Hessische Landesregierung ehrt Vili Viorel Păun

Für seine Zivilcourage beim Hanauer Anschlag vom 19. Februar 2020 wird Vili Viorel Păun posthum geehrt 

Vili Vio­rel Păun (Foto der Fami­lie Păun)

Am Frei­tag den 18.Juni, ein­ein­halb Jah­re nach dem Anschlag, wur­de Nicu­les­cu Păun die Hes­si­sche Medail­le für Zivil­cou­ra­ge für den außer­ge­wöhn­li­chen Ein­satz sei­nes Soh­nes Vili Vio­rel Păun beim Hanau­er Anschlag vom 19. Febru­ar über­reicht. Vili Vio­rel Păun hat­te den Täter ver­folgt und ver­sucht ihn zu blo­ckie­ren. Am zwei­ten Anschlags­ort wur­de er vom Täter in sei­nem Auto erschossen.

Vili war mein Held.”, sag­te Nicu­les­cu Păun dem hes­si­schen Lan­des­ver­band im Inter­view. Das Vili ein Held sei, soll­ten alle wis­sen, wünsch­te er sich. Aus die­sem Grund und auf­grund sei­nes selbst­lo­sen Enga­ge­ments zum Schutz von Men­schen­le­ben schlug der Lan­des­ver­band Vili Vio­rel Păun für die Hes­si­sche Medail­le vor und freut sich sehr, dass die­ser Vor­schlag ange­nom­men wur­den. Rinal­do Strauß, stv. Geschäfts­füh­rer des Hes­si­schen Lan­des­ver­ban­des Deut­scher Sin­ti und Roma nahm an der Ver­an­stal­tung teil.

Vili Vio­rel Păun hat sich voll­kom­men selbst­los dafür ein­ge­setzt, den Atten­tä­ter von Hanau zu stop­pen, um sei­ne Mit­men­schen zu schüt­zen. Sein Tod macht uns fas­sungs­los und unend­lich trau­rig.”, begrün­det der Hes­si­sche Minis­ter­prä­si­dent Vol­ker Bouf­fier die Ent­schei­dung der Landesregierung.

Die hes­sen­schau berich­te­te.

Zeitzeugen im Gespräch VI: Dina Franz

Dina Franz, geb. Herz­stein wur­de 1928 in Herford/Westfalen gebo­ren. Sie wuchs in Nord­hau­sen Thü­rin­gen auf. Am 6. März 1943 mit 15 Jah­ren wur­de sie dann in einem Vieh­wag­gon in das Ver­nich­tungs­la­ger Ausch­witz Bir­ken­au depor­tiert. Dina Franz beschreibt die Situa­ti­on im Lager, die Käl­te und die Zwangs­ar­beit und dass ermor­det wur­de, wer als nicht arbeits­fä­hig galt. Dina Franz wur­de in wei­te­re Lager ver­schleppt, unter ande­rem in das Frau­en­kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Ravens­brück, in das KZ Buchen­wald und in die Außen­la­ger Alten­burg und Schlieben.

Nach dem Krieg leb­te sie zunächst in Pots­dam, wo sie einen Aus­weis als Opfer des Faschis­mus erhielt. Dann ging sie nach Frankfurt/Main und leb­te von 1954 bis 2005 in Darm­stadt. In der Bun­des­re­pu­blik ver­such­te sie Ent­schä­di­gungs­zah­lun­gen zu bean­tra­gen. Ihr Kampf um Ent­schä­di­gung lief vie­le Jah­re und war mit vie­len wei­te­ren Ernied­ri­gun­gen ver­bun­den. Über Jah­re wur­de von den Behör­den und den beauf­trag­ten medi­zi­ni­schen und psych­ia­tri­schen Gut­ach­tern pri­mär ver­sucht, ihre Ansprü­che zu dele­gi­ti­mie­ren. Zwei der Gut­ach­ten ent­hal­ten grob anti­zi­ga­nis­ti­sche Pas­sa­gen, die gerin­ge oder kei­ne Zusam­men­hän­ge zwi­schen der KZ Haft und ihren kör­per­li­chen und see­li­schen Schä­den zuge­ste­hen. So bezwei­felt das psych­ia­tri­sche Gut­ach­ten, dass Dina Franz die Ent­wür­di­gung und Recht­lo­sig­keit über­haupt emp­fun­den habe. Zudem gal­ten Dina Franz Reak­tio­nen auf die „see­li­schen Belas­tun­gen“ als in ihrer „pri­mi­ti­ven Per­sön­lich­keit” begrün­det. Dies waren gän­gi­ge anti­zi­ga­nis­ti­sche Argu­men­ta­ti­ons­mus­ter, die zei­gen, wie mas­siv der Anti­zi­ga­nis­mus auch nach 1945 fort­leb­te. 1970 gelang es Dina Franz schließ­lich Ent­schä­di­gungs­an­sprü­che gel­tend zu machen – ihr wur­de wenigs­tens eine Min­dest­ren­te zugestanden.

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Podiumsdiskussion des Verbades beim festival contre le rassisme Darmstadt

Von alltäglicher Ausgrenzung bis rechtem Terror — Formen und Struktur des Antiziganismus und Antisemitismus in Deutschland

Im Rah­men des Fes­ti­val Cont­re le Racisme Darm­stadt ver­an­stal­tet das Pro­jekt “Viel­falt bil­det! Ras­sis­mus­kri­ti­sche Bil­dungs­ar­beit gemein­sam gestal­ten” ein digi­ta­les Podiumsgespräch.

Anti­se­mi­tis­mus und Anti­zi­ga­nis­mus ergän­zen sich im völ­ki­schen Welt­bild. In bei­den Ideo­lo­gien steckt der Vor­wurf der Nicht-Arbeit, wel­cher der „deut­schen Arbeit“ ent­ge­gen­ge­stellt wird: Die einen wür­den nicht arbei­ten, indem sie sich an der Arbeit ande­rer berei­chern, und die ande­ren, indem sie den Arbei­ten­den auf der Tasche lägen. In der Dis­kus­si­on sol­len Gemein­sam­kei­ten und Unter­schie­de des anti­se­mi­ti­schen bzw. anti­zi­ga­nis­ti­schen Res­sen­ti­ments bespro­chen wer­den, ins­be­son­de­re hin­sicht­lich des Erin­nerns an Sho­ah und Porajmos.

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Beitrag des Landesverbands auf Kinderrechte-Blog erschienen

Für den Ver­ein Makis­ta, der sich für Kin­der­rech­te enga­giert, haben unse­re Mit­ar­bei­te­rin­nen Ina Ham­mel, Chris­ti­ne Kone und Katha­ri­na Rhein einen Arti­kel ver­fasst, der sich mit der Bil­dungs­si­tua­ti­on und den erschwer­ten Bedin­gun­gen einer gleich­be­rech­tig­ten Durch­set­zung des Rechts auf Bil­dung für Ange­hö­ri­ge der Min­der­heit befasst. 

Zum voll­stän­di­gen Arti­kel geht es hier:

Zeitzeugen im Gespräch V: Anna Mettbach

Anna Mett­bach (* Janu­ar 1926 in Ulfa (Nid­da); † 23. Novem­ber 2015 in Gie­ßen) wur­de als Zeit­zeu­gin bekannt und berich­te­te viel­fach über ihre Erin­ne­run­gen an die Zeit der NS-Ver­fol­gung. Für ihr Enga­ge­ment wur­de sie u.a. 2012 mit dem Bun­des­ver­dienst­kreuz aus­ge­zeich­net. Im Video berich­tet sie über ihre zunächst unbe­schwer­te Kind­heit, das Anwach­sen der Nazi­be­we­gung vor 1933 und die sich unter den Nazis schließ­lich immer wei­ter ver­schär­fen­den Maß­nah­men gegen Sin­ti, die auch sie und ihre Fami­lie zu spü­ren beka­men. Als 16jährige wur­de sie 1942 ver­haf­tet, weil sie gegen den Fest­set­zungs­er­lass ver­sto­ßen und ohne Geneh­mi­gung den Wohn­ort ver­las­sen hat­te, um in Erfah­rung zu brin­gen, was mit der Fami­lie ihrer Mut­ter gesche­hen war, die bereits 1940 nach Polen depor­tiert wor­den war. Nun wur­de auch Anna Mett­bach nach Ausch­witz depor­tiert, sie beschreibt ihre Ankunft, das Grau­en, das sie mit­er­le­ben muss­te, die har­te Zwangs­ar­beit, ihre Angst. Ihren Zustand in Ausch­witz-Bir­ken­au II beschreibt sie mit den Wor­ten: “Ich war tot, obwohl ich leb­te”. Von Ausch­witz wur­de Anna Mett­bach nach Ravens­brück ver­legt und von dort in das Außen­la­ger Wol­ken­burg. Kurz vor Kriegs­en­de räum­te die SS das Lager und die der Todes­marsch in das KZ Dach­au begann, hier wur­de sie schließ­lich von der US-Armee befreit.

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Vortrag und Diskussion mit der Grünen Jugend Main-Taunus-Kreis

Am 20.05.2021 hielt Rinal­do Strauß vom Hes­si­schen Lan­des­ver­band Deut­scher Sin­ti und Roma vor einem poli­tisch enga­gier­ten und sehr inter­es­sier­ten Publi­kum einen Vor­trag über die Geschich­te des Anti­zi­ga­nis­mus und sei­ne Aus­wir­kun­gen bis in die Gegen­wart. Im anschlie­ßen­den Gespräch zeig­ten die Teil­neh­men­den eine gro­ße Offen­heit zur kri­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zung mit Anti­zi­ga­nis­mus und Ras­sis­mus und es wur­de auch über wei­te­re Koope­ra­ti­ons­mög­lich­kei­ten gesprochen.

Kampf um Anerkennung” — Buchvorstellung und Gespräch über die Bürgerrechtsbewegung von Sinti und Roma

Vier Jahr­zehn­te Bür­ger­rechts­ar­beit des Hes­si­schen Lan­des­ver­ban­des Deut­scher Sin­ti und Roma

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Die bei­den Autoren Mal­te Clau­sen und Rinal­do Strauß haben ihr Buch im Gespräch mit Romeo Franz und Katha­ri­na Rhein vor­ge­stellt. Das Buch befasst sich aus­ge­hend von Inter­views mit ver­schie­de­nen Berei­chen der Bür­ger­rechts­ar­beit und lässt dabei die Betei­lig­ten der Bewe­gung und ihre Ver­bün­de­ten selbst zu Wort kom­men. Mei­len­stei­ne des Kamp­fes um Aner­ken­nung aus vier Jahr­zehn­ten der in den 1970ern gegrün­de­ten Bewe­gung wer­den so auf anschau­li­che Wei­se doku­men­tiert. Das Buch schlägt einen Bogen von der Situa­ti­on der Über­le­ben­den des NS-Völ­ker­mords in der Nach­kriegs­zeit bis zu Anti­zi­ga­nis­mus und der Bür­ger­rechts­ar­beit heute.

In der Ver­an­stal­tung wur­de aus­ge­hend vom Buch an hand von Bil­dern ein Rück­blick auf die Bür­ger­rechts­ar­beit der letz­ten Jahr­zehn­te vor­ge­nom­men, aber auch der Fra­ge nach­ge­gan­gen, was man aus dem Rück­blick für aktu­el­le und künf­ti­ge Kämp­fe mit­neh­men kann.

Vortrag mit Prof. Dr. Benjamin Ortmeyer

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Der Vor­trag vom 11.5.2021 von Prof. Dr. Ben­ja­min Ort­mey­er über den Auf­stand von Sin­ti und Roma in Ausch­witz-Bir­ken­au vor 77 Jah­ren kann hier eben­so wie das Gruß­wort von Jochen Partsch, Ober­bür­ger­meis­ter der Wis­sen­schafts­stadt Darm­stadt, noch nach­träg­lich geschaut werden. 

Außer­dem gibt es hier, auch die Prä­sen­ta­ti­on zum Vor­trag von Herrn Ortmeyer. 

Hessische Medaille für Zivilcourage für Vili Viorel Păun

Wir freu­en uns sehr, dass die Hes­si­sche Lan­des­re­gie­rung Vili Vio­rel Păun für sei­nen selbst­lo­sen Ein­satz beim Anschlag von 19. Febru­ar 2020 in Hanau nun post­hum die Hes­si­sche Medail­le für Zivil­cou­ra­ge verleiht.

In der Nacht des 19. Febru­ar wur­de Vili Vio­rel Păun Zeu­ge des ers­ten Anschlags. Dar­auf­hin ver­folg­te er den Täter selbst und ver­such­te meh­re­re Male den poli­zei­li­chen Not­ruf zu errei­chen. Die­ser war jedoch unter­be­setzt und Vili Vio­rel Păun konn­te nie­man­den errei­chen. Am zwei­ten Anschlags­ort wur­de er vom Täter in sei­nem Auto ermordet.

Die­se Ent­schei­dung ist eine Aner­ken­nung für Vili Vio­rel Păuns Zivil­cou­ra­ge und sei­nen Ver­such Men­schen­le­ben zu ret­ten, obwohl es ihn selbst in Gefahr brach­te. Es ist aber eben­so ein bedeu­ten­des und not­wen­di­ges Signal gegen rech­ten Ter­ro­ris­mus in Hessen.

Der Hes­si­sche Lan­des­ver­band führ­te im August 2020 ein Inter­view mit den Eltern von Vili Vio­rel Păun über ihren Sohn und sein Leben. Zum Inter­view.

Zeitzeugen im Gespräch IV: Heinz Strauß

Am 11. April 1945 befrei­ten US-Trup­pen das Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Buchen­wald. Auch Heinz Strauß wur­de in einem der dor­ti­gen Außen­la­ger befreit.

Im Inter­view berich­tet Heinz Strauß (*1925) von sei­ner Zeit in sei­ner Hei­mat­stadt Cöl­be, bei Mar­burg und wie sei­ne Fami­lie noch vor der Depor­ta­ti­on gewarnt wur­de, ohne Papie­re aller­dings kei­ne Chan­ce sah, zu ent­kom­men. Und so wur­de die Fami­lie nach Mar­burg gebracht, von wo sie mit ande­ren Sin­ti am 23. März 1943 über Kas­sel nach Ausch­witz depor­tiert wur­de. Hier erfolg­te die ers­te Selek­ti­on, wer zu gebrech­lich war, kam ins Gas — aber das wuss­te Heinz Strauß zu die­sem Zeit­punkt noch nicht. Er wur­de von sei­nen Eltern getrennt und muss­te im Haupt­la­ger in Ausch­witz Zwangs­ar­beit leis­ten. Er muss­te mit­er­le­ben, wie sein Bru­der ermor­det wur­de. Er selbst wur­de nach Buchen­wald ver­legt und von hier wei­ter in ver­schie­de­ne Außen­la­ger. Im Inter­view berich­tet er, wie er in Mit­tel­bau-Dora als Maue­rer arbei­ten muss­te und von der SS so furcht­bar ver­prü­gelt wur­de, dass er in den Kran­ken­block ein­ge­lie­fert wur­de.
Heinz Strauß kam u.a. auch in das Lager Ell­rich, wo er für kur­ze Zeit sei­nen Vater wie­der traf. Er war so abge­ma­gert, dass er ihn zuerst nicht wie­der­erkann­te und umge­kehrt, konn­te auch sein Vater ihn nicht erken­nen. Sie wur­den wie­der getrennt, weil Heinz Strauß in ein ande­res Lager kam, aber bei­de über­leb­ten. Sei­ne Mut­ter, sein Bru­der, drei Schwes­tern, zwei Nich­ten, ein Nef­fe und zahl­rei­che Onkel, Tan­ten, Cou­sins und Cou­si­nen aber wur­den ermordet.

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