Am 5. März, einen Tag nach der zentralen Trauerfeier in Hanau, lud Ministerpräsident Volker Bouffier VertreterInnen der Hanauer Religionsgemeinschaften, VertreterInnen des Ausländerbeirat und Minderheitenselbstorganisationen nach Wiesbaden ein. Rinaldo Strauß nahm als Vertreter des Landesverbandes an dem Treffen teil. Gemeinsam wurde über Unterstützungsmöglichkeiten für die Hinterbliebenen, Verletzten und Organisationen diskutiert. Die Hessenschau und HR4 berichteten.
Kategorie: Allgemein
Gedenken an den schrecklichen Terroranschlag in Hanau
Am 19. Februar wurden Ferhat Unvar, Mercedes Kierpacz, Sedat Gürbüz, Gökhan Gültekin, Hamza Kurtović, Kalojan Velkov, Vili Viorel Păun, Said Nesar Hashemi und Fatih Saraçoğlu aus dem Leben gerissen. Viele weitere wurden bei dem rassistischen Terroranschlag von Hanau verletzt. Unter den Ermordeten befanden sich auch drei Roma.
Der Landesverband trauert mit den Familien und Freunden der Ermordeten und wünscht den Verletzten eine baldige und vollständige Genesung ihrer körperlichen und seelischen Wunden.

Adam Strauß am zweiten Anschlagsort 
Gedenkveranstaltung in Darmstadt am 20. Februar 
Adam Strauß bei der Gedenkveranstaltung in Hanau am 20. Februar
Vorträge des Landesverbandes im Februar
Im Februar 2020 hielt Rinaldo Strauß, stellvertretender Geschäftsführer des Landesverbandes, zwei Vorträge. Am 5. Februar sprach er auf Einladung des AStA der Uni Frankfurt a. M. zu dem Thema “Die zweite Schuld – zur Kontinuität des Antiziganismus nach dem Nationalsozialismus” und am 11. Februar war er in Rodheim v.d.H. auf Einladung der Gruppe “Männer am Kamin” mit dem Thema “Wie Zigeunerbilder und Vorurteile einen Völkermord möglich machen können”.
Antiziganismus — Herausforderung für Schule und Gemeinde
Fachtag des Hessischen Landesverbandes und der evangelischen Kirche
In Zusammenarbeit mit der Diakonie Hessen, dem Religionspädagogischen Institut der EKKW und EKHN sowie dem Zentrum für gesellschaftliche Verantwortung der EKHN veranstaltete der Landesverband einen Fachtag zum Thema Antiziganismus in Marburg. Begleitet wurde der Fachtag mit der Ausstellung des Landesverbandes „Der Weg der Sinti und Roma“.

Die Ausstellung “Der Weg der Sinti und Roma” 
Mirko Meyerding 
Handreichung für Lehrkräfte
Workshops zum Thema „Alltagsdiskriminierung“
Im Januar 2020 führte Malte Clausen, Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Hessischen Landesverband Deutscher Sinti und Roma, zwei Workshops zum Thema „Alltagsdiskriminierung und Antiziganismus“ durch.

Gedenken anlässlich der Befreiung von Auschwitz vor 75 Jahren
Der Landesverband gedenkt der Befreiung von Auschwitz vor 75 Jahren. Aus diesem Anlass nahm Adam Strauß als Vertreter des Landesverbandes an der zentralen Gedenkfeierlichkeit des Hessischen Landtages und anschließend an der Eröffnung der Ausstellung des Förderverein Roma in Frankfurt teil.

Staatssekretär Bußer und Adam Strauß
im Hessischen Landtag
Adam Strauß in Frankfurt
Romano Strauß, Mitarbeiter des Landesverband, gedachte den deportierten Sinti in Cölbe. Unter den Befreiten befand sich auch sein Vater.

Romano Strauß, Mitarbeiter des Landesverbandes 
Frankfurter Fachtag zu Sozialer Arbeit

Am 21. November 2019 fand an der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) der Fachtag „Antiziganismus in der Sozialen Arbeit“ statt. Der Landesverband hat den Fachtag in Kooperation mit den ProfessorInnen Kathrin Schrader und Christian Kolbe von der Frankfurt UAS sowie dem Förderverein Roma organisiert, um eine Reflektion von Berufstätigen und Studierenden der Sozialen Arbeit im Bezug auf antiziganistische Diskriminierungsmuster zu ermöglichen.

Zur Eröffnung des Fachtages begrüßte der Vizepräsident der Frankfurt UAS Prof. René Thiele die Anwesenden, für den Landesverband hielt Rinaldo Strauß das Grußwort. Im Auftaktvortrag ging Dr. Markus End, Vorsitzender der Gesellschaft für Antiziganismusforschung, auf die Gegenwart des Antiziganismus in Deutschland ein und betonte die Notwendigkeit für SozialarbeiterInnen, ihre eigene Rolle und ihre eigenen Vorurteile kritisch zu reflektieren, auch vor dem Hintergrund der Geschichte der Sozialen Arbeit. Kenan Emini vom Roma Center Göttingen schilderte anschließend eindrücklich die oft prekäre rechtliche Situation von geflüchteten Roma und die häufig katastrophalen Lebensumstände der Betroffenen. Abschließend berichteten Christine Bast und Jovica Arvanitelli vom Landesverband der deutschen Sinti und Roma Baden-Württemberg von ihrer beruflichen Praxis zu Antiziganismus im Bildungsbereich und über die Herausforderungen, die ihnen von kommunaler Seite gestellt werden.

Nach den Vorträgen am Vormittag fanden am Nachmittag zweistündige Workshops mit den ReferentInnen statt. In diesen konnten die Teilnehmenden einen vertiefenden Einblick in die Thematik erhalten und in den Austausch gehen. Zum Abschluss des Fachtages gab es eine Podiumsdiskussion mit allen ReferentInnen, die vom Sozialarbeiter und Bürgerrechtler Silas Kropf moderiert wurde.

Der Fachtag war in unseren Augen ein weiterer wichtiger Schritt für eine Sensibilisierung für das Thema Antiziganismus in unserer Gesellschaft.
Gedenken am Denkzeichen Güterbahnhof in Darmstadt
Am Sonntag 29. September 2019 gedachten engagierte Einwohner Darmstadts den Angehörigen der Juden und der Sinti, die in den Jahren 1942 und 1943 von Darmstadt aus in die Todeslager der Nazis verschleppt wurden.

Für die Jüdische Gemeinde sprach Daniel Neumann, für unseren Landesverband Rinaldo Strauß. Als Vertreterin der Wissenschaftsstadt Darmstadt sprach Frau Stadträtin Iris Behr ein Grußwort.
Nachruf auf Spinetta Weimer
Der Landesverband trauert um Spinetta Weimer, die am 21. August 2019 nach kurzer schwerer Leidenszeit verstorben ist.

Geboren wurde Spinetta Weimer als Spinetta Laubinger am 22.03.1933 im westfälischen Attendorn. Sie war das älteste von fünf Kindern. In Attendorn verbrachte sie ihre ersten 9 Lebensjahre in einer liebevollen Familie.
Wenige Wochen vor ihrem 10. Geburtstag wurde sie gemeinsam mit ihren 4 Geschwisterkindern und ihrer Mutter nach Auschwitz deportiert. Ihre vier Geschwister Valentin, Olivia, Gerlinda und Christine wurden alle in Auschwitz ermordet. 1944 wurden Spinetta und ihre Mutter von Auschwitz zunächst in das Konzentrationslager Ravensbrück und von dort aus in das KZ Bergen-Belsen verbracht. In Bergen-Belsen wurden sie am 15. April 1945 von der britischen Armee befreit. Gemeinsam kamen sie im Mai 1945 nach Wiesbaden.
Die Mutter starb mit nur 48 Jahren im Jahr 1963, weil sie ohne ihre ermordeten Kinder keinen Lebenswillen mehr hatte. Sie war tief verbittert von den Behörden in der Nachkriegszeit, die das begangene Unrecht abstritten und verharmlosten. So argumentierte etwa eine Entschädigungsbehörde 1951, dass Spinetta Laubinger und ihre Geschwister aufgrund von „Asozialität“ deportiert worden seien.
Spinetta Laubinger heiratete am 11. Januar 1957 ihren Mann Wilhelm Weimer; mit ihm bekam sie drei Kinder: eine Tochter und zwei Söhne. Ihre größte Freude war ihr Enkel, seine Frau und ihr im Herbst 2017 geborener Urenkel. Ihr Ehemann verstarb bereits 2007, nur zwei Tage nach ihrer Goldenen Hochzeit.
Spinetta Weimers Tochter berichtet, dass die grausamen Erfahrungen während der Verfolgung das Leben ihrer Mutter sehr geprägt haben. So war es für sie nicht möglich, in geschlossenen Räumen zu sein. In ihrem Zuhause gab es nur die Eingangstür und die Tür zum Badezimmer, die geschlossen werden durften.
Im Zeitzeugeninterview, das der Mitarbeiter des Landesverbandes Josef Behringer Anfang der 2000er Jahre mit Spinetta Weimer führte und das der Landesverband in dem Buch „Flucht Internierung Deportation Vernichtung“ veröffentlicht hat, sagte sie: Ich habe viel erlebt, aber ich denke nach wie vor positiv. Die Kinder und Jugendlichen sind doch nicht für die Vergangenheit verantwortlich zu machen, und ich hoffe, dass sie meine Geschichte und die Geschichte meiner Familie und die Verfolgungsgeschichte der Sinti und Roma nicht vergessen werden.
Einladung: Eberstadt gegen Antiziganismus 2019










