Am 27. Januar 1945, vor 81 Jahren, erreichten sowjetische Truppen das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz im von Nazi-Deutschland besetzten Polen und befreiten die überlebenden Gefangenen. Seit 1996 ist dieser Tag in der Bundesrepublik der Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus. Anlässlich dieses zentralen Gedenktags war der Landesverband auf zahlreichen Gedenkveranstaltungen in Hessen vertreten.
Darmstadt
Auf der Gedenkveranstaltung der Stadt Darmstadt sprach Oberbürgermeister Hanno Benz und erinnerte an die Shoah, die Opfer des Völkermords an Sinti und Roma sowie an andere Verfolgte des NS-Regimes. Er machte in seiner Rede aber auch deutlich, dass es bei Erinnerung heute nicht nur darum gehen kann, den Hass und die Menschenfeindlichkeit der Vergangenheit anzugehen, sondern dass es auch darum gehen muss, sich ihm heute und im Alltag zu widersetzen. Das demokratische Fundament bekäme da Risse, wo Antisemitismus, Antiziganismus, Queerfeindlichkeit und andere Formen der Menschenverachtung Ausdruck fänden und ihnen nichts entgegengesetzt werde.


Im Rahmen der Veranstaltung stellten Schüler*innen der Martin Behaim-Schule ihr Projekt zu Stolpersteinen vor. Die Schüler*innen der Darmstädter Berufsschule hatten über ein Jahr zu Stolpersteinen recherchiert und fast 80 Podcasts erstellt, von deinen zwei auf der Veranstaltung vorgestellt wurden. Die Podcasts sind online abrufbar: https://www.behaimschule.org/stolpersteine-podcasts/
Der Landesverband wurde vertreten durch Giuliano Bamberger, Urenkel der Auschwitzüberlebenden Alwine Keck, der von seiner Tochter begleitet wurde, und durch Dr. Katharina Rhein, Mitarbeiterin des Verbands.
Frankfurt
Am 27. Januar 2026 nahm Fatima Stieb, Vorstandmitglied des Verbands Deutscher Sinti und Roma Landesverband Hessen, an der Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus in der Paulskirche in Frankfurt teil.
Stadträtin Dr. Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft, hielt eine bewegende Rede, in der sie an die verschiedenen Opfergruppen erinnerte, die unter dem Nationalsozialismus gelitten haben, insbesondere an die 500.000 Sinti und Roma, die ermordet wurden. Einen Fachvortrag mit dem Titel “Geschichte, die bleibt” hielt Silas Kropf, Vorsitzender der MIA-Stelle und Mitglied der ehemaligen Koordinierungsstelle “Unabhängige Kommission Antiziganismus”. In seinem Vortrag ging er ausführlich auf die Verfolgung der Sinti und Roma sowie auf das Unrecht ein, das nach der Befreiung stattfand. Silas Kropf betonte: „Das Unrecht verschwand nicht, es änderte nur seine Gestalt.“ Musikalisch wurde die Veranstaltung von der Roma- und Sinti-Philharmonie umrahmt.



Neben der Gedenkveranstaltung wurde außerdem feierlich eine Gedenkplakette zur Ersterwähnung der Sinti in Frankfurt am Stadthaus enthüllt. Diese bedeutende Initiative wurde in gemeinsamer Kooperation mit der Stadt Frankfurt, der Bürgermeisterin Eskandari-Grünberg, dem Zentralrat Deutscher Sinti und Roma, dem Förderverein Roma Frankfurt e.V., dem Ortsvorstand sowie unserem Hessischen Landesverband Deutscher Sinti und Roma realisiert. Neben Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg sprach auch Romani Rose vom Zentralrat Deutscher Sinti und Roma, Ortsvorsteher Herr Weber, Joachim Brenner vom Förderverein Roma Frankfurt e.V. sowie Fatima Stieb, Vorstandmitglied des Hessischen Landesverbands Deutscher Sinti und Roma.



In ihrer Rede thematisierte Fatima Stieb die Bedeutung der Ersterwähnung der Sinti in Frankfurt. Bereits im Mittelalter fanden in Frankfurt zwei große Messen – im Frühling und im Herbst – statt, die nicht nur Handelsplätze, sondern auch Orte der Begegnung und des Staunens waren. Diese Messen legten den Grundstein für die heutige Dippemess, die bis in die Nachkriegszeit rund um den Römer in der Frankfurter Altstadt stattfand. In diesem Zusammenhang tauchen die Sinti erstmals in den Frankfurter Quellen auf, was Frankfurt zu einer der ersten Städte macht, in denen sie urkundlich erwähnt wurden – kurz nach Hildesheim im Jahr 1407.
Chroniken aus dem Jahr 1434 berichten von einem respektvollen Umgang mit den Sinti, die in der Stadt willkommen geheißen wurden. Die Gedenktafel symbolisiert, dass Sinti und Roma stets Teil dieser Stadt und dieses Landes waren und sind: „Wir waren hier. Wir sind hier. Wir sind ein Teil dieses, unseres Landes.“
Wiesbaden
Auch im Hessischen Landtag in Wiesbaden haben am Mittag ca. 200 Vertreter*innen aus Politik und Gesellschaft an die Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Es sprachen Ministerpräsident Boris Rhein und die Präsidentin des Hessischen Landtags Astrid Wallmann. Beide betonten, dass es darum gehe, heute Verantwortung zu zeigen. Ministerpräsident Boris Rhein thematisierte in seiner Rede auch den nationalsozialistischen Völkermord an Sinti und Roma und sprach sich unter anderem deutlich gegen Antiziganismus aus. Die Gedenkrede hielt Prof. Dr. Emile Schrijver, Direktor des Holocaustmuseums Amsterdam.


Nochmal Darmstadt
Im AStA-Café 128 qm der TU Darmstadt fand am Abend eine Gedenkveranstaltung im Rahmen des Projekts „Better Together!“ statt, an dem der Landesverband als Kooperationspartner mitwirkt. Das Podiumsgespräch unter dem Titel „Zur Bedeutung des Gedenkens an Auschwitz in der Gegenwart“ beleuchtete Erinnerungskultur, Verantwortung und aktuelle Herausforderungen des Gedenkens aus verschiedenen Perspektiven.
Im Mittelpunkt standen vier Beiträge, die das Thema Gedenken aus historischer, politischer und bildungsbezogener Sicht beleuchteten. Kiril Denisov von der Bildungsstätte Anne Frank widmete sich in seinem Vortrag dem Gedenken im digitalen Zeitalter. David Gießer vom Verband Jüdischer Studierender Hessen sprach über Gedenken an Hochschulen. Über Widerstand und Gedenken sprach Mirjam Heydorn, Tochter zweier Widerstandskämpfer*innen gegen das NS-Regime. Vom Verband Deutscher Sinti und Roma sprach Rinaldo Strauß und thematisierte in seinem Vortrag Gedenken und die zweite Verfolgung.


Die Veranstaltung machte insgesamt deutlich, dass Gedenken kein abgeschlossener Prozess ist, sondern eine dauerhafte gesellschaftliche Aufgabe. Erinnerung bedeutet, Verantwortung zu übernehmen – für die Sichtbarkeit aller Opfergruppen und für ein entschiedenes Eintreten gegen Antisemitismus, Antiziganismus und jede Form von Menschenfeindlichkeit.
Dr. Z. Ece Kaya vom Praxislabor der TU Darmstadt und Nathalie Schüler, Mitarbeiterin des Landesverbands Deutscher Sinti und Roma, moderierten die Veranstaltung.



























