Vortrag im Odenwald

Am Fre­itag 3. Juli ver­anstal­tete der Lan­desver­band in Koop­er­a­tion mit den Jugendw­erk­stät­ten Oden­wald e.V. in Breu­berg (Oden­wald­kreis) einen Vor­trag des Mar­burg­er His­torik­ers Dr. Udo Eng­bring-Romang zur Ver­fol­gung der Sin­ti und Roma in Hes­sen.

Für den Lan­desver­band nahm der wis­senschaftliche Mitar­beit­er Malte Clausen teil. Der Vor­trag ist Teil ein­er zweit­eili­gen Rei­he, die am 21. August am gle­ichen Ort fort­ge­set­zt wird. Dann zeigt der Lan­desver­band seinen Film “Kampf um Anerken­nung” zu vier Jahrzehn­ten Bürg­er­recht­sar­beit in Hes­sen. Hier find­en Sie die Ein­ladung zu dieser Ver­anstal­tung.

Information über Hilfen in der Corona-Krise

Die nach­fol­gende Über­sicht ori­en­tiert sich an den aktuellen geset­zlichen Regelun­gen vom 31.03.2020 in Hes­sen und erhebt keinen Anspruch auf Voll­ständigkeit und Fehler­frei­heit.

Für Selb­ständi­ge und Unternehmer:

Selb­st­ständi­ge und Unternehmer, die Ver­di­en­staus­fälle durch die Coro­na-Krise haben und dadurch in eine Not­lage ger­at­en sind, kön­nen einen Zuschuss vom Staat erhal­ten:

Die Zuschüsse gibt es in der Höhe bis zu 10.000 Euro für Selb­st­ständi­ge, Freiberu­fler, Klei­n­un­ternehmer und Unternehmer mit bis zu 5 Mitar­beit­ern. Für Unternehmen zwis­chen 5 und 10 Beschäftigte sind bis zu 20.000 Euro und bei 10 bis 50 Beschäftigten sog­ar bis zu 30.000 Euro möglich.

Die Anträge für die Zuschüsse für Gewer­be­treibende in Hes­sen kön­nen nur hier beim Regierung­sprä­sid­i­um Kas­sel gestellt wer­den.

Dazu kön­nen Sie sich unter der Tele­fon­num­mer 0561 1060 berat­en lassen.

Bei dem Antrag kön­nten Sie sich durch eine sachkundi­ge Per­son in Ihrem Umfeld vor Ort berat­en lassen, die Erfahrun­gen mit Finanzen und dem Inter­net hat.

Ergänzung: Kul­turschaf­fende und Kün­stler find­en hier eine aktuelle Über­sicht über Unter­stützungsmöglichkeit­en.

Darüber hin­aus kann das Bun­des­land Hes­sen Freiberu­fler und Unternehmen mit Kred­iten zu rel­a­tiv gün­sti­gen Kon­di­tio­nen unter­stützen. Dazu gibt es eine Beratung bei der WI Bank:

Postadresse: Wirtschafts- und Infra­struk­tur­bank Hes­sen, 60297 Frank­furt am Main

Tel. 0611 774‑7333 (8 bis 18 Uhr)  

Inter­net: https://www.wibank.de/wibank/corona

Email: foerderberatunghessen@wibank.de

Für Unternehmen gibt es darüber hin­aus vere­in­fachte Möglichkeit­en zur Beantra­gung von Kurzarbeit für ihre Beschäftigten.

Bei Sozialleis­tun­gen:

Diejeni­gen, die bere­its vor der Coro­na-Krise Leis­tun­gen vom Job­cen­ter, Sozial­hil­fe oder Grund­sicherung im Alter erhal­ten haben, für die gibt es im Moment keine größeren Änderun­gen.

Es gibt aber einen erle­ichterten Zugang für die Leis­tun­gen vom Job­cen­ter, Sozial­hil­fe oder Grund­sicherung im Alter:

Wer ab dem 1. März bis ein­schließlich zum 30. Juni 2020 einen Neuantrag auf Sozialleis­tun­gen stellt, für den ent­fällt für die ersten 6 Monate die Ver­mö­gen­sprü­fung, wenn erk­lärt wird, dass kein erhe­blich­es Ver­mö­gen ver­füg­bar ist.

Und in den ersten 6 Monat­en des Leis­tungs­bezugs wer­den die Aus­gaben für Miete und Heizung in tat­säch­lich­er Höhe anerkan­nt.

Fam­i­lien, die keine Sozialleis­tun­gen erhal­ten und ein geringes Einkom­men haben, kön­nen erle­ichtert einen Kinderzuschlag bei der Fam­i­lienkasse der Bun­de­sagen­tur für Arbeit (Tel. 0800 4 555530) beantra­gen. Bei Neuanträ­gen ist aktuell nur noch das Einkom­men des let­zten Monats (anstelle des let­zten hal­ben Jahres) entschei­dend.

Für Mieter:

Wegen Mietschulden aus dem Zeitraum vom 1. April bis 30. Juni 2020 dür­fen Ver­mi­eter das Mietver­hält­nis nicht kündi­gen, sofern die Mietschulden auf den Auswirkun­gen der Coro­na-Krise beruhen. Allerd­ings müssen die Mieten zu einem späteren Zeit­punkt nachgezahlt wer­den inklu­sive Verzugszin­sen.

Bei hohen Son­der­aus­gaben:

Wer Son­der­aus­gaben wie z. B. zur Tilgung von Kred­iten oder Ver­sicherungs­beiträge bezahlen muss, kann derzeit unter Umstän­den einen min­destens drei­monati­gen Zahlungsauf­schub erhal­ten. Dies gilt für Ver­sicherun­gen, die vor dem 8. März abgeschlossen wur­den sowie für Dar­lehensverträge, die vor dem 15. März vere­in­bart wur­den. Wichtig: Die Zahlungsverpflich­tun­gen bleiben natür­lich – wer jet­zt nicht bezahlen kann, wird das später nach­holen müssen.

Europa muss jetzt hinsehen und helfen – Große Gefahr für Roma

PRESSEMITTEILUNG VOM 31.03.2020

Roma und Sin­ti stellen mit über 10 Mil­lio­nen Men­schen die größte eth­nis­che Min­der­heit Europas dar. Die Ange­höri­gen der Min­der­heit sind derzeit mas­siv bedro­ht.

In Bul­gar­ien wur­den in den ver­gan­genen Tagen mehrere Stadtvier­tel, in denen Men­schen mit Roma-Hin­ter­grund leben, von staatlich­er Seite abgeriegelt. Dabei wird auch mit dem Gerücht operiert, Ange­hörige der Roma hät­ten das Coro­na-Virus nach Bul­gar­ien eingeschleppt. Die betrof­fe­nen Men­schen wer­den grun­drechtswidrig von jed­er medi­zinis­chen Ver­sorgung aus­geschlossen, die Ver­sorgung mit Lebens­mit­teln und allen anderen Gütern des täglichen Bedarfs abgeschnit­ten. Damit wird eine katas­trophale human­itäre Not­lage vom bul­gar­ischen Staat unter Ver­wen­dung ras­sis­tis­ch­er Begrün­dun­gen her­beige­führt.

In vie­len weit­eren osteu­ropäis­chen Län­dern, vorallem in Ungarn, in der Slowakei und in Rumänien sowie auf dem Balkan ist die Lage für Men­schen mit Roma-Hin­ter­grund bere­its jet­zt äußerst prekär. In Ser­bi­en leben min­destens 70 Prozent der Roma in soge­nan­nten Roma-Sied­lun­gen und sind dort mit schreck­lich­er Armut kon­fron­tiert, häu­fig ohne Kanal­i­sa­tion und Wasser­an­schluss. Einen gerin­gen Leben­sun­ter­halt find­en die dort leben­den Men­schen im informellen Sek­tor, in der Saisonar­beit und dem Sam­meln von Wert­stof­fen. Da es keine soziale Absicherung gibt, sind die Men­schen nun völ­lig mit­tel­los. Gle­ichzeit­ig sehen sich die zuständi­gen Insti­tu­tio­nen nicht in der Ver­ant­wor­tung, die Men­schen zu unter­stützen. Let­zte Woche haben Ange­hörige der Roma auch in mehreren alban­is­chen Städten protestiert, da sie nichts mehr zu essen haben.

In Nord­maze­donien sind neun Roma-Musik­er aus ein­er Gruppe von 200 Men­schen an der Gren­ze ange­hal­ten und unter Quar­an­täne gestellt wor­den. Sie sind die ersten Per­so­n­en, die bei ihrer Rück­kehr ins Land in Quar­an­täne mussten, und die einzi­gen, die fest­ge­hal­ten wur­den, obwohl sie keine Symp­tome des Covid-19-Virus zeigten.

„An diesen Vorgän­gen zeigt sich, wie erschreck­end aktuell der jahrhun­dertealte Antizigan­is­mus noch immer ist“, sagt Adam Strauß, Vor­sitzen­der des Lan­desver­ban­des. „Auch hierzu­lande wurde und wird der Hass auf Sin­ti, Roma und andere Min­der­heit­en geschürt, wenn etwa von Wirtschafts­flüchtlin­gen und Armut­szuwan­derung die Rede ist.“

„Heute deutet sich eine europaweite Katas­tro­phe an, die Hun­dert­tausende Leben fordern kön­nte. Wir fordern die europäis­chen Regierun­gen auf, wirk­same Maß­nah­men gegen den Ras­sis­mus, die Aus­gren­zung und die weit­ere Vere­len­dung von Ange­höri­gen der Roma und Sin­ti zu ergreifen. Europa muss jet­zt hin­se­hen und helfen!“ so Adam Strauß abschließend.

Für Rück­fra­gen erre­ichen Sie unser Büro unter 06151 – 377740 oder per Email an verband@sinti-roma-hessen.de.

Film zur Alltagsdiskriminierung

Der Lan­desver­band hat einen Film zur All­t­ags­diskri­m­inierung erstellen lassen. Für den Film wur­den Ange­hörige der Min­der­heit im Alter zwis­chen 12 und 50 Jahren in Hes­sen zu ihren Erfahrun­gen mit Aus­gren­zung und Antizigan­is­mus inter­viewt. Der Lan­desver­band wird den Film für seine Bil­dungs- und Aufk­lärungsar­beit u. a. an Schulen in der Zukun­ft nutzen. Hier kann der Film betra­chtet wer­den:

Jahrestag der Deportation Marburger Sinti

OB Spies bringt Gedenkkranz am ehemaligen Landratsamt an

GEMEINSAME PRESSEMITTEILUNG DER UNIVERSITÄTSSTADT MARBURG UND DES VERBANDES DEUTSCHER SINTI UND ROMA LANDESVERBAND HESSEN

23. März 2020

Mar­burg. Zum 77. Mal jährte sich am Mon­tag, 23. März, die Depor­ta­tion von Sin­ti aus Mar­burg im Nation­al­sozial­is­mus. Im stillen Gedenken hat Ober­bürg­er­meis­ter Dr. Thomas Spies einen Kranz am ehe­ma­li­gen Lan­drat­samt, heute Bauamt, in der Bar­füßer­straße ange­bracht. Auf­grund des Coro­n­avirus fand der Akt in diesem Jahr nicht öffentlich statt.

Ober­bürg­er­meis­ter Dr. Thomas Spies gedenkt im Stillen der Sin­ti, die vor 77 Jahren aus Mar­burg deportiert wur­den (Foto: Patri­cia Gräh­ling, Stadt Mar­burg)

Ober­bürg­er­meis­ter Dr. Thomas Spies erin­nerte daran, dass am 23. März 1943 vor dem ehe­ma­li­gen Lan­drat­samt 78 Sin­ti aus Mar­burg und Umge­bung gesam­melt wur­den, bevor sie vom Mar­burg­er Haupt­bahn­hof in das Ver­nich­tungslager Auschwitz deportiert wur­den. Die meis­ten über­lebten nicht. Ins­ge­samt wur­den rund 500.000 Sin­ti und Roma von den Nazis ermordet. Eine Gedenk­tafel am heuti­gen Bauamt erin­nert an die Opfer. Mit der Kran­zan­bringung will die Stadt Bürger*innen die Möglichkeit zum Gedenken geben, auch wenn in diesem Jahr wegen der Coro­na-Krise keine öffentliche Ver­anstal­tung stat­tfind­et.

„Wir dür­fen die grausamen Ver­brechen des Nation­al­sozial­is­mus nicht vergessen und müssen uns immer dafür ein­set­zen, dass nie wieder Men­schen gewalt­sam aus unser­er Gesellschaft her­aus­geris­sen wer­den“, betonte das Stad­to­ber­haupt. „Diese Tat­en liegen 77 Jahre zurück, doch ras­sis­tis­che Anschläge wie in Hanau mah­nen uns, auch in heutiger Zeit wach­sam zu sein und uns entsch­ieden gegen jede Form von Aus­gren­zung, Diskri­m­inierung und Gewalt zu stellen.“

„In der heuti­gen Zeit, in der rechte Het­ze und rechte Gewalt wieder zunehmen, ist es die gemein­same Verpflich­tung aller Demokrat*innen, sich jeglichem Ras­sis­mus in den Weg zu stellen”, erk­lärte auch Adam Strauß, Vor­sitzen­der des Lan­desver­ban­des Deutsch­er Sin­ti und Roma Hes­sen.

Ins­beson­dere Sin­ti und Roma hät­ten seit Jahrhun­derten mit Stig­ma­tisierung und Diskri­m­inierung zu kämpfen, dabei bere­ichere ihre Kul­tur Deutsch­land und Europa unge­mein, stellte OB Spies klar. Dem hes­sis­chen Lan­desver­band der Sin­ti und Roma sei er sehr dankbar, dass er Kom­munen unter­stütze, die Ver­fol­gung aufzuar­beit­en und auch in Schulk­lassen gehe, um auch die Jün­geren für das The­ma zu sen­si­bil­isieren. Sin­ti und Roma seien fes­ter Bestandteil der Gesellschaft „und ohne sie sind wir nicht kom­plett“, so Spies.

Absage der Gedenkverstaltung in Darmstadt

Die für Son­ntag 15. März geplante Gedenkver­anstal­tung am Denkze­ichen Güter­bahn­hof in Darm­stadt muss lei­der ent­fall­en. Der Lan­desver­band und die Wis­senschaftsstadt Darm­stadt bit­ten hier­für um Ver­ständ­nis.

Archiv­bild

Ausstellung “Hornhaut auf der Seele” in Groß Gerau

Am 12. März eröffnete der Lan­desver­band seine Ausstel­lung “Horn­haut auf der Seele” im Lan­drat­samt Groß Ger­au. Der Autor der Ausstel­lung Dr. Udo Eng­bring-Romang führte in die Ausstel­lung ein.

Die Ausstel­lung zeigt schw­er­punk­t­mäßig die Ver­fol­gung der Sin­ti und Roma im Nation­al­sozial­is­mus in Hes­sen. Hier­bei kom­men ins­beson­dere auch Über­lebende zu Wort und ihre Einzelschick­sale wer­den gezeigt. Die Ausstel­lung bet­tet die Geschehnisse des Nation­al­sozial­is­mus his­torisch ein. So find­et sich ein Abschnitt zu der Entwick­lung von “Zige­unerbildern” und der Geschichte des Antizigan­is­mus in Europa und ein weit­er­er Abschnitt informiert über die Nachkriegszeit. Diese war in den ersten Jahrzehn­ten geprägt von fehlen­der Anerken­nung und Entschädi­gung, dies änderte sich erst durch den Druck der Bürg­er­rechts­be­we­gung in den 1980er Jahren. Der ras­sis­tis­che Völk­er­mord an Sin­ti und Roma wurde erst 1982 offiziell anerkan­nt.

Gedenken an die März-Deportationen 1943 in Wiesbaden

Am 8. März gedachte Adam Strauß als Vertreter des Lan­desver­ban­des zusam­men mit Ober­bürg­er­meis­ter Gert-Uwe Mende und VertreterIn­nen der Stadtöf­fentlichkeit der Depor­ta­tion von 119 Wies­baden­er Sin­ti nach Auschwitz. Musikalisch begleit­et wurde die Ver­anstal­tung durch Jerome Weiß und Sun­ny Franz. “Das Wies­baden­er Mah­n­mal, vor dem wir heute ste­hen, war 1992 bun­desweit das erste Mah­n­mal, das der Ver­fol­gung und Ermor­dung unser­er Men­schen gewid­met wurde”, so Adam Strauß in sein­er Rede.

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Treffen mit Ministerpräsident Volker Bouffier zum Anschlag in Hanau

Am 5. März, einen Tag nach der zen­tralen Trauer­feier in Hanau, lud Min­is­ter­präsi­dent Volk­er Bouffi­er VertreterIn­nen der Hanauer Reli­gion­s­ge­mein­schaften, VertreterIn­nen des Aus­län­der­beirat und Min­der­heit­enselb­stor­gan­i­sa­tio­nen nach Wies­baden ein. Rinal­do Strauß nahm als Vertreter des Lan­desver­ban­des an dem Tre­f­fen teil. Gemein­sam wurde über Unter­stützungsmöglichkeit­en für die Hin­terbliebe­nen, Ver­let­zten und Organ­i­sa­tio­nen disku­tiert. Die Hes­sen­schau und HR4 berichteten.

Gedenken an den schrecklichen Terroranschlag in Hanau

Am 19. Feb­ru­ar wur­den Fer­hat Unvar, Mer­cedes Kier­pacz, Sedat Gür­büz, Gökhan Gül­tekin, Hamza Kur­tović, Kalo­jan Velkov, Vili Viorel Păun, Said Nesar Hashe­mi und Fatih Saraçoğlu aus dem Leben geris­sen. Viele weit­ere wur­den bei dem ras­sis­tis­chen Ter­ro­ran­schlag von Hanau ver­let­zt. Unter den Ermorde­ten befan­den sich auch drei Roma.

Der Lan­desver­band trauert mit den Fam­i­lien und Fre­un­den der Ermorde­ten und wün­scht den Ver­let­zten eine baldige und voll­ständi­ge Gene­sung ihrer kör­per­lichen und seel­is­chen Wun­den.