Am heutigen vierten Jahrestag des rassistischen Terroranschlags in Hanau war der Hessische Landesverband Deutscher Sinti und Roma bei der zentralen Gedenkveranstaltung auf dem Hanauer Hauptfriedhof. Wir trauern mit den Angehörigen, gedenken der Opfer und sprechen unsere Solidarität aus im gemeinsamen Kampf gegen Rassismus, Antiziganismus, Antisemitismus und jede Form menschenverachtender Einstellungen.
Das Thema Geschichte der Sinti und Roma und der nationalsozialistische Völkermord soll verstärkt in die Kerncurricula hessischer Schulen einfließen. Doch oftmals fehlt es an Weiterbildungsmöglichkeiten für Lehrkräfte sowie geeigneten Materialien zum Themenkomplex.
Die Hessische Lehrkräfteakademie bietet eine online Qualifizierung in Kooperation mit dem Hessischen Landesverband Deutscher Sinti und Roma an, um Lehrkräften einen Einstieg in die Thematik zu ermöglichen und praktische Methoden für den eigenen Unterricht zu erproben.
Vom 26. Februar bis zum 22. März 2024 gastierte die mobile Ausstellung “Der Weg der Sinti und Roma” an der VHS in Bad Homburg. Das WIR Vielfaltszentrum der Stadt Bad Homburg vor der Höhe und die VHS eröffnete am Abend des 26. Februars gemeinsam mit dem Hessischen Landesverband Deutscher Sinti und Roma die Ausstellung. Neben einer einführenden Führung durch die Ausstellung wurde zudem der Kurzfilms “Alltagsdiskriminierung” gezeigt. In ihm sprechen Betroffene von Antiziganismus zu Wort und berichten über ihre Erfahrungen im Alltag. Einen weiteren Höhepunkt stellte die gemeinsame Eröffnung der internationalen Wochen gegen Rassismus dar, die am 11. März erfolgte.
Am 22. Februar war der Hessische Landesverband zur Podiumsdiskussion “Sinti, Roma, Jenische — Wer sind Sie? von PINOT Bildungsbausteine in Hanau eingeladen. Fatima Stieb und Rinaldo Strauß vertraten den Hessischen Landesverband Deutscher Sinti und Roma und unterhielten sich mit Renaldo Schwarzenberger vom Zentralrat der Jenischen Deutschland und Mihael Ritter, Vorsitzender des Vereins Sinti und Roma e.V. Köln über Vorurteile, Antiziganismus und die Aufklärungsarbeit, die die Verbände leisten. Der Moderator Junior Heilig führte das Gespräch und band Fragen aus dem Publikum mit ein. Der Verband bedankt sich für die Einladung und den gelungenen Abend.
Am 27. Januar 2024 jährte sich die Befreiung von Auschwitz zum 79. Mal. Der 27. Januar ist aus diesem Grund der internationale Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus. Dieser Tag der Befreiung gilt als Symbol des Endes des systematischen Massenmordes an mehrerer Millionen Menschen unter ihnen auch Sinti, Roma, Jüdinnen und Juden. Für viele Sinti und Roma kam dieser Tag jedoch zu spät. Ca. 20.000 Angehörige der Minderheit waren alleine in Auschwitz ermordet worden.
Dennoch ist der 27. Januar auch ein Tag der Zusammenkunft, des Gedenkens und somit auch der Hoffnung. So haben verschiedene Personen des Hessischen Landesverband den 27. Januar 2024 genutzt um mit verschiedenen Menschen an verschiedenen Orten der Opfer gedenken.
Bereits am 16. Januar lud die Gesamtschule Ebsdorfergrund den Hessischen Landesverband ein, um der Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken. Neben 70 Schüler*innen waren der Bürgermeister Hanno Kern, Herr Bilal Elzayat vom Islamischen Verein aus Marburg und Lehrer*innen des Kollegiums der Gesamtschule anwesend. Die Schüler*innen organisierten eine szenische Lesung aus dem Tagebuch der Anne Frank. Anschließend wurden die Namen der 18 Sinti, die am 23.03.1943 aus Dreihausen deportiert wurden verlesen und Kerzen angezündet.
Am offiziellen Gedenken im Hessischen Landtag nahm der Vorsitzende des Hessischen Landesverband Adam Strauß teil, während das Vorstandsmitglied Romano Strauß am 27. Januar gemeinsam mit dem stellvertretenden Geschäftsführer des Hessischen Landesverbandes am Gedenken der Stadt Darmstadt in der Centralstation teilnahmen.
Das neue Jahr startete bereits mit drei Worskshops an hessischen Schulen. Am 15. Januar war der Hessische Landesverband an der Hostatoschule und am 05. Februar an der Ludwig-Erhard Schule in Frankfurt mit dem Workshop “Alltagsdiskriminierung” vertreten. Wissensvermittlung, Anwendung und Haltung zeigen, standen in den interaktiven Mitmach-Workshops auf dem Plan. Besonders waren diese ersten Workshops des Jahres auch deshalb, weil unsere frisch ausgebildeten Botschafter*innen gegen Antiziganimus ihre ersten Einsätze als Teamer*innen hatten.
Am 30. Januar dagegen hatten die Lehrkräfte der Offenen Schule Waldau in Kassel die Gelegenheit in der internen Lehrkräftefortbildung mit den Bildungsbotschafterinnen des Landesverbandes über Antiziganismus ins Gespräch zu kommen. So konnten viele Stereotype aufgebrochen und Unsicherheiten abgebaut werden.
Wir bedanken uns für die Einaldungen und freuen uns auf weitere Zusammenarbeit.
Zum selbstständigen Gebrauch für Lehrkräfte im Schulunterricht
2023 hat der Landesverband zu seinen Zeitzeugenfilmen “Gegenbilder” Arbeitsblätter für den Schulunterricht erstellt. Die Gegenbilder sind Ausschnitte aus Zeitzeugenberichten von Sinti die den Nationalsozialismus überlebt haben. Sie sind thematisch sortiert.
Bisher wurden Arbeitsblätter zu den beiden häufig gestellten Fragen “Sind Sinti und Roma faul?” und “Gehören Sinti und Roma zu Deutschland?” erstellt. Die Arbeitsblätter geben einige Hintergrundinformationen und beinhalten Fragen zur eigenständigen Bearbeitung durch Schüler*innen. Der Arbeitsumfang beträgt circa 2 Schulstunden. In einer umfangreichen ergänzenden Handreichung für Lehrkräfte werden weitere Hintergrundinformationen zu der Benutzung der Arbeitsblätter, dem Thema Antiziganismus und Ideen zur weiteren Vertieftung an die Hand gegeben.
Die PDF’s enthalten darüber hinaus Verlinkungen zu einem Glossar, welches wichtige Begriffe des Themas niedrigschwellig erklärt.
Arbeitsblatt 1: Gehören Sinti und Roma zu Deutschland?
Zum Jahresende berichtet der Hessische Landesverband, wie gewohnt, mit einer neuen Nachrichtensendung auf Romanes über die Arbeit im Verband im Jahr 2023.
Melde- und Informationsstelle Antiziganismus (MIA) in Hessen eröffnet
Seit Juli 2023 hat die Melde- und Informationsstelle Antiziganismus Hessen in der Trägerschaft des Hessischen Landesverband Deutscher Sinti und Roma in Kooperation mit dem Förderverein Roma ihre Arbeit aufgenommen. MIA ist 2022 entstanden und besteht aus einer Bundesgeschäftsstelle in Berlin sowie bisher fünf regionalen Meldestellen in Berlin, Sachsen, Rheinland-Palz, Bayern und nun auch Hessen. Gefördert wird MIA von Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
MIA will mit ihrer Arbeit das Bewusstsein für Antiziganismus schärfen und die Unterstützung von Betroffenen verbessern. Die Meldestelle soll die Ausprägungen antiziganistischer Vorfälle einheitlich und systematisch dokumentieren, auswerten und die Bedarfe von Betroffenen klären.
Dadurch soll auf bestehende Defizite im Regelsystem aufmerksam gemacht und das Dunkelfeld antiziganistischer Vorfälle in Deutschland erhellt werden. Antiziganistische Vorfälle reichen von Beleidigungen und Schmierereien über antiziganistische Inhalten und Kommentare im Netz bis hin zu Diskriminierung bei Behördenbesuchen, Sachbeschädigung, Bedrohung und extremer Gewalt.
Egal ob Sie selbst betroffen sind oder einen antiziganistischen Vorfall beobachten, auf unserer Webseite können antiziganistische Vorfälle sicher und vertraulich über eine Meldemaske gemeldet werden.
Als Teil einer bundesweiten Arbeitsgemeinschaft dokumentieren wir antiziganistische Fälle in Deutschland, bieten Betroffenen Verweisberatung an und informieren die Öffentlichkeit. Damit schaffen wir die Grundlagen für die Bekämpfung von Antiziganismus und bieten Behörden und Zivilgesellschaft Ansatzpunkte zur Prävention. Als MIA Hessen erfassen, dokumentieren und werten wir antiziganistische Vorfälle aus, um Diskriminierung in Hessen sichtbarer zu machen und sie wirksam zu bekämpfen. Hier geht es zur Webseite von MIA Hessen: http://www.hessen.antiziganismus-melden.de
Am Donnertsag den 23.11.2023 veranstalten das Welcome In! Wohnzimmer Fulda gemeinsam mit dem Hessichen Landesverband Deutscher Sinti und Roma einen Vortragsabend. Ab 18.00 Uhr referiert Rinaldo Strauß in seinem Vortrag über Geschichte und Auswirkungen des Antiziganismus. Dabei wird der Blick auf die Geschichte der Sinti und Roma in Deutschland und Europa und ihre jahrhundertelange Diskriminierung gerichtet, die im nationalsozialistischen Völkermord gipfelte. Es wird aber auch um die Nachwirkungen bis heute gehen, die sich nicht zuletzt auch in einer massiven Benachteiligung auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt und gerade auch im Bereich der Bildung zeigen.
Abgerundet wird der Vortrag mit dem Film „Alltagsdiskriminierung“, in dem Angehörige der nationalen Minderheit der Sinti zu Wort kommen. Sie sprechen über ihre Erfahrungen mit Diskriminierung in Alltag, Schule und Berufsleben und schildern ihren Umgang damit. Im Anschluss steht Herr Strauß für Fragen und Diskussion zur Verfügung.