lie hin­ter­lassen?

Es ist an der Zeit, diese Geschicht­en – unsere Geschichte – zu erzählen.  Gemein­sam gehen wir auf Spuren­suche. Wir sprechen mit Zeit- und Zweitzeug:innen, gehen zusam­men in Archive und brin­gen pri­vate Schätze wie alte Fotos, Doku­mente oder Erin­nerun­gen zum Sprechen.

Das Beste: Zusam­men entwick­eln wir eine mod­erne, mobile und hybride Ausstel­lung. Und DU entschei­dest gemein­sam mit dein­er Fam­i­lie, wie eure Geschichte gezeigt wird!

Was dich erwartet:
- Ein starkes Team auf Augen­höhe
- Infos zu his­torischen The­men
- Kreative Meth­o­d­en (kein trock­enes Schul­wis­sen!)
- Wir lassen dich mit schw­eren The­men nicht allein
- Nach­fahrenge­spräche, bei denen deine Stimme gehört wird

Erzähl deine Fam­i­liengeschichte! Werde Teil von #OUR HISTORY!

Bewirb Dich bis spätestens 30.10.26!
Schreib uns ein­fach E‑Mail unter f.stieb@sinti-roma-hessen.de für mehr Infos!

Das Pro­jekt wird aus Mit­teln des Bun­desmin­is­teri­ums der Finanzen (BMF) gefördert und
im Rah­men des Förder­pro­gramms Bil­dungsagen­da NS — Unrecht von der Stiftung
Erin­nerung, Ver­ant­wor­tung und Zukun­ft (EVZ) umge­set­zt.

Veranstaltungsreihe zum 2. August in Darmstadt

Anlässlich des Gedenk­tages am 2. August für die im Nation­al­sozial­is­mus ermorde­ten Sin­ti und Roma fand in Darm­stadt eine vielfältige Ver­anstal­tungsrei­he statt. Ziel war es, die Erin­nerung an die Opfer wachzuhal­ten, über die Geschichte und Ver­fol­gung der Sin­ti und Roma zu informieren und zugle­ich auf die Bedeu­tung der Bürg­er­recht­sar­beit sowie den weit­er­hin notwendi­gen Kampf gegen Antizigan­is­mus aufmerk­sam zu machen.

Den Auf­takt bildete die Gedenkver­anstal­tung am Mah­n­mal in der Bach­gasse in Darm­stadt. Im Mit­telpunkt standen die Erin­nerung an die rund 4.300 Sin­ti und Roma, die in der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944 in Auschwitz-Birke­nau ermordet wur­den, sowie ein gemein­sames Zeichen gegen das Vergessen. Gruß- und Rede­beiträge aus Poli­tik, Stadt und Zivilge­sellschaft sowie die musikalis­che Begleitung durch das Sun­ny Franz Duo gestal­teten die Gedenkstunde. Mehr als 70 Men­schen nah­men daran teil.

Ergänzend wurde im Jus­tus-Liebig-Haus die Ausstel­lung „Der Weg der Sin­ti und Roma“ gezeigt. Führun­gen boten Besucherin­nen und Besuch­ern die Möglichkeit, sich ver­tieft mit der Geschichte und den Lebenswe­gen der Sin­ti und Roma auseinan­derzuset­zen. Die Ausstel­lung war vom 2. bis zum 16. August öffentlich zugänglich.

Ein beson­der­er Schw­er­punkt der Rei­he lag auf per­sön­lichen Erin­nerun­gen. Bei ein­er Lesung aus dem Buch „Flucht – Internierung – Depor­ta­tion – Ver­nich­tung“ wur­den die Lebens- und Lei­dens­geschicht­en von Ange­höri­gen der Vor­lesenden vorgestellt. Die per­sön­lichen Bezüge macht­en die Fol­gen der nation­al­sozial­is­tis­chen Ver­fol­gung ein­drück­lich erfahrbar und verdeut­licht­en die Bedeu­tung der Weit­er­gabe von Erin­nerun­gen an nach­fol­gende Gen­er­a­tio­nen.

Der 11. August stand im Zeichen des Aus­tauschs mit Poli­tik und Ver­wal­tung. Ober­bürg­er­meis­ter Han­no Benz, Vertreterin­nen und Vertreter der Stadtver­wal­tung sowie der Kul­tur­auss­chuss der Wis­senschaftsstadt Darm­stadt besucht­en die Ausstel­lung und informierten sich über die Arbeit des Lan­desver­ban­des. Im anschließen­den Aus­tausch wur­den unter anderem Fra­gen der Erin­nerungsar­beit, Bil­dung und der gesellschaftlichen Sit­u­a­tion der Sin­ti und Roma the­ma­tisiert.

Den Abschluss der Ver­anstal­tungsrei­he bildete die Vor­führung des Films „Kampf um Anerken­nung – Vier Jahrzehnte Bürg­er­recht­sar­beit des Ver­bands Deutsch­er Sin­ti und Roma, Lan­desver­band Hessen“.Der Film gab Ein­blicke in die poli­tis­che Organ­isierung und Bürg­er­recht­sar­beit der Sin­ti und Roma seit 1979. In der anschließen­den Podi­ums­diskus­sion wurde gemein­sam über Erin­nerung, Anerken­nung und den anhal­tenden Kampf gegen Antizigan­is­mus disku­tiert. Den Abschluss bildete ein offen­er Aus­tausch mit dem Pub­likum.

Ins­ge­samt erre­ichte die Ver­anstal­tungsrei­he rund 150 Besucherin­nen und Besuch­er vor Ort. Auch über die Ver­anstal­tun­gen hin­aus wur­den die Inhalte über die Social-Media-Kanäle des Lan­desver­ban­des ein­er bre­it­eren Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Auf Insta­gram, Face­book und Tik­Tok wur­den ins­ge­samt 28 Beiträge veröf­fentlicht, die zusam­men mehr als 35.000 Aufrufe und über 1.100 Likes erziel­ten.

Die Ver­anstal­tungsrei­he hat damit Räume für Erin­nerung, Begeg­nung und Aus­tausch geschaf­fen. Sie machte deut­lich, dass eine lebendi­ge Erin­nerungskul­tur, die Bürg­er­recht­sar­beit und ein kon­se­quentes Engage­ment gegen Antizigan­is­mus auch heute von großer Bedeu­tung sind.

„Gedenken ist Widerstand: gegen das Vergessen und gegen die Vorstellung, Geschichte könne sich nicht wiederholen.“

Am 20. Sep­tem­ber haben wir gemein­sam mit der Jüdis­chen Gemeinde Darm­stadt, Vertretern der Wis­senschaftsstadt Darm­stadt und dem Denkze­ichen Güter­bahn­hof der Men­schen gedacht, die 1942/1943 vom Güter­bahn­hof Darm­stadt in die Ver­nich­tungslager deportiert wur­den.

Für Maria Strauß, langjähriges Mit­glied des Hes­sis­chen Lan­desver­ban­des Deutsch­er Sin­ti und Roma, ist dieses Gedenken untrennbar mit unser­er Gegen­wart ver­bun­den. Angesichts des erschreck­enden Erstarkens recht­sex­tremer Kräfte in Deutsch­land – wie jüngst bei den Land­tagswahlen in Sach­sen-Anhalt – geht die Sorge um die eigene Sicher­heit im All­t­ag wieder um.

Erin­nern verpflichtet uns zum Han­deln. Denn Antizigan­is­mus, Anti­semitismus und Ras­sis­mus sind keine abstrak­te Gefahr für die Zukun­ft, sie sind gesellschaftliche Nor­mal­ität. Erin­nerung bedeutet, dieser Nor­mal­isierung heute ent­ge­gen­zutreten.

„Demokratie ist keine Selb­stver­ständlichkeit. Sie lebt davon, dass wir Hal­tung zeigen, wider­sprechen, wenn Men­schen abgew­ertet wer­den, und Ver­ant­wor­tung übernehmen. Antizigan­is­mus, Anti­semitismus und Ras­sis­mus sind keine Mei­n­un­gen. Sie sind Angriffe auf die Würde des Men­schen.“

Pressemitteilung des Verbands Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Hessen anlässlich des Widerstands von Sinti und Roma am 16. Mai 1944 in Auschwitz-Birkenau

Der Ver­band Deutsch­er Sin­ti und Roma, Lan­desver­band Hes­sen, erin­nert an den Wider­stand von Sin­ti und Roma im Ver­nich­tungslager Auschwitz-Birke­nau am 16. Mai 1944. Der gesamte Lager­ab­schnitt B II e, in dem Sin­ti und Roma inhaftiert waren, sollte an diesem Tag aufgelöst und tausende Men­schen ermordet wer­den.


Als die SS am 16. Mai 1944 plante, die im soge­nan­nten „Zige­uner­lager“ inhaftierten Sin­ti und Roma in die Gaskam­mern zu treiben, organ­isierten die Häftlinge Wider­stand. Nach ein­er War­nung bewaffneten sie sich mit Steinen und Werkzeu­gen. Sie ver­bar­rikadierten sich in den Barack­en und weigerten sich, diese zu ver­lassen. Die SS brach die Aktion schließlich ab und die dro­hende Ver­nich­tung kon­nte zunächst ver­hin­dert wer­den. „Der Wider­stand der Sin­ti und Roma war ein Akt der Selb­st­be­haup­tung und des Mutes. Obwohl die Men­schen wussten, dass sie der Gewalt der SS kaum etwas ent­ge­genset­zen kon­nten, organ­isierten sie gemein­sam Gegen­wehr. Dieses his­torische Zeichen des Wider­stands ver­di­ent einen fes­ten Platz in der europäis­chen Erin­nerungskul­tur“, sagt Adam Strauß, Vor­stand des Lan­desver­bands.


Nach dem gescheit­erten Ver­nich­tungsver­such ließ die Lager­leitung zwis­chen 2.000 und 3.000 als arbeits­fähig eingestufte Häftlinge in andere Konzen­tra­tionslager deportieren. Die etwa 4.300 zurück­ge­bliebe­nen Men­schen – vor allem Ältere, Frauen und Kinder – wur­den schließlich in der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944 bei der soge­nan­nten „Liq­ui­dierung“ des Lagers von der SS ermordet. Der 2. August erin­nert heute inter­na­tion­al an die Opfer des Holo­caust an den europäis­chen Sin­ti und Roma.


Auch der 16. Mai 1944 ist ein bedeu­ten­des Datum für europäis­che Sin­ti und Roma und wurde zum Sym­bol des Wider­stands gegen den Nation­al­sozial­is­mus. „Der Tag erin­nert daran, dass Sin­ti und Roma nicht nur Opfer des nation­al­sozial­is­tis­chen Ter­rors waren, son­dern auch Wider­stand geleis­tet haben. Ger­ade heute ist es wichtig, diese Geschicht­en sicht­bar zu machen und an den Mut der Men­schen zu erin­nern, die sich trotz aus­sicht­slos­er Bedin­gun­gen gegen ihre Ver­nich­tung gewehrt haben“, sagt Fati­ma Stieb, Vor­standsmit­glied im Ver­band.


Der Holo­caust an den Sin­ti und Roma wurde in Deutsch­land jahrzehn­te­lang ver­drängt. Erst im Jahr 1982 erkan­nte der dama­lige Bun­deskan­zler Hel­mut Schmidt diesen Völk­er­mord offiziell an.

Pressemitteilung: Streichung der Abordnungsstelle gegen Antiziganismus


Hes­sis­ches Kul­tus­min­is­teri­um ver­passt Chance — Hes­sis­ch­er Lan­desver­band Deutsch­er Sin­ti und Roma kri­tisiert die Stre­ichung ein­er Abor­d­nungsstelle zu Antizigan­is­mus – Antizigan­is­mus offen­bar tief im hes­sis­chen Schul­we­sen ver­ankert


In der Land­tagssitzung am 28.4.2026 verkün­dete Kul­tus­min­is­ter Schwarz, dass eine Abor­d­nungsstelle zu Antizigan­is­mus und Geschichte der Sin­ti und Roma an der TU Darm­stadt gestrichen wird. „Wir bedauern die Stre­ichung der Stelle sehr“, sagte Fati­ma Stieb, Vor­standsmit­glied des Hes­sis­chen Lan­desver­band Deutsch­er Sin­ti und Roma, „wir haben uns lange für diese Stelle einge­set­zt und haben eng mit der TU und der Lehrkraft, die diese Auf­gabe über­nom­men hat, zusam­mengear­beit­et. So kon­nte ein sehr gutes Lehrange­bot für kün­ftige Lehrkräfte entwick­elt wer­den. Nun wird alles wieder gestrichen!“

Die Stelle bestand ger­ade ein­mal drei Semes­ter und hätte das Poten­tial, als Pilot­pro­jekt mit Strahlkraft für andere Hochschulen und auch für andere Bun­deslän­der zu wirken. Schließlich sieht eine gemein­same Empfehlung des Zen­tral­rats Deutsch­er Sin­ti und Roma und der Kul­tus­min­is­terkon­ferenz von März 2025 zum Umgang mit Antizigan­is­mus in der Schule u.a. vor, geeignete For­mate in den ver­schiede­nen Phasen der Lehrkräfte­bil­dung zu imple­men­tieren. „Hes­sen kön­nte hier eine Leucht­turm­funk­tion erfüllen und Vor­bild­charak­ter im gemein­samen Kampf gegen Antizigan­is­mus haben, stattdessen scheint alles Engage­ment umson­st gewe­sen zu sein“, kri­tisiert der stel­lvertre­tende Geschäfts­führer, Rinal­do Strauß.

Dass der Hes­sis­che Lan­desver­band Deutsch­er Sin­ti und Roma über die Stre­ichung nicht informiert wur­den, son­dern aus der Land­tags­de­bat­te davon erfahren mussten, verbessert die Stim­mung nicht. „Wir sind nun ges­pan­nt auf die ange­blich bre­it­en­wirk­sameren Maß­nah­men, die der Kul­tus­min­is­ter im Land­tag angekündigt hat, und auch darauf wie diese umge­set­zt, finanziert und struk­turell ver­ankert wer­den. Wir ste­hen für einen Aus­tausch jeden­falls bere­it“, erk­lärte Rinal­do Strauß.

Dass der Min­is­ter in der Sitzung von nur einem Fall von Antizigan­is­mus in den Jahren 2024 und 2025 spricht, ver­weist auf ein ganz anderes Prob­lem und zeugt, anders als von ihm behauptet, von einem man­gel­nden Aus­tausch mit der Selb­stor­gan­i­sa­tion und der hes­sis­chen Melde- und Infor­ma­tion­sstelle Antizigan­is­mus (MIA). Dass Antizigan­is­mus ger­ade auch im Bil­dungssys­tem und da ins­beson­dere an Schulen in Hes­sen ein Prob­lem ist, doku­men­tiert MIA Hes­sen seit 2023. Allein für das vom Min­is­ter erwäh­nte Jahr 2024 hat die Meldestelle 23 Fälle im Schulkon­text doku­men­tiert. (Die Auswer­tung der Dat­en für das Jahr 2025 läuft noch.) „Wenn dem Min­is­ter der Kampf gegen Diskri­m­inierung wirk­lich ein so großes Anliegen ist und er die Zahlen von MIA ken­nt, stellt sich uns die Frage, warum er sich nicht darum bemüht, die Wider­sprüche aufzuk­lären, denn sein Min­is­teri­um hat wed­er mit uns noch mit der Meldestelle den Aus­tausch dazu gesucht. Zählen die Erfahrun­gen der Betrof­fe­nen für ihn nicht? Und warum wird Antizigan­is­mus seit­ens der Schulen nicht gemeldet? Lei­der machen wir in unser­er Arbeit immer wieder die Erfahrung, dass Antizigan­is­mus nicht erkan­nt oder sog­ar geleugnet wird. Die Behaup­tung des Min­is­ters, dass es so gut wie keinen Antizigan­is­mus an Schulen gäbe, ver­weist nur auf den grundle­gen­den Hand­lungs­be­darf auf allen Ebe­nen des Schul­sys­tems. Auch vor diesem Hin­ter­grund ist die Stre­ichung der Stelle an der TU ein Schritt in die falsche Rich­tung“, kri­tisiert Rinal­do Strauß.

Gedenkveranstaltungen zur Märzdeportation in Hessen

Im März dieses Jahres wur­den in sieben hes­sis­chen Städten Gedenkver­anstal­tun­gen anlässlich der Märzde­por­ta­tio­nen abge­hal­ten. Die Ver­anstal­tun­gen wur­den in Wies­baden, Darm­stadt, Gießen, Mar­burg, Ful­da, Bad Hers­feld und Hanau durchge­führt. Ins­ge­samt nah­men an allen Ver­anstal­tun­gen über 320 Per­so­n­en teil.

Im März 1943 ord­nete Hein­rich Himm­ler die Depor­ta­tion aller im Deutschen Reich verbliebe­nen Sin­ti und Roma, nach Auschwitz-Birke­nau, an. Nur etwa 20 bis 30 Prozent der Deportierten über­lebten diesen grausamen Akt – für die meis­ten bedeutete die Depor­ta­tion den Tod. Die weni­gen Über­leben­den kehrten häu­fig zurück in ihre Heima­torte und Gemein­den. Ins­ge­samt fie­len dem Völk­er­mord etwa 500.000 Sin­ti und Roma zum Opfer.

Die Gedenkver­anstal­tun­gen wur­den gemein­sam mit den beteiligten Städten organ­isiert und dien­ten dazu, den Opfern zu gedenken und das Bewusst­sein für dieses dun­kle Kapi­tel der Geschichte wachzuhal­ten. Mit diesen Erin­nerun­gen set­zen wir ein wichtiges Zeichen gegen das Vergessen und für die Achtung der Men­schen­würde.

Darm­stadt
Gießen
Ful­da
Wies­baden
Bad Hers­feld
Mar­burg
Hanau

Gedenkveranstaltungen anlässlich des 27. Januars — Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus

Am 27. Jan­u­ar 1945, vor 81 Jahren, erre­icht­en sow­jetis­che Trup­pen das Konzen­tra­tions- und Ver­nich­tungslager Auschwitz im von Nazi-Deutsch­land beset­zten Polen und befre­it­en die über­leben­den Gefan­genen. Seit 1996 ist dieser Tag in der Bun­desre­pub­lik der Gedenk­tag an die Opfer des Nation­al­sozial­is­mus. Anlässlich dieses zen­tralen Gedenk­tags war der Lan­desver­band auf zahlre­ichen Gedenkver­anstal­tun­gen in Hes­sen vertreten.

Auf der Gedenkver­anstal­tung der Stadt Darm­stadt sprach Ober­bürg­er­meis­ter Han­no Benz und erin­nerte an die Shoah, die Opfer des Völk­er­mords an Sin­ti und Roma sowie an andere Ver­fol­gte des NS-Regimes. Er machte in sein­er Rede aber auch deut­lich, dass es bei Erin­nerung heute nicht nur darum gehen kann, den Hass und die Men­schen­feindlichkeit der Ver­gan­gen­heit anzuge­hen, son­dern dass es auch darum gehen muss, sich ihm heute und im All­t­ag zu wider­set­zen. Das demokratis­che Fun­da­ment bekäme da Risse, wo Anti­semitismus, Antizigan­is­mus, Queer­feindlichkeit und andere For­men der Men­schen­ver­ach­tung Aus­druck fän­den und ihnen nichts ent­ge­genge­set­zt werde.

Im Rah­men der Ver­anstal­tung stell­ten Schüler*innen der Mar­tin Behaim-Schule ihr Pro­jekt zu Stolper­steinen vor. Die Schüler*innen der Darm­städter Beruf­ss­chule hat­ten über ein Jahr zu Stolper­steinen recher­chiert und fast 80 Pod­casts erstellt, von deinen zwei auf der Ver­anstal­tung vorgestellt wur­den. Die Pod­casts sind online abruf­bar: https://www.behaimschule.org/stolpersteine-podcasts/

Der Lan­desver­band wurde vertreten durch Giu­liano Bam­berg­er, Urenkel der Auschwitzüber­leben­den Alwine Keck, der von sein­er Tochter begleit­et wurde, und durch Dr. Katha­ri­na Rhein, Mitar­bei­t­erin des Ver­bands.

Am 27. Jan­u­ar 2026 nahm Fati­ma Stieb, Vor­stand­mit­glied des Ver­bands Deutsch­er Sin­ti und Roma Lan­desver­band Hes­sen, an der Gedenkver­anstal­tung für die Opfer des Nation­al­sozial­is­mus in der Paulskirche in Frank­furt teil. 

Stadträtin Dr. Ina Hartwig, Dez­er­nentin für Kul­tur und Wis­senschaft, hielt eine bewe­gende Rede, in der sie an die ver­schiede­nen Opfer­grup­pen erin­nerte, die unter dem Nation­al­sozial­is­mus gelit­ten haben, ins­beson­dere an die 500.000 Sin­ti und Roma, die ermordet wur­den. Einen Fachvor­trag mit dem Titel “Geschichte, die bleibt” hielt Silas Kropf, Vor­sitzen­der der MIA-Stelle und Mit­glied der ehe­ma­li­gen Koor­dinierungsstelle “Unab­hängige Kom­mis­sion Antizigan­is­mus”. In seinem Vor­trag ging er aus­führlich auf die Ver­fol­gung der Sin­ti und Roma sowie auf das Unrecht ein, das nach der Befreiung stat­tfand. Silas Kropf betonte: „Das Unrecht ver­schwand nicht, es änderte nur seine Gestalt.“ Musikalisch wurde die Ver­anstal­tung von der Roma- und Sin­ti-Phil­har­monie umrahmt. 

Neben der Gedenkver­anstal­tung wurde außer­dem feier­lich eine Gedenkplakette zur Erster­wäh­nung der Sin­ti in Frank­furt am Stadthaus enthüllt. Diese bedeu­tende Ini­tia­tive wurde in gemein­samer Koop­er­a­tion mit der Stadt Frank­furt, der Bürg­er­meis­terin Eskan­dari-Grün­berg, dem Zen­tral­rat Deutsch­er Sin­ti und Roma, dem Fördervere­in Roma Frank­furt e.V., dem Ortsvor­stand sowie unserem Hes­sis­chen Lan­desver­band Deutsch­er Sin­ti und Roma real­isiert. Neben Bürg­er­meis­terin Nargess Eskan­dari-Grün­berg sprach auch Romani Rose vom Zen­tral­rat Deutsch­er Sin­ti und Roma, Ortsvorste­her Herr Weber, Joachim Bren­ner vom Fördervere­in Roma Frank­furt e.V. sowie Fati­ma Stieb, Vor­stand­mit­glied des Hes­sis­chen Lan­desver­bands Deutsch­er Sin­ti und Roma.


In ihrer Rede the­ma­tisierte Fati­ma Stieb die Bedeu­tung der Erster­wäh­nung der Sin­ti in Frank­furt. Bere­its im Mit­te­lal­ter fan­den in Frank­furt zwei große Messen – im Früh­ling und im Herb­st – statt, die nicht nur Han­del­splätze, son­dern auch Orte der Begeg­nung und des Staunens waren. Diese Messen legten den Grund­stein für die heutige Dippemess, die bis in die Nachkriegszeit rund um den Römer in der Frank­furter Alt­stadt stat­tfand. In diesem Zusam­men­hang tauchen die Sin­ti erst­mals in den Frank­furter Quellen auf, was Frank­furt zu ein­er der ersten Städte macht, in denen sie urkundlich erwäh­nt wur­den – kurz nach Hildesheim im Jahr 1407.

Chroniken aus dem Jahr 1434 bericht­en von einem respek­tvollen Umgang mit den Sin­ti, die in der Stadt willkom­men geheißen wur­den. Die Gedenk­tafel sym­bol­isiert, dass Sin­ti und Roma stets Teil dieser Stadt und dieses Lan­des waren und sind: „Wir waren hier. Wir sind hier. Wir sind ein Teil dieses, unseres Lan­des.“

Auch im Hes­sis­chen Land­tag in Wies­baden haben am Mit­tag ca. 200 Vertreter*innen aus Poli­tik und Gesellschaft an die Opfer des Nation­al­sozial­is­mus gedacht. Es sprachen Min­is­ter­präsi­dent Boris Rhein und die Präsi­dentin des Hes­sis­chen Land­tags Astrid Wall­mann. Bei­de beton­ten, dass es darum gehe, heute Ver­ant­wor­tung zu zeigen. Min­is­ter­präsi­dent Boris Rhein the­ma­tisierte in sein­er Rede auch den nation­al­sozial­is­tis­chen Völk­er­mord an Sin­ti und Roma und sprach sich unter anderem deut­lich gegen Antizigan­is­mus aus. Die Gedenkrede hielt Prof. Dr. Emile Schri­jver, Direk­tor des Holo­caust­mu­se­ums Ams­ter­dam.

Im AStA-Café 128 qm der TU Darm­stadt fand am Abend eine Gedenkver­anstal­tung im Rah­men des Pro­jek­ts „Bet­ter Togeth­er!“ statt, an dem der Lan­desver­band als Koop­er­a­tionspart­ner mitwirkt. Das Podi­ums­ge­spräch unter dem Titel „Zur Bedeu­tung des Gedenkens an Auschwitz in der Gegen­wart“ beleuchtete Erin­nerungskul­tur, Ver­ant­wor­tung und aktuelle Her­aus­forderun­gen des Gedenkens aus ver­schiede­nen Per­spek­tiv­en.

Im Mit­telpunkt standen vier Beiträge, die das The­ma Gedenken aus his­torisch­er, poli­tis­ch­er und bil­dungs­be­zo­gen­er Sicht beleuchteten. Kir­il Denisov von der Bil­dungsstätte Anne Frank wid­mete sich in seinem Vor­trag dem Gedenken im dig­i­tal­en Zeital­ter. David Gießer vom Ver­band Jüdis­ch­er Studieren­der Hes­sen sprach über Gedenken an Hochschulen. Über Wider­stand und Gedenken sprach Mir­jam Hey­dorn, Tochter zweier Widerstandskämpfer*innen gegen das NS-Regime. Vom Ver­band Deutsch­er Sin­ti und Roma sprach Rinal­do Strauß und the­ma­tisierte in seinem Vor­trag Gedenken und die zweite Ver­fol­gung.

Die Ver­anstal­tung machte ins­ge­samt deut­lich, dass Gedenken kein abgeschlossen­er Prozess ist, son­dern eine dauer­hafte gesellschaftliche Auf­gabe. Erin­nerung bedeutet, Ver­ant­wor­tung zu übernehmen – für die Sicht­barkeit aller Opfer­grup­pen und für ein entsch­iedenes Ein­treten gegen Anti­semitismus, Antizigan­is­mus und jede Form von Men­schen­feindlichkeit.

Dr. Z. Ece Kaya vom Prax­is­la­bor der TU Darm­stadt und Nathalie Schüler, Mitar­bei­t­erin des Lan­desver­bands Deutsch­er Sin­ti und Roma, mod­erierten die Ver­anstal­tung.

Pressemitteilung zum 27. Januar –

Tag des Gedenkens an die Opfer des Nation­al­sozial­is­mus

Der 27. Jan­u­ar markiert einen der zen­tralen Erin­nerungstage in der deutschen Geschichte. Am 27. Jan­u­ar 1945 erre­icht­en sow­jetis­che Trup­pen das Konzen­tra­tions- und Ver­nich­tungslager Auschwitz im von Nazi-Deutsch­land beset­zten Polen und befre­it­en die über­leben­den Gefan­genen. 81 Jahre später ste­ht Auschwitz weit­er­hin für den indus­triell organ­isierten Massen­mord an Mil­lio­nen Men­schen, ins­beson­dere an Jüdin­nen und Juden, Sin­ti und Roma und viele weit­ere Grup­pen, die vom nation­al­sozial­is­tis­chen Regime ver­fol­gt und ermordet wur­den. Der Ver­band Deutsch­er Sin­ti und Roma — Lan­desver­band Hes­sen, nimmt diesen Tag zum Anlass, aller Opfer des Nation­al­sozial­is­mus zu gedenken und auch all jen­er Men­schen zu erin­nern, die sich dem Naziregime wider­set­zten.

Inner­halb des Lagerkom­plex­es Auschwitz-Birke­nau existierte zwis­chen 1943 und 1944 ein eigen­er Lager­ab­schnitt, Auschwitz Birke­nau B II e, für Sin­ti und Roma. Von den rund 23.000 dor­thin deportierten Men­schen über­lebten nur wenige. Hunger, Krankheit­en, Gewalt, medi­zinis­che Exper­i­mente und die Gaskam­mern kosteten den meis­ten von ihnen das Leben. Ins­ge­samt wur­den etwa 500.000 Sin­ti und Roma Opfer des sys­tem­a­tisch geplanten Völk­er­mords der Nation­al­sozial­is­ten.

Doch der nation­al­sozial­is­tis­che Völk­er­mord an den Sin­ti und Roma war kein isoliertes his­torisches Ereig­nis, son­dern Aus­druck eines tief ver­wurzel­ten Antizigan­is­mus, der bere­its Jahrhun­derte vorher bestand und dessen Kon­ti­nu­itäten bis in die Gegen­wart reichen. „Diskri­m­inierende Denkmuster, struk­turelle Aus­gren­zung und gesellschaftliche Abw­er­tung prä­gen bis heute den All­t­ag viel­er Sin­ti und Roma. Vor dem Hin­ter­grund, dass rechte Parteien in ganz Europa immer stärk­er wer­den, gewin­nt das Gedenken am 27. Jan­u­ar daher eine beson­dere poli­tis­che Bedeu­tung: Erin­nerung verpflichtet zum entschlosse­nen Ein­treten gegen Antizigan­is­mus, Anti­semitismus, Ras­sis­mus und jede Form von Geschicht­srel­a­tivierung, damals wie heute“, erk­lärt Fati­ma Stieb, Vor­stand des Ver­bands Deutsch­er Sin­ti und Roma — Lan­desver­band Hes­sen

Für den ersten Vor­sitzen­den des Lan­desver­bands, Adam Strauß, ist Auschwitz nicht nur ein his­torisch­er Bezugspunkt, son­dern Teil der eige­nen Biografie: „In mein­er Fam­i­lie sind die Spuren dieses Ver­brechens bis heute spür­bar. Zahlre­iche Ange­hörige wur­den von den Nazis entrechtet, deportiert und ermordet – darunter auch meine Groß­mut­ter sowie weit­ere enge Ver­wandte. Doch noch immer wer­den die Ver­brechen des Nation­al­sozial­is­mus ver­harm­lost, geleugnet oder poli­tisch miss­braucht. Erin­nerung ist kein Rit­u­al, son­dern eine Verpflich­tung gegenüber den Ermorde­ten sowie kün­ftiger Gen­er­a­tio­nen, die in Frieden und Frei­heit leben wollen.“

Film- und Informationsabend gegen Antiziganismus: Gegen den Strom und für das Leben

Am Fre­itag, den 12. Sep­tem­ber 2025, lädt das Eber­städter Bünd­nis gegen Antizigan­is­mus zu einem Film- und Infor­ma­tion­s­abend ein. Gezeigt wird die Doku­men­ta­tion „Wes­ley schwimmt“, gefol­gt von einem Gespräch mit dem Pro­tag­o­nis­ten Wes­ley Höl­len­rein­er, sein­er Mut­ter Lau­ra Höl­len­rein­er und dem Regis­seur Adri­an Oeser. Musikalisch begleit­et wird der Abend vom June Heilig Ensem­ble.

Im Mit­telpunkt des Films ste­ht der 14-jährige Wes­ley Höl­len­rein­er, ein junger Sin­to, der gemein­sam mit sein­er Mut­ter im Som­mer 2024 die Gedenkstätte Auschwitz-Birke­nau besucht. Es ist jen­er Ort, an dem sein Urgroß­vater Hugo Höl­len­rein­er als Kind gemein­sam mit sein­er Fam­i­lie im Konzen­tra­tions- und Ver­nich­tungslager inhaftiert war. Er über­lebte. Wes­ley beg­ibt sich auf eine per­sön­liche Spuren­suche, um die Geschichte sein­er Fam­i­lie zu ver­ste­hen und den Auf­trag seines Uropas weit­erzu­tra­gen: sich für Erin­nerung und gegen das Vergessen einzuset­zen.

Filmemach­er Adri­an Oeser hat Wes­ley und Lau­ra bei dieser Reise mit der Kam­era begleit­et. Ent­standen ist die ein­drucksvolle Doku­men­ta­tion „Wes­ley schwimmt“ – ein Film über Erin­nerung, Ver­ant­wor­tung und die Kraft der näch­sten Gen­er­a­tion.

Datum: Fre­itag, 12. Sep­tem­ber 2025

Ort: Ernst-Lud­wig-Saal, Schwa­nen­straße 42, 64297 Darm­stadt

Beginn: 19 Uhr

Ein­tritt: frei